Heiko Drostes elementare Eingangsbotschaft in seiner
2004 verfügbaren Aufsatzversion*
„Der Nibelungen Tod in Soest. Eine Erzählung ...“ lautet sinngemäß „Die historische Wahrheit ist subjektiv, denn ihre Transferierung unterliegt epochalem Zeitgeist!“ Und so findet er für seine Adressaten gleich zwei Beispiele zur Verdeutlichung dieser Erkenntnis, und zwar zunächst die chronistisch verzeichnete nette Luna-Geschichte über Cäsars beeindruckende Hinterlassenschaft für Lüneburg. Sodann begibt er sich in eine ghanaische Stammesgeschichte, um zu zeigen, wie dort aus der ursprünglichen Zahl 7 schließlich eine bezweifelbare 5 entstanden war. Mit weiteren feinsinnigen Erläuterungen sein Publikum nunmehr auf die „Funktion, Aufgabe und das Wahrheitsverständnis historischer Erzählungen“ vorbereitet, stellt Droste allmählich den Übergang zum nibelungischen Sagenstoff und zu Ritter-Schaumburg her, den er mit getarnt spitzfindigen, aber schlussendlich zum Scheitern bestimmten Parallelen, so besonders zur kontextuell ungerechtfertigt herangezogenen Cherusker-Publikation des Schaumburgers, in die Ecke eines mehr oder weniger dilettantisch vorgehenden Sagenpopulisten zu drängen versucht. Bei Droste findet man also, wen mag es noch wundern, wenig eigene Wertschätzung zu Ritter-Schaumburgs Übersetzungsleistung in Form wortgetreuer deutscher Fassungen der Thidrekssaga als eine wichtige Hinterlassungsgrundlage für die weitere kritische Nibelungenforschung. Droste verschweigt demzufolge auch Ritter-Schaumburgs wesentlichen Anspruch auf das inzwischen nahezu lückenlos verifizierbare geografisch-topologisch-ethnologische Raumbild der nordischen Quelltexte, und gerade hierzu wollte man von einem potenziellen Experten über das Wahrheitsverständnis historischer Erzählungen zumindest eine vage Folgerung für den Authentizitätswert des übrigen Inhalts von Dietrichs Sagenberichten erwarten! Der wahrhaftige Berufshistoriker Droste will seinem Publikum jedoch vielmehr Glauben machen, dass Ritter-Schaumburg seine ihm von der Kritik nachgesagte subjektive Geschichtsmoral in die Erkundung und Auslegung der Thidrekssaga in derart Ausschlag gebendem Maß hat einfließen lassen, dass er sich schließlich im gleißenden Licht eines möglicherweise bereits rechtslastig schimmernden Verkünders von neogermanischem Heldentum nebst siegesgewohnter Tugendhaftigkeit erhebt! Dagegen ist erwiesene Tatsache, dass die Thidrekssaga-Forschung von und um Ritter-Schaumburg sich nun überhaupt nicht einer solchen irrigen Vorstellung zu bedienen braucht, um de facto in einen nahezu identischen Erkenntnisstand zu diesem Quellenforscher zu gelangen; so zum Beispiel Reinhard Schmoeckel. Will Droste mit seiner Ritter-Schaumburg unglaubwürdig untergeschobenen Herrmann-Ideologie als Zerr- und Vorbild für den rheinfränkischen König Dietrich also tatsächlich übersehen haben, dass das gesamtliterarische Werk des konzediert leicht egozentrisch erscheinenden Sagenpapstes zu sorgfältigen Analysen wesentlich differenzierter angegangen werden muss? Wir werden also der von Reinhard Schmoeckel literarisch längst gegebenen knappen Bewertung der sachthematischen Produktivität von Droste, der hier als restriktiver Geschichts- und Literaturwissenschaftler zugleich eine Belletristik der besonderen Art zu pflegen scheint, weiterhin folgen können. Richard K. Baker
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Man wird sich zu dieser
Leserreaktion zunächst fragen müssen, ob Heiko Droste bei seiner nicht zu übersehenden argumentativen Zielsetzung überhaupt einen Spielraum oder
Ansatzpunkt zur sachlichen Dialogaufnahme und Diskussion von Ritter-Schaumburgs Forschungsbeiträgen zulassen will. Hätte er einen von beiden beabsichtigt
bzw. angemessen berücksichtigt, so müssten wir diesen zumindest neben
seiner unverkennbar verfolgten ideologischen Verklärung von Ritter-Schaumburg
ausmachen können. Dem ist scheinbar nicht so.
Droste versucht sich dagegen
im Evozieren syntagmatischer Ideologeme von Thidrekssaga- und Cherusker-Forschung;
so, wie es die zitierte Kritik auf den Punkt gebracht hat. Obwohl ein solcher
Konnex schon aus faktischen Grundzusammenhängen nicht glaubhaft vermittelt
werden kann, will er zu dessen Exposition auch wesensfremd herangezogene
Schlüssigkeiten aufbieten, so etwa durch mehr oder weniger zielgerichtet
präsentierte Beispiele aus seiner Geschichts- und Geschichtenforschung.
In nicht zu übersehender Absicht verfolgt er dabei auch die generelle Infragestellung
der Zuverlässigkeit unserer frühzeitlichen Geschichtsüberlieferung und
Damit mag die Vortragsweise der
oben zitierten Kritik an „Heiko Droste über Ritter-Schaumburg“ (ungeachtet
seiner persönlich verletzenden Diskreditierung) der wissenschaftlichen
Wertlosigkeit des von den meisten Informationsanbietern anscheinend unverstandenen
und demzufolge zumeist kommentarlos verlinkten Aufsatzes vom Enkesener Autor
entsprechend angemessen erscheinen.
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