Stand: 09.05.2008

 
 
Rolf Badenhausen

 

Z u r  T h i d r e k s s a g a :
Dietrich von Bern – Chronik oder Dichtung?
Wadhincúsans Rolle in der Übermittlungshistoriografie

Kommentar

Ausführlichere Behandlung in
Sage und Wirklichkeit. Dietrich von Bern und die Nibelungen

 

 
 
Um die Gestalt des Thidrek (Didrik, Dietrich) von Bern — der seit dem Hochmittelalter mit dem Ostgotenkönig Theoderich gleichgesetzt wird — gruppiert sich eine größere Zahl ursprünglich vermutlich in andere Kontexte gehörende Heldensagen wie diejenige von Siegfried, die Nibelungensage, die Sage von Wieland dem Schmied und die Wilzensage, deren Protagonisten mittels Gefolgschaft oder Verwandtschaft mit Thidrek verknüpft werden. Dadurch wird die Thidrekssaga zur frühesten Kompilation deutscher Heldensagen in Prosaform, weshalb sie in der germanistischen Forschung häufig benutzt wird.
[wikipedia unter „Thidrekssaga“, 29.04.2008.]
 
Eine der zweifelhaftesten und anmaßendsten Behauptungen im gesamten wikipedia.

Wo sind die glaubhaften Belege vom Enzyklopädisten, mit denen er die Thidrekssaga als Kompilation und Heldensage vereinnahmt?1 Er findet sie nicht, zitiert sie nirgends. Stattdessen assoziiert er unglaubwürdige Dogmen der Ewiggestrigen, setzt sich in deren irrigem protektionistischen Interesse über fachwissenschaftlich unvoreingenommene Forschung hinweg, die das gemeinsame literarische Genus der Thidrekssaga und der altschwedischen Dietrich-Chronik längst fern der Heldensage nachgewiesen hat. 

 
Demgegenüber kann man in zweckgefärbter Zielsetzung sicherlich weiterhin erfolglos versuchen, authentisch erscheinende oder mit einem fragmentarischen Geschichtsbild im Wesentlichen vereinbare Vermittlungswerte einer historiografischen Überlieferung anhand von Dichtung und Heldenepik auszublenden. Und wer dieses Vorgehen noch immer für das einzig vertretbare hält, wird höchstwahrscheinlich auch an seine daraus gewonnenen Erkenntnisse glauben. Denn nach solchem Schema darf schon im Interesse einer unbedingt abzustützenden Forschungsbibliografie davon abgesehen werden, mit literatur- und geschichtswissenschaftlich fundierten Quelleneigenschaftsanalysen weitere Aufschlüsse über die erzählerische Hauptidentität einer Überlieferung wie der Thidrekssaga zu gewinnen. Ein von Heinz Ritter-Schaumburg erforschtes Werk, das sein Historizitäts- bzw. Faktizitätspotenzial durch Folgerichtigkeiten zu realistischen Grundvoraussetzungen, Verhältnissen, Abläufen wie auch übertragbaren Wertvorstellungen und Maßstäben bereits selbst anzudeuten vermag. 
 
Nun ist hinlänglich bekannt und unumstritten, dass die Glaubwürdigkeit von schriftlichen und mündlichen Überlieferungen in besonderem Maß von ihren Urhebern und Kopisten abhängt. Daher ist leicht nachvollziehbar, dass Historiker klerikales Schrifttum über geschichtliche Ereignisse bevorzugen, die zumeist in „Chroniken“ oder „Annalen“ aufgezeichnet wurden. Von nur wenigen Ausnahmen abgesehen wird in vergleichbarer Wohlgesonnenheit auch das Schriftgut säkularer Geschichtsschreiber, so von Skribenten des Römischen Reiches, von unserer Geschichtsforschung kreditiert. 
 
Es ist außerdem bekannt, dass uns über den von Ritter-Schaumburg lokalisierten Ereigniszeitraum der Thidrekssaga-Berichte – das mittel- und nordosteuropäische 5. und 6. Jahrhundert – Geschichtszeugnisse aus einer überwiegend zur latenten Wertung neigenden Retrospektive überliefert wurden. Unter diesen bemängelnswert lückenhaften Vermittlungen befinden sich die zwar unseren Historikern noch am verlässlichsten erscheinenden, aber dennoch teilweise recht subjektiv anmutenden und keineswegs vollständigen Aufzeichnungen über die frühe Frankengeschichte (s. Gregor von Tours, Fredegar). Dagegen beruhte der um die Mitte des ersten nachchristlichen Jahrtausends in den weiter nördlichen und östlichen Breiten stattgefundene Nachrichtenverkehr auf einem System, das nach offensichtlich vorliegenden Erkenntnissen noch nicht chronistisch-schriftlich, sondern in analoger Vorläuferform gleichsam „sagen-artig“, also auditiv organisiert war: der »Sagamann« als geläufiges akustisches Informationsmedium. Er sollte, weil er auch nicht realistisch oder folgerichtig erscheinende Informationen wissentlich oder unwissentlich weitervermitteln konnte, über ein Jahrtausend später in das Kreuzfeuer der Kritik der Geschichts- und Literaturwissenschaft geraten, die sich zumeist mit obsoleten Bewertungskriterien, so von Ritter-Schaumburg attestiert, um die Selektion und Klassifikation seiner Berichte über einen König Dietrich von Bern bemüht hat.
 
In der Thidrekssaga-Forschung geht es bekanntlich um zwei unterschiedliche und vor allem entgegengesetzte Ausgangspunkte: Germanistik und Nordistik2 gehen von einer Dichtung und Ritter-Schaumburg umgekehrt von einer (weitgehenden) Chronik aus. Da über diese Kontroverse kein Forschungsstillstand zu erwarten ist, darf man noch gespannt sein, ob die Fachwissenschaft mit gleichermaßen unpräjudizierenden Vorsätzen zwischen der Glaubwürdigkeit der von ihr noch wenig beachteten altschwedischen Dietrich-Chronik und – wie beispielsweise mit der Nibelungenforschung in Verbindung zu bringen ist – dem inhaltlichen Wahrheitsgehalt einiger hochgeistlicher Folianten vom realhistorischen Passauer Bischof Pilgrim zu unterscheiden vermag. Ebenso wird man auch außerhalb der lehrwissenschaftlich betriebenen Forschung bei der Bewertung von frühgeschichtlichem Quellenmaterial noch gebührend zu berücksichtigen wissen, dass mediävale Historiografen auf Darstellungen von zumeist unbekannten weltlichen Erstinformanten von den Schau- und Schmiedeplätzen berichtenswerter Ereignisse vertrauen bzw. bauen mussten. Die auf solchen antiquarischen Vorvermittlungen beruhende Geschichtsschreibung wird demnach weitgehend gleiche Bewertungskriterien zur Glaubwürdigkeit erfüllen müssen wie etwa die Thidrekssaga in ihrer prosaischen Berichtstilistik. Sich in grundsätzlich schwierigem Metier bewegende chronistische Schreiber wie etwa Gregor von Tours, Fredegar oder Jordanes repräsentieren jedoch Beispiele für vermeidbare Voreingenommenheiten oder oft unvermeidbar unkritische Einstellungen gegenüber ihren Quellen. 
 
Höchstwahrscheinlich dürfte sich also die rhetorische Frage erübrigen, welchen Stellenwert man der Thidrekssaga – und zuvorderst der altschwedischen Dietrich-Chronik – auf der bibliografischen Wertigkeitsskala der noch heute scholastisch dominierenden, aber nach Ritter-Schaumburg längst überholungsbedürftigen Nordistik im 19. Jahrhundert zugewiesen hätte, sofern deren geografisch leicht verständliche Pergamentschriften von geistlicher Hand in feinem Latein abgefasst und noch vor denen des Nibelungenlieds datiert worden wären.3

Tatsächlich sollte aber eine ordinierte Germanistik-Professorin und ehemalige Schülerin von Helmut de Boor, einem ausgewiesenen Experten insbesondere über die mittelhochdeutsche Heldenlieddichtung, einen bemerkenswerten Indizienfund machen, der nach ihrer fachwissenschaftlichen Beurteilung die Thidrekssaga mit einem hohen Maß an Wahrscheinlichkeit aus klerikaler Obhut und Bearbeitung entstammen lässt: 

 
Roswitha Wisniewski sieht mit ihrer quellenkritischen Untersuchung unter dem Titel Die Darstellung des Niflungenunterganges in der Thidrekssaga (Hermaea, Tübingen, 1961) die Dietrich-von-Bern-Erzählungen unter der archivarischen wie literarischen Verantwortung eines mittelalterlichen Klerikers im westfälischen Kloster Wedinghausen, etwa 23 km südlich von Soest bei Arnsberg gelegen. Auf diese geistliche Wirkungsstätte verweist repräsentativ, so die Wissenschaftlerin, das in den Quelltexten erwähnte Kloster Wadhincúsan in der späteren Heim-Episode zum versinnbildlichten Herkunftsnachweis über einen maßgeblichen Aufbewahrungs- und Bearbeitungsort der Thidrekssaga-Quelle. 
 
Tatsächlich zählen Wadhincúsan – Wedinghausen sowohl nach neueren Abhandlungen als auch in der Ritter-Schaumburg folgenden Forschung zu den wichtigsten Kriterien und im verifizierbaren Fall gar zur Schlüsselposition in der Übermittlungshistoriografie über die uns vorliegenden Handschriften über Dietrich von Bern. 
 
Roswitha Wisniewski geht bei ihrer quelltextlichen Argumentationsgrundlage von Mb 429 aus, wo es dem seine Sünden bereuenden Heim (Heime, Heimir) in ein Kloster auf dem ehemaligen Gebiet des inzwischen verstorbenen Herrschers Ermenrik zieht und sich der Gefolgsmann von König Dietrich inkognito unter dem Aliasnamen „Ludwig“ dem Abt von Wadhincúsan vorstellt. Wisniewski identifiziert nun dieses erzählungsgeschichtliche Muster mit der Geschichte des 1170 gegründeten Wedinghausener Prämonstratenserklosters, dessen Ordensbrüder traditionsgemäß weiße Kutten trugen. Eine kurze Zeit nach seiner Gründung, und zwar zwischen 1210 und 1236, soll nach mehrfachen Einträgen im Westfälischen Urkundenbuch (Staatsarchiv Münster) dort tatsächlich ein Ludovicus dem Kloster als „Scriptor“ gedient haben. Die Thesenverfasserin erkennt in diesem Ludwig somit einen bedeutenden Überlieferer der Thidrekssaga, wie er sich – übrigens in einer literarisch keineswegs unüblichen Manier – auf erzählungsgeschichtlicher Ebene durch das Heim-Ludwig-Implantat als Kopist und Autor verewigt wissen wollte. Gleichwohl gibt die Literaturwissenschaftlerin anhand weiterer quelltextlicher Übermittlung zu bedenken, dass der sich als Klosterbruder bewerbende zu guter Letzt willkommene Heim „eine schwarze Kutte anzog wie die anderen Mönche“ (Mb 429) und deutet die nunmehr unstimmige Kuttenfarbe als einen Zusatz, wie solcher mit ausmalenden altnorwegischen Additiven des Membrane-Sagamanns durchaus in Einklang gebracht werden kann. Als weitere und unbedingt sinnvolle Maßnahme vom Bearbeiter, sich von der Handlung zu distanzieren, sollte auch die native Abkopplung der Gestalt „Ludwig“ von Dietrichs Gefolgsmann Heim gesehen werden, wie dies für den Erstgenannten zur Vita des Ludovicus im Amelungenland (Humlungaland) stimmen mag und somit klar im Gegensatz zum Nachgenannten steht, der in der Erzählung jedoch nur aus „Svava“ (dem Harz) stammend zitiert wird. Und ebenso wird man auf erzählungsgeschichtlicher Ebene schon wegen der Gründungszeit des Klosters Wedinghausen die Heim-Episode nicht aus dem Ereignishorizont nach dort in das westfälische „Wadhincúsan“ transponieren können. 
 
Die Tragweite möglicher Folgerungen und Konsequenzen aus einer derart verankerten Bearbeitungssignatur gleichwohl erkennend wollen Roswitha Wisniewskis akademische Kolleginnen und Kollegen ihre These als nicht haltbare Spekulation beurteilen. Hierzu verweist Susanne Kramarz-Bein unter anderem auf die zum altnorwegischen Entstehungsmilieu und dessen kontextuelle Einflüsse förderlichen Indizien, sowie insbesondere für den zu Bergen unterstellten „Sagamann“ auf den für ihn vorbildlichen Benediktinerorden von Kloster Múncalíf. Sofern nun Kramarz-Bein unter „Entstehungsmilieu“ hauptsächlich die von Ritter-Schaumburg indizierte epische Übertragungsmentalität des Membrane-Schreibers aus einer am wahrscheinlichsten erscheinenden niederdeutschen Vorlage verstehen sollte, dann müsste man – sicher entgegen ihrer beabsichtigten Entkräftung der These ihrer Kollegin – wohl eher umgekehrt von deren Untermauerung ausgehen. 
 
Jedoch hat Susanne Kramarz-Bein anhand kontextuell fragwürdiger kollegialer Zitate und Forschungsbeiträge vielmehr versucht, einen tragenden Pfeiler einer nostrifizierten Habilitation auszuhebeln (s. Endnote 6). Dabei bezieht sie sich unter anderem auf William J. Pfaff, wie dieser bei seinem irrigen geografischen Verständnis der Thidrekssaga (vgl. Ritter-Schaumburgs Nachweise; über Pfaff s. Sigfrid ohne Tarnkappe) die Wisniewski-These mit diesen von der jüngeren Autorin nachzitierten Einlassungen jedoch vergeblich zu rezensieren versuchte: 
 
“… It seems hard to believe, however, if the saga writer were working with a chronicle
written in Wedinghausen, that he would place the monastery in Italy or that he would
have found the form Wadhincusan before him
By concentrating her attention on the
story of the Nibelungen, she avoids difficulties which a similar analysis of the whole
saga would entail
…” (aus Journal of English and Germanic Philology, 61, S. 948-952, 1962). 
 
Nach den quelltextlichen Schilderungen (Sv 371, Mb 430) befindet sich wegen Heims Kurzweg-Entscheidung, in (irgend-) ein Kloster zu gehen, diese Stätte unzweifelhaft im Land „Lumberdi“ bzw. im „Langbardenland“. Es kann sich hier jedoch nicht um die italienische Lombardei drehen, weil es sich vielmehr um eine Region südlich vom linksrheinischen Humlungaland – also im Gebiet um das zweite Rom an der Mosel – handeln muss; so, wie man dies aus den Schilderungen von Heims zerstörerischen Zügen als seine Antwort auf Dietrichs Vertreibung aus „Bern“ eindeutig nachvollziehen kann. Ritter-Schaumburg hat für diesen Landstrich an der mittleren bis unteren Mosel eine schlüssige Entsprechung mit dem bei Trier gelegenen Lampaden (vgl. „Lamparden“, „Lampartenland“) angegeben. Wie er im Zusammenhang mit der Herkunft der Gestalt Walter zur Disposition stellt [Die Thidrekssaga (Übs. F. H. v. d. Hagen), Fußnotentext 57, S. 763], besteht zur näheren Verortung von Heims Kloster noch eine bedenkenswerte Alternative in „Voska“ – „Vaska“ (Forst bei Polch) sowie auch in Wadgassen an der Saar. Hier, im Gebiet des später errichteten Klosters Wadhingozzan, lokalisiert Ritter-Schaumburg Heims letztes Wirken.4 
 
Aus der Argumentation von Pfaff ist übrigens beispielhaft erkennbar, dass die germanistische und nordistische Anerkennung nur des Ritter-Schaumburg’schen Raumgefüges der Thidrekssaga bereits eine nicht unerhebliche Schmälerung ihrer eigenen literarischen Erkenntniswerte und somit auch ihres Argumentationsreservoirs bedeuten dürfte! Gerade vor solchem Hintergrund wird man den von Heinrich Beck bemühten Standpunktzweifel einer – schlussfolgenderweise auf den Punkt gebrachten – auffallend widersprüchlich postulierten Erzählungskonsistenz zu sehen haben: Die von Ritter-Schaumburg aufgezeigte und weitestgehend sicher stimmige geografische Homogenität der Thidrekssaga – mit all jenen darin peinlich genau festgehaltenen wie literarisch zuvor unverwerteten, unbekannten, bedeutungslosen und trotz alledem wirklichen wie schlüssig zusammenhängenden Örtlichkeiten und Fleckchen – müsse bei historisch vorausgesetzten Berichten dann gegensätzlich zu einer realitätsfern anzunehmenden Suspektizität übriger Inhalte gesehen werden. Wirklichkeitsgrade realitätsrelevanter Verschriftlichungen sollen hier also nicht am Wahrheitsniveau mitvermittelter Raumbilder festgemacht werden dürfen. 
 
Mit einer vielmehr an sich selbst als an Ritter-Schaumburg zu adressierenden „Abverlangung eines falschen Realitätscharakters der Thidrekssaga“ wird also die Fachwissenschaft diese Folgerungshaltung auf sich selbst zu beziehen haben. Und so haftet an den lehrwissenschaftlich weiterhin festgehaltenen Fehlinterpretationen von geografisch-topografischer Dimension deren zugleich missgedeuteter invalider genealogischer und ethnologischer Korpus.5 Gerade von solcher Warte will auch Kramarz-Bein selbst ein elementares Grunderkennungsmerkmal anerkennungsfähiger Geschichtsdarstellungen noch für Ein- und Widersprüche gegen Ritter-Schaumburg und chronikalische Vermittlungen verwenden: In ihrem Irrglauben, die Thidrekssaga als Dichtung begreifen zu müssen, sollen Wirklichkeitsgrade realitätsrelevanter Verschriftlichungen hier nun nicht am Wahrheitsniveau mitvermittelter Raumbilder festgemacht werden dürfen. Doch sie überzeugt keineswegs bei ihrem Versuch, ein gewiss nicht vernachlässigbares wichtiges Indiz für das Authentizitätsmaß einer Überlieferung wie die Thidrekssaga unverhältnismäßig zu verdrängen. Schon deswegen, weil sie mit ihren abzulehnenden Vorstellungen, jedoch der von Ritter-Schaumburg aufgezeigten geostrategischen Genauigkeit und somit auch einer geopolitischen Unwiderlegbarkeit der „Saga“ keine übertragbaren Präzipitationsfälle anzugeben weis. 
 
Wenn sich Heinrich Beck gegenüber Ritter-Schaumburg auf eine herablassende Argumentation verlegt und dabei verkündet, dass „die Thidrekssaga für den n a i v e n   L e s e r  den Eindruck eines geschichtlichen Berichts erweckt“ (Z. f. d. A. 112, 1993), dann mögen einige lakonisch reduzierende Schlussziehungen vom Bonner Thidrekssaga-Symposium noch am ehesten Becks zweifelhafter Behandlung einer Überlieferung genügen, die Friedrich Panzer nicht ohne dichtungsgetrübtem Blick längst vor ihm als „Schmerzenskind der Germanistik“ begriffen hat. Und wenn nicht nur Heinrich Beck zur Protektion eigener wie zudem höchst dubioser altwissenschaftlicher Vorstellungen aus der Thidrekssaga gar einen groß angelegten Erzählungsplan von dichterischem Geist herauslesen will, so entsprächen dessen Kernelemente und Schemata gleichwohl wirklichkeitsrelevanten und somit glaubwürdigen Vermittlungswerten von Gestalten- und Gestaltungsformaten einer mediävalhistoriografischen Darstellung (der Helden Herkunft und Jugend, Lebenstaten, Hochzeit, Tod). 
 
Auch auf diesen Gleisen sind Germanistik und Nordistik auf notorisches Zuweisen und Beanspruchen monografisch gesehener Textzeugnisse als intentionale Dichtung beschränkt. Doch dabei wird nicht mit Antagonismen aus konservativer Ignoranz und Überheblichkeit gegenüber dem ausgewiesenen Literaturwissenschaftler Heinz Ritter-Schaumburg gespart. So auch dergestalt, dass beispielsweise Kramarz-Bein ihn mit kaum mehr als einer Fußnote berücksichtigen und seine Untersuchungen schlichtweg als populärwissenschaftlich und irrelevant abkanzeln will. Und auch gegen Roswitha Wisniewskis These führt sie im Schulterschluss mit Heinrich Beck und seiner eindeutig fragwürdigen Betrachtung der Thidrekssaga auch die Horst P. Pütz ins Feld: Er will nicht ansatzweise verwertbare urheberschaftliche Indizienmomente in der Heim-Ludwig-Denkmalsetzung des Scriptors erkennen und daher vielmehr glauben machen, „... dass der Saga hier auch im Bereich der Personennamen ein falscher Realitätscharakter abverlangt wird ...“ (Z. f. d. A. 100, 1971). 
 
Wie auch andere seiner Kollegen sieht der Literaturwissenschaftler Pütz in der Thidrekssaga eine symptomatisch soweit entrückte Dichtung, dass er aus seiner dementsprechend realitätsfernen Warte die Grundzüge der von Roswitha Wisniewski aufgezeigten Urheberschaftsanspielung in den Handschriften nicht zu erkennen vermag. 
 
Mit dem bereits seit den achtziger Jahren vorliegenden Erkenntnisstand kann jedoch zur deutlichen Erhärtung der Wisniewski-These aufgezeigt werden, dass Kramarz-Bein die Heim-Moniage unausgewogenen kommentiert. Wie Ritter-Schaumburg in seiner Exkursion als Addendum zu seiner deutschen Erstübersetzung der altschwedischen Dietrich-Chronik sowie auch in seiner Posthumveröffentlichung Der Schmied Weland (s. dazu auch den Verfasserbeitrag unter iii.) bislang unwiderlegt herausgearbeitet hat, wird man auch in diesem Zusammenhang von einer Bewertungspriorität oder kontextuell zumindest von einer Relevanz der altschwedischen Handschriftüberlieferungen ausgehen müssen. Und so findet sich darin auch kein einziges Wort über eine schwarze Mönchskutte von Heim bzw. „Ludwig“. Es heißt dort an der einzigen entsprechend möglichen Stelle: „... (er) ... nahm Kutte und Mönchskleider und gab sich in den Orden mit ihnen ...“ (Sv 370). 
 
Da Kramarz-Bein wiederholt eine Reihe von kollegialen Einschätzungen zitiert, die von einer niederdeutschen Vorlage ausgehend ihre milieuorientierte literarische Transfusion in Altnorwegen befürworten, wäre überdies zu diesem Punkt – vorbehaltlich einer kritischen Betrachtung von Art und Umfang – noch von einem Assimilierungsansatz oder kleinstem gemeinsamen Nenner mit Ritter-Schaumburg auszugehen. Selbst wenn hier zur Zerstörung von Roswitha Wisniewskis These von einer schlichten Kürzung ausgangen wird, so bliebe aus mehr als nur einem Blickwinkel zu ergründen, warum nun ausgerechnet an dieser Stelle die altschwedischen Chronisten eine Auslassung vorgenommen haben sollten! 
 
Hingegen wird der längst invalidisierte Standpunkt, dass die norwegischen Bearbeiter der Thidrekssaga deutlich mehr als eine weitgehend vorlagengetreue Übersetzungsarbeit aus einer niederdeutschen Geschichtswerk über die Zeit Dietrich von Berns geleistet hätten (s. auch hierzu den bislang nicht widerlegten Wisniewski’schen Extrapolationsnachweis der sog. Zweiten Quelle in Verbindung mit der von Ritter-Schaumburg angeregten Vereinbarkeitsforschung an und zu historischen Bezügen und Evidenzen), keineswegs mehr glaubwürdig zu vertreten sein – schon aufgrund nicht versuchter und nachweislich auch nicht vorliegender manipulatorischer Eingriffe an dem nach Ritter-Schaumburg besondere Detailkenntnisse über fränkische und niedersächsische Ortskunde beanspruchenden Erzählungsraum. Ebenso wenig werden Heinrich Becks lehrwissenschaftliche Ziehtöchter6 und -söhne nicht glaubhaft darauf abstellen können – indem sie eine solche Konstruktion zur Ehrenrettung ihres partiell verfallsbestimmten Gedankengutes zulassen oder bewusst zu tätigen versuchen –, dass norwegische Saga-Redaktoren um König Hákon IV. dann eben ortsfremde Erzählungsparts bei so unbekannten Fleckchen wie Vernica, Thorta oder Thyra, an schier unberührt klingenden Gewässern wie Wisara oder Eydissa, an so reputationslosen Waldgebirgen wie etwa dem Valslanga-Wald hätten einpflanzen wollen. 
 
In der ebenso vorherrschenden wie gleichermaßen irrigen Vorstellung der Literaturwissenschaft des 19. Jahrhunderts, in den Handschriften der Thidrekssaga und der Dietrich-Chronik Theoderich den Großen wiedererkennen zu müssen, kann und muss es sich bei diesen folglicherweise nur drastisch verzerrt begreifbaren Überlieferungen um nicht mehr als „Sage und Dichtung“ handeln. Doch von eben diesem ehernen Postulat, soweit noch gestützt vom schöngeistig verherrlichenden Bestand an mittelalterlicher Dietrich-Epik, vermag sich die Germanistik und Nordistik des 21. Jahrhunderts – um ihrer darauf angehäuften Bibliografie und somit ihrer Glaubwürdigkeit und Reputation willen sich teilweise naivster Argumentationsstrategien gegen Ritter-Schaumburg bedienend – wohl auch in absehbarer Zeit nicht überzeugend zu lösen. Neben infantiler enzyklopädischer Kritik an der pseudonymisch wie toponymisch zulässigen Inanspruchnahme von „Svava“ – Ritter-Schaumburgs prägnanter Logismus für seine Erstübersetzung der Didrikskrönikan durch begriffliche Übernahme jener quelltextlich häufig zitierten niedersächsisch-mitteldeutschen Region anstelle einer Verschmelzung von svensk für schwedisch – zählt das Inabredestellen potenziell verschollener Aufzeichnungen über Vermittlungsinhalte der Thidrekssaga (übrigens nicht unerheblich gegen die Ideologie Ludwigs des Frommen), zu denen Ritter-Schaumburg Oberbegriffe wie „Urschrift“ oder „Urfassung“ verwendet. 
 
So bleibt zur enzyklopädischen Vorstellung, Ritter-Schaumburg und Reinhard Schmoeckel hätten die Thidrekssaga gar zu einem chronikalischen Werk emporgehoben, noch darauf hinzuweisen, dass längst vor ihnen Roswitha Wisniewski deren gattungsliterarische Herkunft und Haupteigenschaft mit einer anerkannten Habilitation aufgezeigt hat. Auch ihrer Argumentation wurde nicht zuletzt ein heroisch-poetisch veranschlagter „Strukturplan“ zur Glaubhaftmachung eines fabulierten Heldenepos gegenübergestellt. So hat sie mit unverkennbarem Unterton noch Ende 1990 in ihrem Vortrag über den Stand der Nibelungenforschung am Europainstitut der Universität des Saarlandes das etablierte interpretationsdogmatische Hauptkriterium dergestalt auf den Punkt gebracht, dass neben der Nibelungensage 
die vielen sonstigen Überlieferungen der Dietrichsage eindeutig erkennen lassen, daß es Theoderich der Große ist, der in der Dietrichsage fortlebt.“
 
Wie nicht nur Roswitha Wisniewski anhand unterschiedlich aufgezeigter Interpretationsmaßstäbe erkennen lässt, positioniert sich die Kernauffassung der Germanistik und Nordistik – sofern von einer solchen überhaupt gesprochen werden kann – an kaum gefilterten und zu nicht wenigen Kriterien widersprüchlichen Bewertungshorizonten. Das mediävalnordische Schrifttum, so vor allem unter Hákon IV., zeigt dagegen, dass historiografisches Importmaterial unter undifferenziert gepflegtem Begriff „saga“ übersetzt und kategorisiert wurde. Auch demnach bleibt zu resümieren, dass die Literaturwissenschaft nicht minder unkritisch den von übertragenden »Sagamännern« vergebenen Titeltypus für eine importierte und mit berechtigter Wahrscheinlichkeit niederdeutsche Geschichtsvermittlung zu ihrem programmatischen Ideologem erhoben hat.7 So die nach verständlicher Folgenabschätzung einzig verbleibende ephemere, bereits aus vorgenanntem Zusammenhang jedoch kaum haltbare Bastion zur Abstützung ihrer altwissenschaftlichen Forschungsbibliografie. Mit wiederum ebenso unkritischen wie rückhaltlos propagierten Pauschalisierungen, dass etwa
die volkssprachliche Sagenüberlieferung ihrem Wesen nach den Ansprüchen nicht zu genügen habe, die die Geschichtsschreibung an die Faktizität des Berichteten stellt,
soll den altnordischen Handschriften über Dietrich von Bern auffälligerweise nach Ritter-Schaumburg noch um so mehr Geschichtlichkeit abgesprochen werden, als es mancher Altwissenschaftler je zu träumen wagte. Und so werden historische Gestalten, die noch von Ermanarich bis Odoaker reichen dürfen, um so mehr in einen auf altwissenschaftlicher Illusion basierenden Gestaltungsplan der Thidrekssaga gezerrt und mit diesem weiter entstellt.8 Auch hier handelt es sich nur um ein Beispiel einer längeren Reihe von methodologischen Fehldispositionen, die im Rahmen fachwissenschaftlich versuchter Rechtfertigungen den mehrheitlichen Studienanfängern und -anfängerinnen der Germanistik und Nordistik nur ein müdes Lächeln abringen können. 
 
Durch bewusstes Ignorieren von Vermittlungsstilistik aus dem Genre früh- bis hochmittelalterlich anerkannter Geschichtsquellen wollen die Vertreter dieser Fachrichtungen die von Ritter-Schaumburg aufgezeigte Immanenz der Thidrekssaga trotz vorgelegter chronikalischer Extrapolationsnachweise wie darüber hinaus systematisch-methodisch weiter darstellbarer quellenkomparativer Gattungsanalysen vielmehr supprimieren. Dazu abwegig gegen Ritter-Schaumburg und allgemeine literarhistoriografische Wertmaßstäbe erhobene Forderungen über handschriftlich punktgenaue Realitätsspiegel wird man anhand frühgeschichtlicher Berichterstattung von Schreibern wie beispielsweise Jordanes, Saxo Grammaticus oder dem pseudonymischen Fredegar jedoch eher einer Absurdität als literatur- und geschichtswissenschaftlichen Grunderkenntnissen aus rund zweitausendjähriger Ereignisübermittlung zuschreiben müssen. Zu polemisierenden Behauptungen, dass Ritter-Schaumburg mit nicht unberechtigten Folgerungen aus seinen toponymischen Identifizierungen gar
gesicherte literarhistorische Erkenntnisse über die Sagen- und Geschichtsüberlieferung germanischsprachiger Völker ignoriere“,
sind forschungsevidente Berufungen auf geschichtsfaktisch anerkennungsfähige Nachweise oder ihn signifikant widerlegende Gegendarstellungen nicht möglich. Ebenso kann nicht wegen Singularität einer im Kern völkergeschichtlichen Überlieferung diese unter Hinweis auf somit unerfüllbare Forderungen nach koexistentem Belegmaterial als historische Vermittlung vorab ausgeklammert oder negiert werden – übrigens ein fatales Postulat für solche Geschichtszeugnisse, die historische Denkmäler solitär beitragen. Vielmehr zeigt bereits das von Ritter-Schaumburg glaubhaft extrahierte handlungsstrategische Ortsgerüst der Thidrekssaga, dass gemäß literarhistorisch applizierbaren Maßstäben für inhaltliche Vermittlungswerte ihre methodisierte stereotypische Behandlung als Dichtung ihrer Gesamtcharakteristik in keinem Fall gerecht werden kann. 
 
Nicht nur Heinrich Beck hat versucht, sich über Andreas Heuslers elementares Trennungstheorem zwischen Heldendichtung und Chronik hinwegzusetzen, und seine ihn auch darin unkritisch abnickende Gefolgschaft vermag längst nicht mehr mit ihrer eigenen disziplinärmethodischen Zwiespältigkeit glaubwürdig umzugehen. Doch auch demgegenüber will die Lehrauffassung zunehmens sich selbst glauben machen, dass die Thidrekssaga als scheinbar volkssprachliche Sagenüberlieferung nicht den Ansprüchen genügen müsse, die eine mehrfach edierte mittelalterliche Chronik – so in Beanspruchung und Ausfüllung einer spätgallorömisch-frühfränkischen Geschichtslücke – an realhistorischer Kreditierbarkeit zu stellen habe. Vielmehr ließe sich nicht zuletzt mit dem lateinisierten volkssprachlichen Possengerede der fränkischen Historia von Gregor v. Tours aufzeigen, dass nicht nur derartige Geschichtsdarstellungen, sondern insbesondere auch rezipierend verdrehende und sich ihren inspirativen Quellen somit weiter entfernende Heldenepik mindestens gleichermaßen einen nachvollziehbaren Anspruch auf geistliche Urheberschaft erhebt. [Gregor von Tours befindet sich auf dem Schriftzeugnisindex für „Quellen des Vulgärlateins“ der Sprach- und Kommunikationswissenschaftlerin Barbara Job. Zum summarischen Gewicht unzweifelhafter Spuren von supponierbaren lateinischen Präedierung(en) der Thidrekssaga siehe z. B. in deutschsprachigen Veröffentlichungen Roswitha Wisniewski (Habil.), Karl Droege (Z. f. d. A. 51 u. 58), Willy Krogmann (Z. f. d. A. 87); zur Profilanalyse ihrer Gelehrtenfassung u.a. insbes. Roswitha Wisniewski (Habil.), Willi Eggers (Nddt. Jb. LXII), Verfasser (2008) sowie m. E. Gustav Neckel (Nddt. Jb. LIII).] Der Nachweis für die lehr- und geschichtswissenschaftlich nicht minder an anerkennungsfähiger Beweiskraft mangelnde Behauptung, die Thidrekssaga sei überdies als amalgamiertes Konglomerat aus raum- und zeitoriginär (beziehungs)losen Erzählungen aufzufassen, werden Germanistik und Nordistik nicht einzig anhand vorzugsweise poetologisch-zeitquerschnittlich orientierter Quellen- und zweifelhafter Gestalteninterpretationen erbringen können, zu denen sie bei Rezeptionsepik zumeist von literarstemmalogisch unvollständig geklärten wie interkontextuell verklärenden Vorlagenverhältnissen auszugehen haben. 
 
Als zeitepochales chronikalisches Erzählungswerk erfüllt die Thidrekssaga als Eloge auf ihre Titelgestalt mehr als die grundsätzlichen literarischen Kriterien einer spätantiken und mediäval edierten Historia über rheinfränkische und niedergermanische bzw. sächsisch-baltische Ereignisse. Zeitgleich dazu berichtet der keineswegs unfehlbare prinzipaliter Zeugnislieferant Gregor von Tours aus (s)einem Nebel früher salfränkischer Herkunftsverhältnisse über den talentiertesten austrasischen König Theuderich I., dessen Kindheit sowie Jugend- bis Midlife-Aktivitäten uns der glaubensmoralstische Geschichtsschreiber der Franken auffälligerweise weitestgehend vorenthält.9 
 
Die Historizitätsforschung der Thidrekssaga stellt gleichwohl höhere Anforderungen, als anhand eindeutig fragmentarischer Überlieferungen von fränkischen Chronisten wie z. B. Gregor von Tours in der Form gegen Ritter-Schaumburg zu polemisieren, dass zwar berechtigt zu fordernde, uns aber erkennbar vorenthaltene Geschichtszeugnisse – so über eine faktisch zu postulierende Ripuarier-Historie oder der wohl kaum einem irdischen Zeitsprung unterworfenen Geschichte Triers („Roma II “) in der Zeit nach 470 – hinreichend beweiskräftig gegen die Dietrich-Chronik bzw. eine chronikalische Thidrekssaga zu verwenden wären. Schon demnach ist es keineswegs ein Schwachpunkt der Ritter-Schaumburg’schen Argumentation, sondern vielmehr das naive Procedere seiner hier kaum mehr als pseudowissenschaftlich vorgehenden Kritiker und Enzyklopädisten, aus Lakunen eine substanziell haltbare Argumentation gegen ihn entwickeln zu wollen. 
 
Was ihm gerade von solcher nicht zuletzt hypergenaue antiquarische Eigennamenübertragungen voraussetzender Gegnerschaft noch zum Vorwurf gemacht werden könnte, wäre also die Lückenhaftigkeit unserer Geschichtsschreibung, das Ernstnehmen von Singularität und inhaltlicher Einzigartigkeit einer chronikalischen Überlieferung, das Hinwegsehen über das keineswegs von ungefähr defizitäre wie tendenziöse Material vom moralisierenden Prinzipal eines unbarbarisch-fränkischen Geschichtsbewusstseins – auch hierüber sollen sich Studien in Arbeit befinden –, und somit schließlich die generelle Forderung, Ritter-Schaumburg möge sich doch auf Vermittlungen beziehen, die uns unsere frühgeschichtlichen und durch eigene Relativierungen keineswegs punktgenau erzählenden Chronisten nicht vorenthalten.
[Noch vor diesem Hintergrund treffen wir gelegentlich auf unausgewogenen Präjudizierungen oder verunsachlichenden Destruktionsabsichten basierende Behauptungen, dass die Bestimmbarkeit und somit die Glaubwürdigkeit mittelalterlicher Namenüberlieferungen (mit augenscheinlich erheblichem Gefährdungspotenzial für alttraditionelle Ortsvorstellungen) aus der Topik chronikalischer oder historiografischer Berichte ausgeklammert werden müsse. Selbst anhand der Edierungsverhältnisse der Thidrekssaga und handlungsstrategisch stichhaltiger Relationen nach Ritter-Schaumburgs Ortsgerüst erscheint solche Argumentation jedoch als unausgegorene und gemäß erzählungsinhaltlicher Gesamtveranlagung nicht glaubhaft vertretbare Pauschalisierung. So der nicht zuletzt auch enzyklopädische Online-Medien beispielhaft unglaubwürdig abwertende Vorstoß gegen ein zur Sage erklärtes Textzeugnis, um auf möglichst einen Schlag die nordischen Handschriften – und mit ihnen hier im Zusammenhang zu sehende mittelalterliche Geschichtsvermittlungen – ihrer geografischen Determination zu berauben. Wegen implizierter zerstörerischer Konsequenzen sowohl generell für linguistische Grundwerte als auch anerkannte und anerkennungsfähige Geschichtszeugnisse arten solche Einlassungen gleichwohl in einen kontraproduktiven Rundumschlag aus, bei dem selbst eine gestandene Germanistin wie Roswitha Wisniewski zu Boden geht.10
 
Und so fehlt auch nicht wenigen rein englischsprachigen Geschichtswissenschaftlern das Verständnis für jene unfundiert zementierten “Too good to be true“-Apodikte, die in der Klimax ihrer sprachliterarischen Errungenschaften eine Übertragbarkeit quelltextlicher Toponyme wie Vernica, Verniza oder Vermin(t)za, Vermista auf faktische Ortsnamen wie Virnich oder Virmenich (jetzt Firmenich) auch wegen mutmaßlich ausschließlicher Nennung in den altschwedischen und altnorwegischen Handschriften scheinbar definitiv in Abrede stellen wollen.11 Nach zunehmender Tendenz einer solchen Argumentation deutlich reserviert gegenüberstehenden sowie den Gesamtkomplex Ritter-Schaumburgs fast ausnahmslos „undeutsch“ angehenden Geschichtsforschung verdeutlicht und rechtfertigt sein Erbe nichtsdestoweniger den Anspruch auf Verwendungsfähigkeit seiner weitgehend unwiderlegbaren wie grundsätzlich nachvollziehbaren Raumvermittlung der Thidrekssaga für zweifellos berechtigte Verträglichkeitssondierungen. 
 
Neben der Thidrekssaga und der altschwedischen Dietrich-Chronik können Forderungen nach gesonderten Textzeugnissen für die von unseren fränkischen Geschichts- und Geschichtenschreibern evident verschwiegenen Existenzen eines ebenso höchst heidnischen wie kulturell beispiellosen Eifel-Hochsitzes beim späteren Aachen, einer Moselmetropole Roma II im vorzitierten und doch von ihnen übergangenen Zeitraum, eines dortigen Königs Ermenrik oder eines Gunnar in der Voreifel nicht den Historizitätswert der altnordischen und altschwedischen Handschriften in Frage stellen. Es sei denn, man forderte Maßstäbe neuzeitlicher Geschichtsschreibung und evozierte dadurch riesige Lakunen durch generelles Infragestellen singulärer Geschichtsvermittlungen und deren historiografischer Grundveranlagung. 
 
Dagegen beruhen die vorherrschenden Ideen der Germanistik und Nordistik über die Thidrekssaga auf wissenschaftlich unhaltbarem Vorgehen, die historische Wahrscheinlichkeit wie archäologische Berechenbarkeit eines um die Mitte des ersten Jahrtausends bei Soest stattgefundenen Kampfes gegen raumevident vorrückende Franken wegen scheinbar nicht vorhandener Geschichtsquellen zur völligen Unmöglichkeit und somit schlichtweg als Dichtung zu erheben. Mit einem Etzel, den es nie gegeben hat. Mit Burgunden, die niemals in seinen Gefilden zugrunde gingen. Mit archaischer Apodeixis, dass es nur einen hunnischen Attila, doch neben und nach ihm keinen hunischen Atala gegeben haben darf. 
 
Die historischen Überlieferungen der Thidrekssaga werden durch eine von ihr unabhängig berichtende Zweitquelle bezeugt. Der unten angegebene Netzbeitrag [i.] konstatiert unter Hinweis auf Ritter-Schaumburg über das Werk des altschwedischen Chronisten: 
… the Swedish  'Haghen' cannot be taken from a Norse-Norwegian source that spells 'Högni', while 'Goroholth' may not represent a translated 'Gernoz', 'Gislher' not result
in 'Gyntar' …
Mit seiner zweiten Hauptquelle von zu unterscheidender linguistischer Herkunft und nach etymologisch-synonymischen Hauptkriterien schließlich ausschlaggebenden Überlieferung hat der übersetzende altschwedische Chronist die geschichtsfaktische Eigenschaft der Thidrekssaga durch überwiegend transskriptische Übernahmen verifiziert. (Einen gravierenden quellenkontextuellen Fehlschluss bildet hingegen die Vorstellung, die Namensgebung der niflungischen Hauptgestalten in den altschwedischen Texten gründe sich auf das hierzu vorbildlich zu sehende Nibelungenlied.) Übrigens sprechen mediävalliterarische Grunderkenntnisse gegen eine sukzessive spätmittelalterliche Ausnüchterung der besonders an epischen Aufschwellungen interessierten Thidrekssaga. Auch hiergegen stereotypisch erneuerte, jedoch nach seriösen Erkenntnissen allenfalls auf einer infantilen altwissenschaftlichen Trotzreaktion fußende Behauptungen, die altschwedischen Handschriften verkörperten ein nach Kopierfehlern stringent detektierbares Plagiat der Thidrekssaga, hat bereits Ritter-Schaumburg mit exemplarischen Textanalysen glaubwürdig zurückgewiesen (z. B. anhand von Sv 161 : Mb 169, wo der altschwedische Text dreihebige Amphibracchen tradiert, die altnordischen Handschriften zur inhaltlichen Vermittlung dagegen lediglich dumpfe Prosa bieten; siehe zu weiteren Untersuchungskriterien Ritter-Schaumburgs Anhang zu seiner deutschen Übersetzung der altschwedischen Überlieferung). 
 
Aus der Thidrekssaga ist nicht herauszulesen, sie hätte Strukturformungen erfahren, um etwa „getrennte Stoffkreise zu einer geschlossenen epischen Welt zu vereinigen.” Selbst jene forschungsgeschichtliche Mutmaßungen, die wegen der Aufteilung eines umfangreichen Vorlagenmaterials auf mehrere Schreiber von unterschiedlichen bzw. zusammengeklaubten Quellen ausgehen, können nicht halbwegs glaubwürdig untermauert werden. Somit muss die rein spekulative Behauptung, die Thidrekssaga repräsentiere vielmehr eine Kompilation als die Übersetzung einer mit allenfalls kaum ausschlaggebenden Nebenquellen verarbeiteten Hauptvorlage, zurückgewiesen werden (s. Endnote 1 u. 7). 
 
Doch auch oder gerade vor dem Hintergrund, über zwei Jahrhunderte eher selbstgefällig betriebene Ths.-Dichtungsdeutung in nachweislich irriger narrativer Raumvorstellung rechtfertigen zu wollen, muss der mehrheitlich vertretenen germanistischen und nordistischen Argumentation, die von Ritter-Schaumburg und anderen in progressiver Forschung behandelte Thidrekssaga gestatte keinerlei oder lediglich unmaßgebliche Rückschlüsse auf faktische Geschichtsvermittlung, eine unglaubwürdige Haltung bescheinigt werden. Stattdessen wird die konservative Lehrauffassung sowohl im quellenselektiv diskriminierenden Interesse als schließlich auch zur Wahrung ihrer eigenen literarischen Historiografie und Bibliografie anhand breitbandigst vorgenommener Quellenparallelisierungen auch weiterhin versucht sein, nicht nur literarische Bewertungskompetenzen von kritischen Autoren und Medienrezensenten über die Ritter-Schaumburg folgende Forschung bei sich bietender Gelegenheit in Zweifel zu ziehen, sondern auch das Gesamtgewicht fachwissenschaftlich nachvollziehbarer Erkenntnisse über die Traditionsgeschichte der Thidrekssaga zu ignorieren. 
 

Fazit:

Nicht wenige sachthematisch orientierte Beobachter haben längst verstanden, dass aus dem literarhistorisch betroffenen Komplex die Germanistik und Nordistik im Fall Thidrekssaga bislang als Beklagte und Richterinnen hervorgegangen sind. Und solange ihnen unkritische Historiker mehrheitlich am Rockzipfel hängen, werden sie auch weiterhin versuchen, beiden Positionen mit krampfhaft gestanzten Deutungsschablonen zu dienen, die im Rahmen undifferenzierter forschungswissenschaftlicher Phantasie bis zu einer heldenepischen Gesamtkonzeptionalität der Thidrekssaga reichen müssen. 

 
Netzaktuelle Ausfeilungen, die zwecks Abstützung solcher altwissenschaftlichen Fehldispositionen forschungskritische Beiträge nachweislich diskriminieren (siehe ein Exempel unten), können im deutschsprachigen wikipedia unter seiner „Thidrekssaga“ und deren Diskussionsseite nachgelesen werden. Beispiele literargenetischer Vorstellungen, die nicht im geringsten Ritter-Schaumburgs Historische Zeittafel der Thidrekssaga widerlegen können.12

 
Entsprechender Protektionismus gilt auch für Dietrich von Bern bei wikipedia, dessen Zensor anhand fabulierender Quelleno den historischen Gestaltenauftritt in Frage gestellt hat, so z. B. mit der selbst geschichtsfaktischen Grunderkenntnissen und Zusammenhängen widersprechenden Kaiserchronik oder den Vorstellungen eines weltchronistisch äußerst zweifelhaft umhertappenden Frutolf von Michelsberg. Das Ganze schließlich angereichert mit fragwürdigen Zitaten jener neuzeitlicher Heldenepiker, die den Betrachtungspunkt Sage und Wirklichkeit unkritisch verwenden wollen – übrigens meinen Dank an die verantwortlichen wikipedia-Aktivisten für die aktuell werbewirksame Verwendung dieses Eintraguntertitels unter ihrem Dietrich (Okt. 2007).
 
Wie Fußnoten 4 und 9 beispielhaft verdeutlichen, verhindert ein unter dem Namen „Altaileopard“ auftretender wikipedia-Zensor, auf höchst fragwürdigem Niveau unterstützt von seinen einschlägig vorbelasteten Protagonisten, fachwissenschaftliche Ausgewogenheit mit abschottendem Dirigismus. Und so erfragt selbst zu einem vergleichsweise einfachen Modus procedendi ein ausgewiesener Literaturwissenschaftler wie Hermann Reichert die Billigung/Duldung dieses Zensors auf der „Thidrekssaga“-Diskussionsseite (Nov. 2007). Um Objektivität bemühte intertextuelle Analysen müssen hier offenbar nicht hinter einem Verfasserpseudonym versteckt werden.
 
_________________
o  Roswitha Wisniewski über die sog. „historischen Dietrich-Epen“:
„So real die Personen und die von ihnen getragenen Handlungen erscheinen mögen, so wenig stimmen literarische und historische Wirklichkeit überein.“ [„Mittelalterliche Dietrichdichtung“, 1986.]
 

Endnoten
 
1  Nach edierungschronologischen und hier in besonderem Zusammenhang schriftstilistisch semantischen Erhebungen aus der altnordischen Literatur unter Hákon IV. und seinem wohl ersten Schriftführer Friar Róbert wird vor allem auf eine rezeptive Abhängigkeit der Thidrekssaga von der Tristams saga ok Ísöndar hingewiesen. Hiervon betroffen erscheinen insbesondere Jarl Irons Beziehungen zur Jagd, seiner Frau und seiner Geliebten, die Erzählungscharakteristika aus Herbort und Hilda im arthurianischen Milieu (darunter sein verunglimpfendes Dietrich-Bild) und Weland (Figurenbildnis, Truchsess-Erzählung). Nach dessen Überlieferung wird man die täuschend echt modellierte Statue von Welands Werkzeugdieb nicht minder für eine unmittelbare Rezeption der antiken Apelles-Episode des Plinius aus seiner Naturalis Historia (35, 10) nahe legen können, die Thomas de Bretagne für die salle-aux-images-Erzählung seines Tristan adaptiert haben soll.
 
Die relativ frühe Verfügbarkeit dieses anglo-normannischen Stoffs im norwegischen Schrifttum des 13. Jhs. ist allerdings nicht als Gegenargument zum Ausschluss seiner disponierbar kontinentalen bzw. hier niederdeutschen Berücksichtigung und Verarbeitung für die Thidrekssaga zu verwenden – zumal bereits in diesem Fall von ihrer verschollenen importierten Vorlage ausgegangen werden darf! Doch auch ohne diese rezeptiven Gestaltungen in einem niederdeutschen Quellenstoff der Thidrekssaga kann mit altnordischen Zufügungen dieser Größenordnung längst nicht von ihrer nennenswert kompilatorischen Gesamtstruktur die Rede sein.
 
Da sich die älteste Datierung der vorzugsweise neben die Thidrekssaga gestellten Karlamagnús saga auf das nur Teile der VIII. Branche liefernde Fragment Fr 1 [NRA61] bezieht und mit ihrem unvollständigen Roncevaux-Bericht „wohl noch dem 13. Jh. entstammt“ (vgl. Kramarz-Bein), müssen sämtliche strukturanalytische Textuntersuchungen, die eine inhaltliche Abhängigkeit der Thidrekssaga von dem wenig homogenen und somit beispielhaft kompilatorischen Epos über Karl den Großen unterschieben wollen, in den Bereich reiner Spekulation verwiesen werden.
 
Zu weiteren Gegenüberstellungen der Thidrekssaga mit heldenepischen und realgeschichtlich wenig verifizierbaren Überlieferungen bleibt festzustellen, dass aus forschungsideologischer Perspektive bewusst vermieden wurde, die Thidrekssaga in einen für ihre Textzeugnisse relevanten Forschungskomplex altnordisch übersetzter historischer Quellen zu stellen.   zurück
 
2  Kurzfassend wird auf die hier und anderenorts noch zu nennende Skandinavistik verzichtet.   zurück
 
3  Zur Handschriftenlage erwähnt Friedrich H. von der Hagen in der Vorrede zu seiner deutschsprachigen Ausgabe der Thidrekssaga eine  l a t e i n i s c h e  H a n d s c h r i f t , in der die Inhalte der darin nicht enthaltenen wörtlichen Reden im fließenden Text zu finden sind. Insoweit muss zurecht hinterfragt werden, ob diese von v. d. Hagen als „Übersetzung“ vermerkte Fassung vielmehr als wort- oder inhaltsgetreue Kopie der niederdeutschen Vorlage für Hákons Redaktoren verstanden werden darf. Hierfür sprechen zum einen die nach literarmediävalen und hier vor allem altnordischen Ansprüchen nicht wahrscheinlich zu machende textstilistische Rückentwicklung sowie zum anderen ein in Endnote 7 angemerkter Zusammenhang.   zurück
 
4  Ritter-Schaumburgs Fußnote 119 in Dietrich von Bern, S. 303:
Das Kloster Vadincusan ist immer mit einem westfälischen Kloster ähnlichen Namens gleichgesetzt worden. So schreibt Holthausen (Anm. 63) S. 490 f.:
»In Westfalen liegt auch, wie schon Raszmann II, XI sah, das kloster Vadincusan (c. 434), wohin sich Heim zurückzieht, um mönch zu werden ... Es ist das Prämonstratenserkloster Wedinghausen, in älterer Form Wedinchusen, bei Arnsberg an der Ruhr in Westfalen, um das Jahr 1170 vom grafen Heinrich von Arnsberg gestiftet.«
Diese Deutung ist stets wiederholt worden; und solange man die Angaben der Ths für unsinnig hielt, mochte es hingehen. Wenn aber das »Rom« der Ths Trier ist, dann müssen sich die Begebenheiten um das Kloster Wadincusan in der Trierer Gegend zugetragen haben, aus welcher Heim nie mehr herausgekommen ist. Hier gibt es nun ebenfalls ein Kloster ähnlichen Namens, nämlich Wadingozzan, heute Wadgassen an der Saar. Auch Wadgassen war Prämonstratenser-Abtei. Die Franken begründeten in Wadgassen einen Königshof, 902 »Villa Vadegozzinga«. Die Abtei entstand als Familiengründung des Saarbrücker Grafengeschlechtes, 1135. (Franz Martin/Karl-Heinz Braun, Zur Siedlungsgeschichte von Wadgassen. In: Einheitsgemeinde Wadgassen, Jahr der Jubiläen, 1975.) Nur dieses Kloster kann gemeint sein. Beide so ähnlich benannten Klöster sind späte Gründungen und können mit der Zeit Didriks unmittelbar nichts zu tun haben. Hier ist Späteres eingemischt. Doch hat Raszmann (II, 683 Anm.) recht, wenn er sagt:
»Diese Darstellung von Heimirs letzten Taten ist schwerlich ein späterer Zusatz zu Thidreks Geschichte, sondern hat ohne Zweifel ursprünglich dazugehört. Was hier erzählt wird, entspricht sehr genau dem wilden Charakter, welcher dem Heimir in dem Vorhergehenden beigelegt wurde, so wie es auch mit dem ganzen Plan der Saga übereinstimmt, daß der Tod aller berühmten Berner Helden umständlich erzählt wird.«
Die Geschichte »Heim im Kloster« endet in der Ths so, daß Heim König Didrik anreizt, vom Kloster Schatzung zu erheben. Heim reitet in des Königs Auftrag hin, und als die Mönche Einspruch erheben, erschlägt er den Abt und die Mönche, raubt das Kloster aus und brennt es nieder.
 
Der Gottes Regelwerk schlussendlich trotzende Heim als erpresserisch-zerstörerisch vorgehender Anti-Christ. Wie weit ist der solches Szenario offenbar beispielhaft schaltende Chronist oder Historiograf von gegenwärtigen Exempeln entfernt?  zurück
 
5  Nur zwei Beispiele aus der jüngeren Diskussion:

1. Wenn z. B. nach den Quelltexten der Hunaland-König Atala den vertriebenen Königssöhnen Iron und Apollonius (Sv: Appolon) zwei voneinander entfernt liegende Güter seines Reiches überlassen hatte und Iron das Gebiet seines Bruders angeblich der Wildjagd wegen durchkreuzte, jedoch lieber einen Weg zum Stelldichein mit der Gemahlin von Ake d. Ä. suchte, dann kann längst nicht enzyklopädisch gefolgert werden, dass sich Irons Besitz unweit von dem seines Bruders befunden haben muss. Näher liegend ist vielmehr Neugierde auf den neuen Besitz des anderen und somit ein zeitlich nicht näher eingrenzbarer brüderlicher Besuch und Aufenthalt, der sehr wohl zur tradierten Fehleinschätzung ihrer Besitzverhältnisse beitragen konnte (vgl. dagegen bei wikipedia „Thidrekssaga“, 19.01.08).

2. Gegenüber der Wilzen-Überlieferung geäußerte Vorbehalte, dass die Ostland-Berichte nicht zur Vita des historischen Dietrich von Bern gehören dürfen, müssen nach E. Studers Untersuchungen zurückgewiesen werden. Demnach können wiederholt versuchte Parallelisierungen mit Ostkriegen ab Ottonischer Geschichtsschreibung grundsätzlich nicht gegen die zeitchronologische Geschlossenheit der Thidrekssaga verwendet werden. Originalton Ella Studer:

Wenn es möglich ist, für die gleichen Vorgänge der Saga Parallelen aus dem 10., 11. und 12. und aus dem 12. und 13. Jahrhundert beizubringen (Storm, Haupt, Holthausen), die doch alle einen gewissen Grad von Ähnlichkeit mit den betreffenden Sagastellen haben müssen und demzufolge auch untereinander aufweisen werden, so scheint es uns eine Warnung mehr zu sein, daß bei solchen Gleichstellungen äußerste Vorsicht geboten ist. Sie können nicht viel mehr beweisen, als daß die Kriege meist in einer nord- oder nordöstlichen Richtung geführt wurden, daß darin sich oft sehr ähnliche Situationen ergaben, die durch die geographische Lage und Topographie der Gegend bedingt waren, sowie auch durch die Art und Weise der damaligen Kriegsführung.
Und sie schreibt weiter:
„Es ist natürlich denkbar, daß der Verfasser unserer Sagapartien, der eine gewisse Kenntnis der Gegend, wo sie sich abgespielt haben mögen, besaß und auch, vielleicht aus eigener Erfahrung, Verständnis für Kriegsführung hatte; es ist denkbar, sagen wir, daß dieses oder jenes geschichtliche Ereignis ihm bei seiner Darstellung vorgeschwebt haben kann. Ein definitiver Beweis aber, daß ein gewisses Ereignis mehr eingewirkt habe als ein anderes, kann unseres Erachtens nicht erbracht werden, denn die geografischen Angaben sind, mit einigen Ausnahmen, eher allgemeiner Art ...“
(Ella Studer: „Russisches in der Thidrekssaga“ – Sprache und Dichtung. Forschungen zur Sprach- und Literaturwissenschaft [Dissertationsschrift, S. 92].)   zurück
 
6 Anhand altwissenschaftlich protektionistischer und nach Ritter-Schaumburgs Beiträgen abzulehnender Quellenpräferenzen (vgl. auch Endnote 1) betreibt Susanne Kramarz-Bein eine forschungsideologische Funktionalisierung der Thidrekssaga. Mit jenen feinsinnig detektierten struktur- und figurgenerischen Grundwerten wie der Akteure Geburt, Jugend, Heirat und Tod – den immerhin unerlässlichen Tragpfeilern zur erzählungssophistisch stringenten Planung von der Helden Aufstieg, Höhepunkt und Niedergang! Mit einer aus dem literarischen Baukasten bemühten Gestaltungssystematik, die das Auf- und Abtreten ihrer Figuren gar fahrplanmäßig reguliert! Mit Initiationstermini, Sequenzmustern und Strukturprinzipien, die sich nicht zuletzt einer „Mithilfe des Erzählungsmittels der verdeckten Handlung“ bedienen!
Die Arbeit von Kramarz-Bein ist nichtsdestoweniger die altbibliografisch fortgesetzte Verschiebung eines realen Mengenbegriffs in eine fiktive Dimension – der Stellenwert seiner historischen Aussagekraft und somit auch seine Zulässigkeit in mittelalterlichen Geschichtsüberlieferungen darf demnach wohl getrost übergangen werden. Abgesehen von Faktennennungen, die hauptsächlich die Handschriftenlage betreffen, liest sich ihre Habilitation als entschlüsselte Anleitung zur Synthetisierung der Thidrekssaga in einer altnordischen Literaturfabrik, über deren Emissionsgrenzwerte sich allenfalls Ritter-Schaumburg und wenige fachwissenschaftliche Außenseiter Gedanken machen müssen.
Der Nachweis, dass der Inhalt der Thidrekssaga auf dichterischer Planung und Montagearbeit beruhen soll – so, wie es Kramarz-Bein in ihrer irrigen Erzählungs- und Raumvorstellung einer „oberitalienischen Provenienz des Dietrich-Stoffes“ der Thidrekssaga aufgezeigt zu haben glaubt und selbst Wikipedisten zu leidlich trügerischen Inhalts- und Strukturangaben zu dieser Überlieferung inspirieren konnte –, kann jedoch nicht mit einer bis zur Beweiskraft erhobenen Prämisse geführt werden, die inhaltliche Grundwerte der Immanenz intertextueller Verhältnisse und heldenepischer Schablonisierungen unterordnet. 
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7 Die altwissenschaftliche Einstufung (und in der Folge forschungsinspirativ divergent vorangetriebene Behandlung) der Thidrekssaga als unglaubwürdige Geschichtsvermittlung beruht vornehmlich auf der irrigen frühen Folgerung, dass ihre Darstellungen historisch überzeugende Nachweise über den Auftritt des ostgotischen Theoderich nicht liefern. Die Thidrekssaga und mit ihr die altschwedischen Handschriften können solchem Vorgehen und Anliegen jedoch nicht stattgeben, weil sie das raumzeitgeschichtliche Bild um einen rheinfränkischen Dietrich beschreiben.

Zur Quellenlage und Edierungsgeschichte „ ... setzt sich Heinrich Beck insbesondere über die Tatsache hinweg, dass die altnordischen Schriftführer der Thidrekssaga einer Schreibschule angehörten, die importierte Historiografien unter dem Begriff "saga" klassifiziert hatte ...“, so das deutsche wikipedia unter seiner „Thidrekssaga“ am 19.11.2007 mit dem Hinweis auf textstilistische Untersuchungen, dass
... für die Gestaltungsweise der Thidrekssaga Eigenheiten kennzeichnend sind, die aus Chroniken, Historien und Gesten bekannt sind (Droege, Wisniewski).

Wie noch in dem dort wenig später herauszensierten Passus weiter zu lesen war, ist

 
„gegenüber Heinrich Becks Vorstellungen über die Stoffgeschichte und Überlieferungstradition der Thidrekssaga ihre von Roswitha Wisniewski postulierte historische Quelle, so in Form einer »Chronik über Dietrich von Bern«, insofern plausibler, als weder ein Herbeizitieren niederdeutscher Sagamänner in altnorwegische Klosterstätten (Bergens klerikale Schreibstuben) nahe gelegt werden, noch Entsendungen dortiger geistlicher Schreiber für das Aufsuchen völkischer Informanten in den ursprünglichen Handlungsräumen der Thidrekssaga wahrscheinlich gemacht werden kann. Auch unter Umgehung literarkultureller Maßstäbe und Erhebungen aus der Mediävistik, die vielmehr gegen eine hochmittelalterliche Erstverschriftlichung umfangreicher volksmündlicher Tradition sprechen, hat die Kritik an Roswitha Wisniewskis Ludwig-These die übernehmende Beziehung zwischen den mutmaßlichen Klosterschreibern der Thidrekssaga und dem Wadhincúsan-Bericht eines Verfassers, der Vermittlungsinhalte der Novaleser Geistlichenchronik und von vorausgegangenen Berichten der Thidrekssaga nachweislich verarbeitet hat (!), jedoch nicht in Frage stellen können.
 
Zu fachwissenschaftlich jedoch nicht mehrheitsfähigen Vorstellungen,
 
die zum einen von einer altnordischen Entstehung einer überwiegend fabulierten Thidrekssaga ausgehen und zum anderen deren Verwendung zur Machtkonsolidierung Hákons IV. in Erwägung ziehen“,

so weiter in dem vom Zensor als eher unrelevant eingestuften und zur Niedermachung auf eine Diskussionsseite ausgelagerten Text, wird
 
auch unter Miteinbeziehung der Forschungsstandpunkte von Roswitha Wisniewski und Susanne Kramarz_Bein eine plausible und vor allem zeitgeistlicher Aufnahmebereitschaft zumutbare Antwort auf die nicht nur mediävalpolitische Fragestellung vermisst, warum, obwohl Norwegen von der Thidrekssaga übergangen wird, dessen Sagamänner in somit auswärtigen Handlungsräumen eingepflanzte Botschaften weitervermittelt haben sollen.

(Zitatmitteilung: Dr. Jürgen Wallner-Korf [j.wallnerkorf@yahoo.com] vom 20.11.2007 an den Verfasser.)

 
Zitat aus Privatkorrespondenz vom 23.9.1976 zwischen Norbert Madow, Mitglied der Zentralstelle für Personen- und Familiengeschichte des Instituts für Genealogie in Berlin, und Theodor Badenhausen (Bad Wildungen):
 
In der von Johann Henrich Baddenhausen (oo 1495 mit Elisabeth von Cassel) überlieferten Familienchronik wird von einem Henricus von Badenhausen, Sohn des Johannes von Badenhausen (act. 1238 nach H. Uhde) berichtet, der einen Ordensgeistlichen mit einem liber Theoderici nach Norwegen begleitet haben und von dort nicht mehr zurückgekehrt sein soll. Ihr Aufenthalt in der Geistlichkeit von Bergen, so noch im gleichen und leider einzigsten Satz über diesen Henricus, sei aber nur für die „Dauer eines Mondes“ vereinbart gewesen.
 
Wenn man davon ausgeht, dass die Festlandhandschrift Perg. Fol. nr 4. unter Ausfüllung ihrer Lakunen ca. 160–170 Blätter umfasst haben soll, so konnten nur mehrere sowie gleichzeitig arbeitende Redaktoren ihren Stoff innerhalb eines Monats übertragen. (Nachweislich liegen 129 + 2 Vorsatzblätter vor.) Die Verteilung einer nach Roswitha Wisniewski schriftlichen und in nebensächlichem Umfang mit mhd. Kolorit verarbeiteten Quelle auf fünf Scriptoren, wobei eine Ausrichtung nach individueller Fähigkeit und Arbeitsleistung ohnehin nicht außer Acht gelassen werden sollte, spricht für eine in engem Zeitrahmen angestrebte Ausleihung eines Vorlagenmaterials. (Eine umgehende Anfertigung einer quellsprachlichen bzw. lateinischen Zweitschrift wäre innerhalb der genannten Zeitspanne jedoch mit Sicherheit zu bewerkstelligen gewesen.)

Nicht nur Roswitha Wisniewski, sondern auch Theodore M. Andersson, Helmut Voigt, Willi Eggers, Jan de Vries, Heinrich Hempel und andere Forscher, darunter auch Ritter-Schaumburg, gehen mit teilweise erheblich unterschiedlichen Betrachtungsschwerpunkten von einem in die Thidrekssaga übertragenen bzw. übersetzten Quellenstoff aus. Mit dem erdrückenden Gewicht der daraus zu folgernden Indizienlage, die nach Gustav Storms Nye Studier (1877) oder Bengt Hennings Handskriftrelationer (1970) auch mit Schlussziehungen aus nordistischen Stoffbetrachtungen weiter erhärtet werden kann, erscheint die Befürwortung einer zu Bergen eher hauptsächlich kompilatorisch oder kompositorisch zu unterstellenden Verschriftlichung der Thidrekssaga jedoch kaum aussichtsreich. (Man beachte auch hierzu den erkennbaren stilistischen Unterschied zwischen den altnordischen und altschwedischen Handschriften.) Aus der Aufteilung des altnordischen Vorlagenmaterials auf mehrere Schreiber, darunter redigierende Eingriffe des dritten Redaktors mit seinem Zusatz über Osantrix' Tod, kann jedoch nicht eine Kompilation gefolgert werden, womit die Thidrekssaga etwa „ein vom »Sagaschreiber« geübtes Bestreben zeige, seine von allen Ecken und Enden zusammengeholten Stoffe fest in einen (suspekten) Gesamtzusammenhang einzubinden“ (vgl. Friedrich Panzers Waltharius-Studien).

 
Wie das zu Beginn dieser Endnote zitierte Beispiel einmal mehr verdeutlicht, lanciert der wikipedia-Zensor seine höchst zweifelhafte Auffassung über die Quelleneigenschaft der Thidrekssaga. Im dröhnenden Applaus nicht minder fragwürdiger Online-Protagonisten erklärt er schließlich fachwissenschaftlich angemessene Terminologie als „abgehobenes Pseudo-Fachgeschwafel“. So versengt sein Feuer fauchendes Raubtier den Boden, der die Voraussetzung für einen fruchtbaren Dialog bilden sollte – sofern er an einen solchen anstelle von heraufbeschworener Polemik überhaupt interessiert ist. Immerhin wird aufgrund des somit kalkulierbaren Nebeneffekts dieser voreingenommen vorgehende Zensor seinen naiven Lesern nicht mehr plausibel machen müssen, wie Heinrichs Becks subtile Idee über Tradition und Inhalt der Thidrekssaga ihrer Betrachtung als „historische Quelle“ untergeordnet werden konnte.
So bleibt auch von dieser Stelle ein Aufruf zur regen Spendenbeteiligung für wikipedia. Und somit auch die Hoffnung, dass sachthematisch und nach eigenem Bekunden gelegentlich nervlich überforderte Zensoren gegen bessere Fachkräfte ausgetauscht werden können.  
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8 Nach den quelltextlichen Interaktionsbezügen ist Dietrichs Onkel Ermenrik kein ostgotischer Potentat, sondern Frankenkönig über die Moselmetropole Roma II.  zurück
 
9 Siehe auch unter [i.] zur Koinzidenz von Gregors Erwähnung der Mission Theuderichs für Chlodwig (Historia Francorum II, 37) mit Dietrichs Vertreibung aus Bern sowie auch über Vergleiche späterer Lebensereignisse.   zurück
 
10 Zur sinnvollen Verortung der Niflungenresidenz gemäß raumgeschichtlicher Erzählungsorientierung bezieht sich Roswitha Wisniewski ausschließlich auf Nordrhein-Westfalen. [Habil. S. 253ff. Darunter der sprachwissenschaftlich stringente Nachweis, dass nach formallinguistischen Grundlagen die Handschriften der Membrane und der AB-Fassungen sich in der Bezeichnung der Niflungenresidenz nicht auf lateinisierte Derivate von Worms beziehen können.]
Nach einer rund 30-jährigen germanistischen Professur resümiert sie Ende 1990 in ihrem Vortrag über den Stand der Nibelungenforschung am Europainstitut der Universität des Saarlandes, dass Ritter-Schaumburg „aus seinen Identifikationen der Ortsangaben der Thidrekssaga ein geografisches Bild zeichnet, dem große Stimmigkeit eignet.“  [„Wohin zogen die Nibelungen wirklich? Zum Stand der Nibelungenforschung“; Publikationsschrift des Europa-Instituts Nr. 213, S. 8ff.; Hrsg. Prof. Dr. Dr. Georg Ress.]
Im Gegensatz zu manchen ihrer suspekt argumentierenden konservativen Kolleginnen und Kollegen hat Roswitha Wisniewski am Beispiel der Niflunga-Erzählung aufgezeigt, dass die auf einer Gelehrtenfassung und demnach präedierter Verschriftlichung beruhende literarische Hauptveranlagung der Thidrekssaga einerseits nicht an den Genre-Maßstäben höfisch daherfabulierender Rittersagas gemessen werden kann und andererseits auch nicht auf ihre grundsätzliche Abhängigkeit vom Nibelungenlied geschlossen werden darf. Daher können deren geografische Wertvorstellungen weder sinnvoll sondiert noch pauschalisiert auf die Thidrekssaga übertragen werden. Schon aus solchem Zusammenhang ist es nach hinreichend zu berücksichtigenden stoffanalytischen Differenzierungskriterien nicht möglich, eine gegenüber Ritter-Schaumburg schlüssigere narrative Raumprojektion aus ihren Textzeugnissen anzugeben. Wenn er aus dem Quelltext jenen Passus über die Niflungen zitiert, die eben dort angelangt waren, wo „Duna und Rhein zusammentreffen“, so wird man schwerlich überzeugend Gegenteiliges zu seiner Folgerung anführen können, dass „die Nennung dieses Punktes genaue Kenntnis der Gegend in früher Zeit beweist und alle Angaben der Thidrekssaga dazu stimmen.“ Somit ist auch in diesem geostrategisch nachvollziehbaren Rahmen Ritter-Schaumburgs Verortung des Niflungensitzes derivativ-homonymisch begreifbar.
Die beiden Literaturwissenschaftlern folgende Forschung hat vielmehr erkannt, dass die subtile Abhängigkeit des Nibelungenliedes von den Vermittlungsinhalten der Thidrekssaga keine glaubwürdig vertretbare Parallelschlüsse nach lehrsatzartig versuchten Gleichbehandlungen ihrer divergierenden geografischen Vorstellungen gestattet. Die Unmöglichkeit eines historisch glaubhaften Raumbildes der süddeutschen Heldensage erlaubt demnach nicht systematisch-methodisch unifizierende Übertragungen auf die Thidrekssaga. Bereits der Historiker Ernst F. Jung hat zum grundsätzlichen literarischen Selbstverständnis beider Überlieferungen darauf hingewiesen, dass die Niflungasaga (sowie andere Teile der Thidrekssaga) als Chronik in NRW und das Nibelungenlied als Spiel dichterischer Phantasie zwischen Süddeutschland und Ungarn verstanden werden müssen.
Roswitha Wisniewski schrieb bekanntlich das wohlwollende Geleitwort zur auflagenstärksten Publikation Ritter-Schaumburgs, in der die Thidrekssaga ausschließlich als chronikalische Überlieferung behandelt wird. Nach gegenwärtiger interdisziplinärer Forschungsauffassung kommt ein solcher Schritt dem auch international hoch bewerteten wissenschaftlichen Lebenswerk von Roswitha Wisniewski noch insofern zugute, als sie dadurch grundsätzlich und unmissverständlich zum Ausdruck bringt, dass die Thidrekssaga einer einzigen Rolle als heldenepische Polarisationssäule in keinem Fall gerecht werden kann. So ist neben ihren Beiträgen zur mittelhochdeutschen Dietrich-Epik bereits eine Perspektive eröffnet worden, aus der im Fall „Svava als historische Quelle“ für ein Nebeneinander von Chronik und rezipierender Dichtung wahrscheinlich mit geringeren als von mancher Seite befürchteten Konsequenzen für die fachwissenschaftliche Bibliografie und Reputation gerechnet werden dürfte.  zurück
 
11 Beide bei Zülpich gelegene Orte dürften durch Gregors Bezugnahme an historischem Stellenwert jedoch eher gewinnen als verlieren. Eine weitgehende Zerstörung dieses Tulbiacum oder Tolbiacum in den Kämpfen gegen die Alemannen wäre als naheliegende Begründung für eine darauf nachhaltig zurückzuführende Verlegung des Niflungensitzes in das Umland zu werten.  zurück
 
12 Die Fachwissenschaft hat nicht plausibel begründen können, warum sie die Berichte der Thidrekssaga zur Dichtung oder unglaubwürdigen Geschichtsdarstellung erhoben hat. Und so glorifiziert auch der wikipedia-Zensor als Handlanger altwissenschaftlicher Philologie einen ostgotischen Theoderich mit jener auf oberitalienischer Provenienz beruhenden Raumvorstellung („Thidrekssaga“: Apulien, 12.12.07).
Kein Wunder, dass bei dieser irrigen Anschauung sich dieser Zensor auf weitere nicht pauschalisiert haltbare Behauptungen verlegt. Darunter die textinterne Erschließungen und hierzu fachwissenschaftliche Beiträge ignorierende Angabe zur Quellenlage, dass entsprechende Belege für eine Erzähltradition [der Thidrekssaga] im Niederdeutschen fehlen sollen („Thidrekssaga“, 12.12.07).
Dass im Kontext ohnehin ein nicht unerheblicher Teil mittelalterlicher Texte zu verschollenen Quellen gerechnet werden muss, verdient vielmehr die Missachtung des mit dichterischem Gestaltungswillen agierenden Enzyklopädisten und Zensors. Er löscht also bald ein beispielhaft eingeflochtenes Gegenargument:
Allerdings schließt diese Auffassung verschollene Verschriftlichungen, so etwa die im Zusammenhang interessierende Gesamtausgabe der libri Teutonici, als postulierbares Quellenmaterial aus.“ (Nov. 2007)
Somit kann er vor allem für seine naiven Leser diese nicht nur von Roswitha Wisniewski und Ritter-Schaumburg, sondern auch von einer keineswegs vernachlässigbaren Anzahl fachwissenschaftlicher Beiträge zurückgewiesene Idee aufrecht halten:
Das spricht dafür, dass die Thidrekssaga nicht eine Übersetzung eines niederdeutschen Textes ist, sondern am norwegischen Königshof in der Hansestadt Bergen aus niederdeutschen kleineren Formen (Liedern) selbständig entsprechend der entstandenen norwegischen Lebenszyklus-Saga-Tradition komponiert wurde. Zwar werden im niederdeutschen Sprachraum des 13. Jahrhunderts bedeutende Prosawerke wie der Sachsenspiegel und die Sächsische Weltchronik geschaffen, doch gehören diese anderen Literaturgattungen an.“ („Thidrekssaga“, 12.12.07)
Die unvoreingenommene Sagen- und Geschichtsforschung hat vielmehr aufgezeigt, dass anhand textstilistischer Untersuchungen hochmittelalterlicher Historiografien und Chroniken die Thidrekssaga als Quelle geschichtlicher wie darüber hinaus zeitkohärenter Berichte nicht negiert werden kann.   zurück

 
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Über die zu Ritter-Schaumburg konforme Darstellbarkeit einer zeitkohärenten Relevanz und Abhängigkeit der Thidrekssaga von chronikalischem Erzählungstypus:  
i. www.badenhausen.net/harz/svava/MerovingSvava.htm
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     Weitere Links:
 ii. Ritter-Schaumburg über seine Thidrekssaga-Forschung 
iii. Ritter-Schaumburg zur Prioritätenfrage der Thidrekssaga-Handschriften
iv. Ritter-Schaumburg über die Nibelungensage
v.  Reaktionen zur Kritik von Heiko Droste an Ritter-Schaumburg
vi. Zur Schuldfrage von Atala und Grimhild, Atli und Gudrun
vii.Zeittafel Thidrekssaga (engl.)

 

Buchveröffentlichungen des Verfassers:

viii. Die Nibelungen - Dichtung und Wahrheit   ISBN 3-86582-044-1
   ix. Sage und Wirklichkeit. Dietrich von Bern und die Nibelungen   ISBN 978-3-86582-589-6

 
Beide Publikationen: Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat   www.mv-verlag.de