Dietrich von Bern – Chronik oder Dichtung? Ausführlichere Behandlung in
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| „Um die Gestalt des Thidrek (Didrik, Dietrich) von Bern
— der seit dem Hochmittelalter mit dem Ostgotenkönig Theoderich gleichgesetzt
wird — gruppiert sich eine größere Zahl ursprünglich vermutlich
in andere Kontexte gehörende Heldensagen wie diejenige von Siegfried,
die Nibelungensage, die Sage von Wieland dem Schmied und die Wilzensage,
deren Protagonisten mittels Gefolgschaft oder Verwandtschaft mit Thidrek
verknüpft werden. Dadurch wird die Thidrekssaga zur frühesten
Kompilation deutscher Heldensagen in Prosaform, weshalb sie in der germanistischen
Forschung häufig benutzt wird.“
[wikipedia unter „Thidrekssaga“, 29.04.2008.] |
Eine der zweifelhaftesten und anmaßendsten
Behauptungen im gesamten wikipedia.
Wo sind die glaubhaften Belege vom Enzyklopädisten, mit denen er die Thidrekssaga als Kompilation und Heldensage vereinnahmt?1 Er findet sie nicht, zitiert sie nirgends. Stattdessen assoziiert er unglaubwürdige Dogmen der Ewiggestrigen, setzt sich in deren irrigem protektionistischen Interesse über fachwissenschaftlich unvoreingenommene Forschung hinweg, die das gemeinsame literarische Genus der Thidrekssaga und der altschwedischen Dietrich-Chronik längst fern der Heldensage nachgewiesen hat. |
Demgegenüber kann man in zweckgefärbter
Zielsetzung sicherlich weiterhin erfolglos versuchen, authentisch erscheinende
oder mit einem fragmentarischen Geschichtsbild im Wesentlichen vereinbare
Vermittlungswerte einer historiografischen Überlieferung anhand von
Dichtung und Heldenepik auszublenden. Und wer dieses Vorgehen noch immer
für das einzig vertretbare hält, wird höchstwahrscheinlich
auch an seine daraus gewonnenen Erkenntnisse glauben. Denn nach solchem
Schema darf schon im Interesse einer unbedingt abzustützenden
Forschungsbibliografie davon abgesehen werden, mit literatur- und
geschichtswissenschaftlich fundierten Quelleneigenschaftsanalysen weitere
Aufschlüsse über die erzählerische Hauptidentität einer
Überlieferung wie der Thidrekssaga zu gewinnen. Ein von Heinz
Ritter-Schaumburg erforschtes Werk, das sein Historizitäts- bzw.
Faktizitätspotenzial durch Folgerichtigkeiten zu realistischen
Grundvoraussetzungen, Verhältnissen, Abläufen wie auch
übertragbaren Wertvorstellungen und Maßstäben bereits
selbst anzudeuten vermag.
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Nun ist hinlänglich bekannt und unumstritten, dass die
Glaubwürdigkeit von schriftlichen und mündlichen Überlieferungen
in besonderem Maß von ihren Urhebern und Kopisten abhängt. Daher ist
leicht nachvollziehbar, dass Historiker klerikales Schrifttum über geschichtliche
Ereignisse bevorzugen, die zumeist in „Chroniken“ oder „Annalen“ aufgezeichnet
wurden. Von nur wenigen Ausnahmen abgesehen wird in vergleichbarer
Wohlgesonnenheit auch das Schriftgut säkularer Geschichtsschreiber, so
von Skribenten des Römischen Reiches, von unserer Geschichtsforschung
kreditiert.
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Es ist außerdem bekannt, dass uns über den von
Ritter-Schaumburg lokalisierten Ereigniszeitraum der Thidrekssaga-Berichte – das
mittel- und nordosteuropäische 5. und 6. Jahrhundert – Geschichtszeugnisse
aus einer überwiegend zur latenten Wertung neigenden Retrospektive
überliefert wurden. Unter diesen bemängelnswert lückenhaften
Vermittlungen befinden sich die zwar unseren Historikern noch am verlässlichsten
erscheinenden, aber dennoch teilweise recht subjektiv anmutenden und keineswegs
vollständigen Aufzeichnungen über die frühe Frankengeschichte
(s. Gregor von Tours, Fredegar). Dagegen beruhte der um die Mitte des ersten
nachchristlichen Jahrtausends in den weiter nördlichen und östlichen
Breiten stattgefundene Nachrichtenverkehr auf einem System, das nach offensichtlich
vorliegenden Erkenntnissen noch nicht chronistisch-schriftlich, sondern
in analoger Vorläuferform gleichsam „sagen-artig“, also auditiv
organisiert war: der »Sagamann« als geläufiges akustisches
Informationsmedium. Er sollte, weil er auch nicht realistisch oder folgerichtig
erscheinende Informationen wissentlich oder unwissentlich weitervermitteln
konnte, über ein Jahrtausend später in das Kreuzfeuer der Kritik
der Geschichts- und Literaturwissenschaft geraten, die sich zumeist mit
obsoleten Bewertungskriterien, so von Ritter-Schaumburg attestiert, um
die Selektion und Klassifikation seiner Berichte über einen König
Dietrich von Bern bemüht hat.
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In der Thidrekssaga-Forschung geht es bekanntlich um zwei
unterschiedliche und vor allem entgegengesetzte Ausgangspunkte: Germanistik
und Nordistik2
gehen von einer Dichtung und Ritter-Schaumburg umgekehrt von einer
(weitgehenden) Chronik aus. Da über diese Kontroverse kein Forschungsstillstand
zu erwarten ist, darf man noch gespannt sein, ob die Fachwissenschaft mit
gleichermaßen unpräjudizierenden Vorsätzen zwischen der
Glaubwürdigkeit der von ihr noch wenig beachteten altschwedischen
Dietrich-Chronik und – wie beispielsweise mit der Nibelungenforschung in
Verbindung zu bringen ist – dem inhaltlichen Wahrheitsgehalt einiger hochgeistlicher
Folianten vom realhistorischen Passauer Bischof Pilgrim zu unterscheiden vermag.
Ebenso wird man auch außerhalb der lehrwissenschaftlich betriebenen
Forschung bei der Bewertung von frühgeschichtlichem Quellenmaterial
noch gebührend zu berücksichtigen wissen, dass mediävale
Historiografen auf Darstellungen von zumeist unbekannten weltlichen
Erstinformanten von den Schau- und Schmiedeplätzen berichtenswerter
Ereignisse vertrauen bzw. bauen mussten. Die auf solchen antiquarischen
Vorvermittlungen beruhende Geschichtsschreibung wird demnach weitgehend gleiche
Bewertungskriterien zur Glaubwürdigkeit erfüllen müssen wie
etwa die Thidrekssaga in ihrer prosaischen Berichtstilistik. Sich in grundsätzlich
schwierigem Metier bewegende chronistische Schreiber wie etwa Gregor von Tours,
Fredegar oder Jordanes repräsentieren jedoch Beispiele für vermeidbare
Voreingenommenheiten oder oft unvermeidbar unkritische Einstellungen
gegenüber ihren Quellen.
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Höchstwahrscheinlich dürfte sich also die rhetorische
Frage erübrigen, welchen Stellenwert man der Thidrekssaga – und zuvorderst
der altschwedischen Dietrich-Chronik – auf der bibliografischen Wertigkeitsskala
der noch heute scholastisch dominierenden, aber nach Ritter-Schaumburg
längst überholungsbedürftigen Nordistik im 19. Jahrhundert
zugewiesen hätte, sofern deren geografisch leicht verständliche
Pergamentschriften von geistlicher Hand in feinem Latein abgefasst und
noch vor denen des Nibelungenlieds datiert worden
wären.3
Tatsächlich sollte aber eine ordinierte Germanistik-Professorin und ehemalige Schülerin von Helmut de Boor, einem ausgewiesenen Experten insbesondere über die mittelhochdeutsche Heldenlieddichtung, einen bemerkenswerten Indizienfund machen, der nach ihrer fachwissenschaftlichen Beurteilung die Thidrekssaga mit einem hohen Maß an Wahrscheinlichkeit aus klerikaler Obhut und Bearbeitung entstammen lässt: |
Roswitha Wisniewski sieht mit ihrer quellenkritischen Untersuchung
unter dem Titel Die Darstellung des Niflungenunterganges in der Thidrekssaga
(Hermaea, Tübingen, 1961) die Dietrich-von-Bern-Erzählungen unter der
archivarischen wie literarischen Verantwortung eines mittelalterlichen Klerikers im
westfälischen Kloster Wedinghausen, etwa 23 km südlich von Soest bei
Arnsberg gelegen. Auf diese geistliche Wirkungsstätte verweist repräsentativ,
so die Wissenschaftlerin, das in den Quelltexten erwähnte Kloster
Wadhincúsan in der späteren Heim-Episode zum versinnbildlichten
Herkunftsnachweis über einen maßgeblichen Aufbewahrungs- und
Bearbeitungsort der Thidrekssaga-Quelle.
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Tatsächlich zählen Wadhincúsan
– Wedinghausen sowohl nach neueren Abhandlungen als auch in der Ritter-Schaumburg
folgenden Forschung zu den wichtigsten Kriterien und im verifizierbaren Fall gar zur
Schlüsselposition in der Übermittlungshistoriografie über die uns
vorliegenden Handschriften über Dietrich von Bern.
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Roswitha Wisniewski geht bei ihrer quelltextlichen
Argumentationsgrundlage von Mb 429 aus, wo es dem seine Sünden bereuenden
Heim (Heime, Heimir) in ein Kloster auf dem ehemaligen Gebiet des inzwischen
verstorbenen Herrschers Ermenrik zieht und sich der
Gefolgsmann von König Dietrich inkognito unter dem Aliasnamen „Ludwig“ dem
Abt von Wadhincúsan vorstellt. Wisniewski identifiziert nun dieses
erzählungsgeschichtliche Muster mit der Geschichte des 1170 gegründeten
Wedinghausener Prämonstratenserklosters, dessen Ordensbrüder
traditionsgemäß weiße Kutten trugen. Eine kurze Zeit nach seiner
Gründung, und zwar zwischen 1210 und 1236, soll nach mehrfachen Einträgen im
Westfälischen Urkundenbuch
(Staatsarchiv Münster) dort tatsächlich ein Ludovicus dem Kloster
als „Scriptor“ gedient haben. Die Thesenverfasserin erkennt in diesem Ludwig somit
einen bedeutenden Überlieferer der Thidrekssaga, wie er sich – übrigens
in einer literarisch keineswegs unüblichen Manier – auf
erzählungsgeschichtlicher Ebene durch das Heim-Ludwig-Implantat als Kopist und
Autor verewigt wissen wollte. Gleichwohl gibt die Literaturwissenschaftlerin anhand
weiterer quelltextlicher Übermittlung zu bedenken, dass der sich als Klosterbruder
bewerbende zu guter Letzt willkommene Heim „eine schwarze Kutte anzog
wie die anderen Mönche“ (Mb 429) und deutet die nunmehr unstimmige
Kuttenfarbe als einen Zusatz, wie solcher mit ausmalenden altnorwegischen
Additiven des Membrane-Sagamanns durchaus in Einklang gebracht werden kann.
Als weitere und unbedingt sinnvolle Maßnahme vom Bearbeiter, sich
von der Handlung zu distanzieren, sollte auch die native Abkopplung der Gestalt
„Ludwig“ von Dietrichs Gefolgsmann Heim gesehen werden, wie dies für den
Erstgenannten zur Vita des Ludovicus im Amelungenland (Humlungaland) stimmen mag
und somit klar im Gegensatz zum Nachgenannten steht, der in der Erzählung
jedoch nur aus „Svava“ (dem Harz) stammend zitiert wird. Und ebenso wird man auf
erzählungsgeschichtlicher Ebene schon wegen der Gründungszeit
des Klosters Wedinghausen die Heim-Episode nicht aus dem Ereignishorizont
nach dort in das westfälische „Wadhincúsan“ transponieren
können.
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Die Tragweite möglicher Folgerungen und
Konsequenzen aus einer derart verankerten Bearbeitungssignatur
gleichwohl erkennend wollen Roswitha Wisniewskis akademische Kolleginnen
und Kollegen ihre These als nicht haltbare Spekulation beurteilen. Hierzu
verweist Susanne Kramarz-Bein unter anderem auf die zum altnorwegischen
Entstehungsmilieu und dessen kontextuelle Einflüsse förderlichen
Indizien, sowie insbesondere für den zu Bergen unterstellten „Sagamann“
auf den für ihn vorbildlichen Benediktinerorden von Kloster
Múncalíf. Sofern nun Kramarz-Bein unter „Entstehungsmilieu“
hauptsächlich die von Ritter-Schaumburg indizierte epische
Übertragungsmentalität des Membrane-Schreibers aus einer am
wahrscheinlichsten erscheinenden niederdeutschen Vorlage verstehen sollte,
dann müsste man – sicher entgegen ihrer beabsichtigten Entkräftung
der These ihrer Kollegin – wohl eher umgekehrt von deren Untermauerung
ausgehen.
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Jedoch hat Susanne Kramarz-Bein anhand kontextuell
fragwürdiger kollegialer Zitate und Forschungsbeiträge vielmehr versucht,
einen tragenden Pfeiler einer nostrifizierten Habilitation auszuhebeln (s. Endnote 6). Dabei
bezieht sie sich unter anderem auf William J. Pfaff, wie dieser bei seinem irrigen geografischen
Verständnis der Thidrekssaga (vgl. Ritter-Schaumburgs Nachweise; über
Pfaff s. Sigfrid ohne Tarnkappe) die Wisniewski-These mit diesen von der
jüngeren Autorin nachzitierten Einlassungen jedoch vergeblich zu rezensieren
versuchte:
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| “… It seems hard to believe, however, if the saga writer were working
with a chronicle written in Wedinghausen, that he would place the monastery in Italy or that he would have found the form Wadhincusan before him … By concentrating her attention on the story of the Nibelungen, she avoids difficulties which a similar analysis of the whole saga would entail …” (aus Journal of English and Germanic Philology, 61, S. 948-952, 1962). |
Nach den quelltextlichen Schilderungen (Sv 371, Mb 430) befindet
sich wegen Heims Kurzweg-Entscheidung, in (irgend-) ein Kloster zu gehen, diese
Stätte unzweifelhaft im Land „Lumberdi“ bzw. im „Langbardenland“. Es kann sich
hier jedoch nicht um die italienische Lombardei drehen, weil es sich vielmehr um eine
Region südlich vom linksrheinischen Humlungaland – also im Gebiet um das
zweite Rom an der Mosel – handeln muss; so, wie man dies aus den Schilderungen
von Heims zerstörerischen Zügen als seine Antwort auf Dietrichs
Vertreibung aus „Bern“ eindeutig nachvollziehen kann. Ritter-Schaumburg hat
für diesen Landstrich an der mittleren bis unteren Mosel eine schlüssige
Entsprechung mit dem bei Trier gelegenen Lampaden (vgl. „Lamparden“,
„Lampartenland“) angegeben. Wie er im Zusammenhang mit
der Herkunft der Gestalt Walter zur Disposition stellt [Die Thidrekssaga
(Übs. F. H. v. d. Hagen), Fußnotentext 57, S. 763], besteht zur
näheren Verortung von Heims Kloster noch eine bedenkenswerte Alternative
in „Voska“ – „Vaska“ (Forst bei Polch) sowie auch in Wadgassen an der Saar.
Hier, im Gebiet des später errichteten Klosters Wadhingozzan,
lokalisiert Ritter-Schaumburg Heims letztes
Wirken.4
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Aus der Argumentation von Pfaff ist übrigens
beispielhaft erkennbar, dass die germanistische und nordistische Anerkennung nur des
Ritter-Schaumburg’schen Raumgefüges der Thidrekssaga bereits eine nicht
unerhebliche Schmälerung ihrer eigenen literarischen Erkenntniswerte und somit
auch ihres Argumentationsreservoirs bedeuten dürfte! Gerade vor solchem
Hintergrund wird man den von Heinrich Beck bemühten
Standpunktzweifel einer – schlussfolgenderweise auf den Punkt gebrachten –
auffallend widersprüchlich postulierten Erzählungskonsistenz zu sehen
haben: Die von Ritter-Schaumburg aufgezeigte und weitestgehend sicher stimmige
geografische Homogenität der Thidrekssaga – mit all jenen darin
peinlich genau festgehaltenen wie literarisch zuvor unverwerteten, unbekannten,
bedeutungslosen und trotz alledem wirklichen wie
schlüssig zusammenhängenden Örtlichkeiten und Fleckchen –
müsse bei historisch vorausgesetzten Berichten dann
gegensätzlich zu einer realitätsfern anzunehmenden Suspektizität
übriger Inhalte gesehen werden. Wirklichkeitsgrade realitätsrelevanter
Verschriftlichungen sollen hier also nicht am Wahrheitsniveau mitvermittelter
Raumbilder festgemacht werden dürfen.
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Mit einer vielmehr an sich selbst als an Ritter-Schaumburg zu
adressierenden „Abverlangung eines falschen Realitätscharakters der Thidrekssaga“
wird also die Fachwissenschaft diese Folgerungshaltung auf sich selbst
zu beziehen haben. Und so haftet an den lehrwissenschaftlich weiterhin
festgehaltenen Fehlinterpretationen von geografisch-topografischer Dimension
deren zugleich missgedeuteter invalider genealogischer und ethnologischer
Korpus.5
Gerade von solcher Warte will auch Kramarz-Bein selbst ein elementares
Grunderkennungsmerkmal anerkennungsfähiger Geschichtsdarstellungen
noch für Ein- und Widersprüche gegen Ritter-Schaumburg
und chronikalische Vermittlungen verwenden: In ihrem Irrglauben, die
Thidrekssaga als Dichtung begreifen zu müssen, sollen Wirklichkeitsgrade
realitätsrelevanter Verschriftlichungen hier nun nicht am Wahrheitsniveau
mitvermittelter Raumbilder festgemacht werden dürfen. Doch sie überzeugt
keineswegs bei ihrem Versuch, ein gewiss nicht vernachlässigbares wichtiges Indiz
für das Authentizitätsmaß einer Überlieferung wie die Thidrekssaga
unverhältnismäßig zu verdrängen. Schon deswegen, weil sie mit
ihren abzulehnenden Vorstellungen, jedoch der von Ritter-Schaumburg aufgezeigten
geostrategischen Genauigkeit und somit auch einer geopolitischen Unwiderlegbarkeit der
„Saga“ keine übertragbaren Präzipitationsfälle anzugeben weis.
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Wenn sich Heinrich Beck gegenüber Ritter-Schaumburg
auf eine herablassende Argumentation verlegt und dabei verkündet, dass
„die Thidrekssaga für den
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Auch auf diesen Gleisen sind Germanistik und Nordistik auf
notorisches Zuweisen und Beanspruchen monografisch gesehener Textzeugnisse als
intentionale Dichtung beschränkt. Doch dabei wird nicht mit Antagonismen aus
konservativer Ignoranz und Überheblichkeit gegenüber dem
ausgewiesenen Literaturwissenschaftler Heinz Ritter-Schaumburg gespart. So auch
dergestalt, dass beispielsweise Kramarz-Bein ihn mit kaum mehr als einer Fußnote
berücksichtigen und seine Untersuchungen schlichtweg als
populärwissenschaftlich und irrelevant abkanzeln will. Und auch gegen Roswitha
Wisniewskis These führt sie im Schulterschluss mit Heinrich Beck und seiner
eindeutig fragwürdigen Betrachtung der Thidrekssaga auch die Horst P. Pütz ins Feld: Er
will nicht ansatzweise verwertbare urheberschaftliche Indizienmomente in der
Heim-Ludwig-Denkmalsetzung des Scriptors erkennen und daher vielmehr glauben
machen, „... dass der Saga hier auch im Bereich der Personennamen ein falscher
Realitätscharakter abverlangt wird ...“ (Z. f. d. A. 100, 1971).
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Wie auch andere seiner Kollegen sieht der Literaturwissenschaftler
Pütz in der Thidrekssaga eine symptomatisch soweit entrückte
Dichtung, dass er aus seiner dementsprechend realitätsfernen Warte
die Grundzüge der von Roswitha Wisniewski aufgezeigten
Urheberschaftsanspielung in den Handschriften nicht zu erkennen vermag.
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Mit dem bereits seit den achtziger Jahren vorliegenden
Erkenntnisstand kann jedoch zur deutlichen Erhärtung der
Wisniewski-These aufgezeigt werden, dass Kramarz-Bein die Heim-Moniage
unausgewogenen kommentiert. Wie Ritter-Schaumburg in seiner Exkursion als
Addendum zu seiner deutschen Erstübersetzung der altschwedischen
Dietrich-Chronik sowie auch in seiner Posthumveröffentlichung
Der Schmied Weland (s. dazu auch den Verfasserbeitrag unter iii.)
bislang unwiderlegt herausgearbeitet hat, wird man auch in diesem Zusammenhang
von einer Bewertungspriorität oder kontextuell zumindest von einer
Relevanz der altschwedischen Handschriftüberlieferungen ausgehen
müssen. Und so findet sich darin auch kein einziges Wort über eine
schwarze Mönchskutte von Heim bzw. „Ludwig“. Es heißt dort an der
einzigen entsprechend möglichen Stelle: „... (er) ... nahm Kutte
und Mönchskleider und gab sich in den Orden mit ihnen ...“ (Sv
370).
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Da Kramarz-Bein wiederholt eine Reihe von kollegialen
Einschätzungen zitiert, die von einer niederdeutschen Vorlage ausgehend ihre
milieuorientierte literarische Transfusion in Altnorwegen befürworten, wäre
überdies zu diesem Punkt – vorbehaltlich einer kritischen Betrachtung von Art
und Umfang – noch von einem Assimilierungsansatz oder kleinstem gemeinsamen
Nenner mit Ritter-Schaumburg auszugehen. Selbst wenn hier zur Zerstörung
von Roswitha Wisniewskis These von einer schlichten Kürzung ausgangen
wird, so bliebe aus mehr als nur einem Blickwinkel zu ergründen,
warum nun ausgerechnet an dieser Stelle die altschwedischen Chronisten
eine Auslassung vorgenommen haben sollten!
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Hingegen wird der längst invalidisierte Standpunkt,
dass die norwegischen Bearbeiter der Thidrekssaga deutlich mehr als eine weitgehend
vorlagengetreue Übersetzungsarbeit aus einer niederdeutschen Geschichtswerk
über die Zeit Dietrich von Berns geleistet hätten (s. auch
hierzu den bislang nicht widerlegten Wisniewski’schen Extrapolationsnachweis der sog.
Zweiten Quelle in Verbindung mit der von Ritter-Schaumburg angeregten
Vereinbarkeitsforschung an und zu historischen Bezügen und Evidenzen),
keineswegs mehr glaubwürdig zu vertreten sein – schon aufgrund nicht versuchter
und nachweislich auch nicht vorliegender manipulatorischer Eingriffe an dem nach
Ritter-Schaumburg besondere Detailkenntnisse über fränkische und
niedersächsische Ortskunde beanspruchenden
Erzählungsraum. Ebenso wenig werden Heinrich Becks lehrwissenschaftliche
Ziehtöchter6 und
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In der ebenso vorherrschenden wie gleichermaßen irrigen
Vorstellung der Literaturwissenschaft des 19. Jahrhunderts, in den Handschriften der
Thidrekssaga und der Dietrich-Chronik Theoderich den Großen wiedererkennen
zu müssen, kann und muss es sich bei diesen folglicherweise nur drastisch
verzerrt begreifbaren Überlieferungen um nicht mehr als „Sage und Dichtung“
handeln. Doch von eben diesem ehernen Postulat, soweit noch gestützt
vom schöngeistig verherrlichenden Bestand an mittelalterlicher Dietrich-Epik,
vermag sich die Germanistik und Nordistik des 21. Jahrhunderts – um ihrer darauf
angehäuften Bibliografie und somit ihrer Glaubwürdigkeit und Reputation
willen sich teilweise naivster Argumentationsstrategien gegen Ritter-Schaumburg
bedienend – wohl auch in absehbarer Zeit nicht überzeugend zu lösen.
Neben infantiler enzyklopädischer Kritik an der pseudonymisch wie toponymisch
zulässigen Inanspruchnahme von „Svava“ – Ritter-Schaumburgs prägnanter
Logismus für seine Erstübersetzung der Didrikskrönikan durch
begriffliche Übernahme jener quelltextlich häufig zitierten
niedersächsisch-mitteldeutschen Region anstelle einer Verschmelzung
von svensk für schwedisch – zählt das Inabredestellen
potenziell verschollener Aufzeichnungen über Vermittlungsinhalte der Thidrekssaga
(übrigens nicht unerheblich gegen die Ideologie Ludwigs des Frommen), zu denen
Ritter-Schaumburg Oberbegriffe wie „Urschrift“ oder „Urfassung“ verwendet.
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So bleibt zur enzyklopädischen Vorstellung,
Ritter-Schaumburg und Reinhard Schmoeckel hätten die Thidrekssaga gar zu einem
chronikalischen Werk emporgehoben, noch darauf hinzuweisen, dass längst vor
ihnen Roswitha Wisniewski deren gattungsliterarische Herkunft und Haupteigenschaft mit
einer anerkannten Habilitation aufgezeigt hat. Auch ihrer Argumentation wurde nicht
zuletzt ein heroisch-poetisch veranschlagter „Strukturplan“ zur Glaubhaftmachung eines
fabulierten Heldenepos gegenübergestellt. So hat sie mit unverkennbarem Unterton
noch Ende 1990 in ihrem Vortrag über den Stand der Nibelungenforschung am
Europainstitut der Universität des Saarlandes das etablierte interpretationsdogmatische
Hauptkriterium dergestalt auf den Punkt gebracht, dass neben der Nibelungensage
|
| „die vielen sonstigen Überlieferungen der Dietrichsage eindeutig erkennen lassen, daß es Theoderich der Große ist, der in der Dietrichsage fortlebt.“ |
Wie nicht nur Roswitha Wisniewski anhand unterschiedlich
aufgezeigter Interpretationsmaßstäbe erkennen lässt, positioniert
sich die Kernauffassung der Germanistik und Nordistik – sofern von einer solchen
überhaupt gesprochen werden kann – an kaum gefilterten und zu nicht wenigen
Kriterien widersprüchlichen Bewertungshorizonten. Das mediävalnordische
Schrifttum, so vor allem unter Hákon IV., zeigt dagegen, dass historiografisches
Importmaterial unter undifferenziert gepflegtem Begriff „saga“ übersetzt und
kategorisiert wurde. Auch demnach bleibt zu resümieren,
dass die Literaturwissenschaft nicht minder unkritisch den von übertragenden
»Sagamännern« vergebenen Titeltypus für eine importierte
und mit berechtigter Wahrscheinlichkeit niederdeutsche Geschichtsvermittlung zu ihrem
programmatischen Ideologem erhoben
hat.7
So die nach verständlicher
Folgenabschätzung einzig verbleibende ephemere, bereits aus vorgenanntem
Zusammenhang jedoch kaum haltbare Bastion zur Abstützung ihrer
altwissenschaftlichen Forschungsbibliografie. Mit wiederum ebenso unkritischen wie
rückhaltlos propagierten Pauschalisierungen, dass etwa
die volkssprachliche Sagenüberlieferung ihrem Wesen nach den Ansprüchen nicht zu genügen habe, die die Geschichtsschreibung an die Faktizität des Berichteten stellt, soll den altnordischen Handschriften über Dietrich von Bern auffälligerweise nach Ritter-Schaumburg noch um so mehr Geschichtlichkeit abgesprochen werden, als es mancher Altwissenschaftler je zu träumen wagte. Und so werden historische Gestalten, die noch von Ermanarich bis Odoaker reichen dürfen, um so mehr in einen auf altwissenschaftlicher Illusion basierenden Gestaltungsplan der Thidrekssaga gezerrt und mit diesem weiter entstellt.8 Auch hier handelt es sich nur um ein Beispiel einer längeren Reihe von methodologischen Fehldispositionen, die im Rahmen fachwissenschaftlich versuchter Rechtfertigungen den mehrheitlichen Studienanfängern und |
Durch bewusstes Ignorieren von Vermittlungsstilistik aus
dem Genre früh- bis hochmittelalterlich anerkannter Geschichtsquellen wollen
die Vertreter dieser Fachrichtungen die von Ritter-Schaumburg aufgezeigte Immanenz
der Thidrekssaga trotz vorgelegter chronikalischer Extrapolationsnachweise wie
darüber hinaus systematisch-methodisch weiter darstellbarer quellenkomparativer
Gattungsanalysen vielmehr supprimieren. Dazu abwegig gegen Ritter-Schaumburg
und allgemeine literarhistoriografische Wertmaßstäbe
erhobene Forderungen über handschriftlich punktgenaue Realitätsspiegel
wird man anhand frühgeschichtlicher Berichterstattung von Schreibern wie
beispielsweise Jordanes, Saxo Grammaticus oder dem pseudonymischen Fredegar
jedoch eher einer Absurdität als literatur- und
geschichtswissenschaftlichen Grunderkenntnissen aus rund
zweitausendjähriger Ereignisübermittlung zuschreiben müssen.
Zu polemisierenden Behauptungen, dass Ritter-Schaumburg mit nicht unberechtigten
Folgerungen aus seinen toponymischen Identifizierungen gar
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| „gesicherte literarhistorische Erkenntnisse über die Sagen- und Geschichtsüberlieferung germanischsprachiger Völker ignoriere“, |
sind forschungsevidente Berufungen auf geschichtsfaktisch
anerkennungsfähige Nachweise oder ihn signifikant widerlegende Gegendarstellungen
nicht möglich. Ebenso kann nicht wegen Singularität einer im Kern
völkergeschichtlichen Überlieferung diese unter Hinweis auf somit
unerfüllbare Forderungen nach koexistentem Belegmaterial als historische
Vermittlung vorab ausgeklammert oder negiert werden – übrigens ein fatales
Postulat für solche Geschichtszeugnisse, die historische Denkmäler
solitär beitragen. Vielmehr zeigt bereits das von Ritter-Schaumburg
glaubhaft extrahierte handlungsstrategische Ortsgerüst der Thidrekssaga, dass
gemäß literarhistorisch applizierbaren Maßstäben für
inhaltliche Vermittlungswerte ihre methodisierte stereotypische Behandlung als
Dichtung ihrer Gesamtcharakteristik in keinem Fall gerecht werden kann.
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Nicht nur Heinrich Beck hat versucht, sich über Andreas
Heuslers elementares Trennungstheorem zwischen Heldendichtung und Chronik
hinwegzusetzen, und seine ihn auch darin unkritisch abnickende Gefolgschaft vermag
längst nicht mehr mit ihrer eigenen disziplinärmethodischen Zwiespältigkeit
glaubwürdig umzugehen. Doch auch demgegenüber will die Lehrauffassung
zunehmens sich selbst glauben machen, dass die Thidrekssaga als
scheinbar volkssprachliche Sagenüberlieferung nicht den Ansprüchen
genügen müsse, die eine mehrfach edierte mittelalterliche Chronik
– so in Beanspruchung und Ausfüllung einer
spätgallorömisch-frühfränkischen Geschichtslücke –
an realhistorischer Kreditierbarkeit zu stellen habe. Vielmehr ließe sich nicht zuletzt
mit dem lateinisierten volkssprachlichen Possengerede der fränkischen Historia
von Gregor v. Tours aufzeigen, dass nicht nur derartige Geschichtsdarstellungen, sondern
insbesondere auch rezipierend verdrehende und sich ihren inspirativen Quellen somit
weiter entfernende Heldenepik mindestens gleichermaßen einen nachvollziehbaren
Anspruch auf geistliche Urheberschaft erhebt.
[Gregor von Tours befindet sich auf dem Schriftzeugnisindex für „Quellen des
Vulgärlateins“ der Sprach- und Kommunikationswissenschaftlerin Barbara Job.
Zum summarischen Gewicht unzweifelhafter Spuren von supponierbaren lateinischen
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Als zeitepochales chronikalisches Erzählungswerk erfüllt
die Thidrekssaga als Eloge auf ihre Titelgestalt mehr als die grundsätzlichen
literarischen Kriterien einer spätantiken und mediäval edierten Historia über
rheinfränkische und niedergermanische bzw. sächsisch-baltische Ereignisse.
Zeitgleich dazu berichtet der keineswegs unfehlbare prinzipaliter Zeugnislieferant
Gregor von Tours aus
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Die Historizitätsforschung der Thidrekssaga stellt gleichwohl
höhere Anforderungen, als anhand eindeutig fragmentarischer Überlieferungen
von fränkischen Chronisten wie z. B. Gregor von Tours in der Form gegen
Ritter-Schaumburg zu polemisieren, dass zwar berechtigt zu fordernde, uns aber erkennbar
vorenthaltene Geschichtszeugnisse – so über eine faktisch zu postulierende
Ripuarier-Historie oder der wohl kaum einem irdischen Zeitsprung unterworfenen
Geschichte Triers („Roma II “) in der Zeit nach 470 – hinreichend beweiskräftig
gegen die Dietrich-Chronik bzw. eine chronikalische Thidrekssaga zu verwenden wären.
Schon demnach ist es keineswegs ein Schwachpunkt der Ritter-Schaumburg’schen
Argumentation, sondern vielmehr das naive Procedere seiner hier kaum mehr als
pseudowissenschaftlich vorgehenden Kritiker und Enzyklopädisten, aus Lakunen eine
substanziell haltbare Argumentation gegen ihn entwickeln zu wollen.
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Was ihm gerade von solcher nicht zuletzt hypergenaue
antiquarische Eigennamenübertragungen voraussetzender Gegnerschaft
noch zum Vorwurf gemacht werden könnte, wäre also die Lückenhaftigkeit
unserer Geschichtsschreibung, das Ernstnehmen von Singularität und
inhaltlicher Einzigartigkeit einer chronikalischen Überlieferung, das Hinwegsehen
über das keineswegs von ungefähr defizitäre wie tendenziöse
Material vom moralisierenden Prinzipal eines unbarbarisch-fränkischen
Geschichtsbewusstseins – auch hierüber sollen sich Studien in Arbeit befinden
[Noch vor diesem Hintergrund treffen wir gelegentlich auf unausgewogenen Präjudizierungen oder verunsachlichenden Destruktionsabsichten basierende Behauptungen, dass die Bestimmbarkeit und somit die Glaubwürdigkeit mittelalterlicher Namenüberlieferungen (mit augenscheinlich erheblichem Gefährdungspotenzial für alttraditionelle Ortsvorstellungen) aus der Topik chronikalischer oder historiografischer Berichte ausgeklammert werden müsse. Selbst anhand der Edierungsverhältnisse der Thidrekssaga und handlungsstrategisch stichhaltiger Relationen nach Ritter-Schaumburgs Ortsgerüst erscheint solche Argumentation jedoch als unausgegorene und gemäß erzählungsinhaltlicher Gesamtveranlagung nicht glaubhaft vertretbare Pauschalisierung. So der nicht zuletzt auch enzyklopädische Online-Medien beispielhaft unglaubwürdig abwertende Vorstoß gegen ein zur Sage erklärtes Textzeugnis, um auf möglichst einen Schlag die nordischen Handschriften – und mit ihnen hier im Zusammenhang zu sehende mittelalterliche Geschichtsvermittlungen – ihrer geografischen Determination zu berauben. Wegen implizierter zerstörerischer Konsequenzen sowohl generell für linguistische Grundwerte als auch anerkannte und anerkennungsfähige Geschichtszeugnisse arten solche Einlassungen gleichwohl in einen kontraproduktiven Rundumschlag aus, bei dem selbst eine gestandene Germanistin wie Roswitha Wisniewski zu Boden geht.10] |
Und so fehlt auch nicht wenigen rein englischsprachigen
Geschichtswissenschaftlern das Verständnis für jene unfundiert
zementierten “Too good to be true“-Apodikte, die in der Klimax ihrer sprachliterarischen
Errungenschaften eine Übertragbarkeit quelltextlicher Toponyme wie Vernica,
Verniza oder Vermin(t)za, Vermista auf faktische Ortsnamen wie Virnich oder Virmenich
(jetzt Firmenich) auch wegen mutmaßlich ausschließlicher Nennung in den
altschwedischen und altnorwegischen Handschriften scheinbar definitiv in Abrede
stellen wollen.11
Nach zunehmender Tendenz einer solchen Argumentation deutlich reserviert
gegenüberstehenden sowie den Gesamtkomplex Ritter-Schaumburgs fast
ausnahmslos „undeutsch“ angehenden Geschichtsforschung verdeutlicht und
rechtfertigt sein Erbe nichtsdestoweniger den Anspruch auf
Verwendungsfähigkeit seiner weitgehend unwiderlegbaren wie
grundsätzlich nachvollziehbaren Raumvermittlung der Thidrekssaga
für zweifellos berechtigte Verträglichkeitssondierungen.
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Neben der Thidrekssaga und der altschwedischen Dietrich-Chronik
können Forderungen nach gesonderten Textzeugnissen für die von unseren
fränkischen Geschichts- und Geschichtenschreibern evident verschwiegenen Existenzen
eines ebenso höchst heidnischen wie kulturell beispiellosen Eifel-Hochsitzes
beim späteren Aachen, einer Moselmetropole Roma II im vorzitierten und
doch von ihnen übergangenen Zeitraum, eines dortigen Königs Ermenrik
oder eines Gunnar in der Voreifel nicht den Historizitätswert der altnordischen
und altschwedischen Handschriften in Frage stellen.
Es sei denn, man forderte Maßstäbe neuzeitlicher Geschichtsschreibung
und evozierte dadurch riesige Lakunen durch generelles Infragestellen singulärer
Geschichtsvermittlungen und deren historiografischer Grundveranlagung.
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Dagegen beruhen die vorherrschenden Ideen der Germanistik und
Nordistik über die Thidrekssaga auf wissenschaftlich unhaltbarem Vorgehen, die
historische Wahrscheinlichkeit wie archäologische Berechenbarkeit eines um die
Mitte des ersten Jahrtausends bei Soest stattgefundenen Kampfes gegen raumevident
vorrückende Franken wegen scheinbar nicht vorhandener Geschichtsquellen zur
völligen Unmöglichkeit und somit schlichtweg als Dichtung zu erheben.
Mit einem Etzel, den es nie gegeben hat. Mit Burgunden, die niemals in seinen
Gefilden zugrunde gingen. Mit archaischer Apodeixis, dass es nur einen hunnischen
Attila, doch neben und nach ihm keinen hunischen Atala gegeben haben darf.
|
Die historischen Überlieferungen der Thidrekssaga werden
durch eine von ihr unabhängig berichtende Zweitquelle bezeugt. Der unten
angegebene Netzbeitrag [i.] konstatiert unter Hinweis auf Ritter-Schaumburg
über das Werk des altschwedischen Chronisten: |
| „… the Swedish 'Haghen' cannot be taken from a Norse-Norwegian source
that spells 'Högni', while 'Goroholth' may not represent a translated
'Gernoz', 'Gislher' not result
in 'Gyntar' …” |
Mit seiner zweiten Hauptquelle von zu unterscheidender
linguistischer Herkunft und nach etymologisch-synonymischen Hauptkriterien
schließlich ausschlaggebenden Überlieferung hat der übersetzende
altschwedische Chronist die geschichtsfaktische Eigenschaft der Thidrekssaga durch
überwiegend transskriptische Übernahmen verifiziert. (Einen gravierenden
quellenkontextuellen Fehlschluss bildet hingegen die Vorstellung, die
Namensgebung der niflungischen Hauptgestalten in den altschwedischen Texten
gründe sich auf das hierzu vorbildlich zu sehende Nibelungenlied.) Übrigens
sprechen mediävalliterarische Grunderkenntnisse gegen eine sukzessive
spätmittelalterliche Ausnüchterung der besonders an epischen
Aufschwellungen interessierten Thidrekssaga. Auch hiergegen stereotypisch
erneuerte, jedoch nach seriösen Erkenntnissen allenfalls auf einer
infantilen altwissenschaftlichen Trotzreaktion fußende Behauptungen,
die altschwedischen Handschriften verkörperten ein nach Kopierfehlern
stringent detektierbares Plagiat der Thidrekssaga, hat bereits Ritter-Schaumburg
mit exemplarischen Textanalysen glaubwürdig zurückgewiesen (z. B.
anhand von Sv 161 : Mb 169, wo der altschwedische Text dreihebige Amphibracchen
tradiert, die altnordischen Handschriften zur inhaltlichen Vermittlung dagegen lediglich
dumpfe Prosa bieten; siehe zu weiteren Untersuchungskriterien Ritter-Schaumburgs
Anhang zu seiner deutschen Übersetzung der altschwedischen
Überlieferung). |
Aus der Thidrekssaga ist nicht herauszulesen, sie hätte
Strukturformungen erfahren, um etwa „getrennte Stoffkreise zu einer geschlossenen
epischen Welt zu vereinigen.” Selbst jene forschungsgeschichtliche Mutmaßungen, die
wegen der Aufteilung eines umfangreichen Vorlagenmaterials auf mehrere Schreiber von
unterschiedlichen bzw. zusammengeklaubten Quellen ausgehen, können nicht
halbwegs glaubwürdig untermauert werden. Somit muss die
rein spekulative Behauptung, die Thidrekssaga repräsentiere
vielmehr eine Kompilation als die Übersetzung einer mit allenfalls kaum
ausschlaggebenden Nebenquellen verarbeiteten Hauptvorlage, zurückgewiesen
werden (s. Endnote 1 u. 7). |
Doch auch oder gerade vor dem Hintergrund, über zwei
Jahrhunderte eher selbstgefällig betriebene Ths.-Dichtungsdeutung in nachweislich
irriger narrativer Raumvorstellung rechtfertigen zu wollen, muss der mehrheitlich
vertretenen germanistischen und nordistischen Argumentation, die von
Ritter-Schaumburg und anderen in progressiver Forschung behandelte Thidrekssaga
gestatte keinerlei oder lediglich unmaßgebliche Rückschlüsse auf
faktische Geschichtsvermittlung, eine unglaubwürdige Haltung bescheinigt
werden. Stattdessen wird die konservative Lehrauffassung sowohl im quellenselektiv
diskriminierenden Interesse als schließlich auch zur Wahrung ihrer eigenen
literarischen Historiografie und Bibliografie anhand breitbandigst vorgenommener
Quellenparallelisierungen auch weiterhin versucht sein, nicht nur literarische
Bewertungskompetenzen von kritischen Autoren und Medienrezensenten über die
Ritter-Schaumburg folgende Forschung bei sich bietender Gelegenheit in Zweifel zu
ziehen, sondern auch das Gesamtgewicht fachwissenschaftlich nachvollziehbarer
Erkenntnisse über die Traditionsgeschichte der Thidrekssaga zu ignorieren.
Fazit: Nicht wenige sachthematisch orientierte Beobachter haben längst verstanden, dass aus dem literarhistorisch betroffenen Komplex die Germanistik und Nordistik im Fall Thidrekssaga bislang als Beklagte und Richterinnen hervorgegangen sind. Und solange ihnen unkritische Historiker mehrheitlich am Rockzipfel hängen, werden sie auch weiterhin versuchen, beiden Positionen mit krampfhaft gestanzten Deutungsschablonen zu dienen, die im Rahmen undifferenzierter forschungswissenschaftlicher Phantasie bis zu einer heldenepischen Gesamtkonzeptionalität der Thidrekssaga reichen müssen. |
Netzaktuelle Ausfeilungen, die zwecks Abstützung solcher
altwissenschaftlichen Fehldispositionen forschungskritische Beiträge nachweislich
diskriminieren (siehe ein Exempel unten), können im deutschsprachigen wikipedia
unter seiner „Thidrekssaga“ und deren Diskussionsseite nachgelesen werden. Beispiele
literargenetischer Vorstellungen, die nicht im geringsten Ritter-Schaumburgs
Historische Zeittafel der Thidrekssaga
widerlegen können.12 |
Entsprechender Protektionismus gilt auch für Dietrich von Bern bei wikipedia,
dessen Zensor anhand fabulierender Quelleno den historischen Gestaltenauftritt
in Frage gestellt hat, so z. B. mit der selbst geschichtsfaktischen Grunderkenntnissen und
Zusammenhängen widersprechenden Kaiserchronik oder den Vorstellungen
eines weltchronistisch äußerst zweifelhaft umhertappenden Frutolf von Michelsberg. Das Ganze
schließlich angereichert mit fragwürdigen Zitaten jener neuzeitlicher Heldenepiker,
die den Betrachtungspunkt Sage und Wirklichkeit unkritisch verwenden wollen –
übrigens meinen Dank an die verantwortlichen wikipedia-Aktivisten für die aktuell
werbewirksame Verwendung dieses Eintraguntertitels unter ihrem Dietrich (Okt. 2007).
Wie Fußnoten 4 und 9 beispielhaft verdeutlichen,
verhindert ein unter dem Namen „Altaileopard“ auftretender wikipedia-Zensor,
auf höchst fragwürdigem Niveau unterstützt von seinen
einschlägig vorbelasteten Protagonisten, fachwissenschaftliche Ausgewogenheit mit
abschottendem Dirigismus. Und so erfragt selbst zu einem vergleichsweise einfachen Modus
procedendi ein ausgewiesener Literaturwissenschaftler wie Hermann Reichert die
Billigung/Duldung dieses Zensors auf der „Thidrekssaga“-Diskussionsseite (Nov. 2007).
Um Objektivität bemühte intertextuelle Analysen müssen hier offenbar
nicht hinter einem Verfasserpseudonym versteckt werden.
_________________
o Roswitha Wisniewski über die sog.
„historischen Dietrich-Epen“:
„So real die Personen und die von ihnen getragenen
Handlungen erscheinen mögen, so wenig stimmen literarische und historische Wirklichkeit
überein.“ [„Mittelalterliche Dietrichdichtung“, 1986.] |
|
Endnoten |
1 Nach edierungschronologischen
und hier in besonderem Zusammenhang schriftstilistisch semantischen Erhebungen aus der
altnordischen Literatur unter Hákon IV. und seinem wohl ersten Schriftführer
Friar Róbert wird vor allem auf eine rezeptive Abhängigkeit der
Thidrekssaga von der Tristams saga ok Ísöndar hingewiesen. Hiervon
betroffen erscheinen insbesondere Jarl Irons Beziehungen zur Jagd, seiner Frau
und seiner Geliebten, die Erzählungscharakteristika aus Herbort
und Hilda im arthurianischen Milieu (darunter sein verunglimpfendes
Dietrich-Bild) und Weland (Figurenbildnis, Truchsess-Erzählung). Nach dessen
Überlieferung wird man die täuschend echt modellierte Statue
von Welands Werkzeugdieb nicht minder für eine unmittelbare Rezeption
der antiken Apelles-Episode des Plinius aus seiner Naturalis Historia
(35, 10) nahe legen können, die Thomas de Bretagne für die
salle-aux-images-Erzählung seines Tristan adaptiert haben soll.
|
Die relativ frühe Verfügbarkeit dieses
anglo-normannischen Stoffs im norwegischen Schrifttum des 13. Jhs. ist allerdings
nicht als Gegenargument zum Ausschluss seiner disponierbar kontinentalen
bzw. hier niederdeutschen Berücksichtigung und Verarbeitung für die
Thidrekssaga zu verwenden – zumal bereits in diesem Fall von ihrer verschollenen
importierten Vorlage ausgegangen werden darf! Doch auch ohne diese rezeptiven
Gestaltungen in einem niederdeutschen Quellenstoff der Thidrekssaga kann mit
altnordischen Zufügungen dieser Größenordnung längst nicht
von ihrer nennenswert kompilatorischen Gesamtstruktur die Rede sein.
|
Da sich die älteste Datierung der
vorzugsweise neben die Thidrekssaga gestellten Karlamagnús saga
auf das nur Teile der VIII. Branche liefernde Fragment Fr 1 [NRA61] bezieht
und mit ihrem unvollständigen Roncevaux-Bericht „wohl noch dem 13.
Jh. entstammt“ (vgl. Kramarz-Bein), müssen sämtliche
strukturanalytische Textuntersuchungen, die eine inhaltliche Abhängigkeit
der Thidrekssaga von dem wenig homogenen und somit beispielhaft kompilatorischen
Epos über Karl den Großen unterschieben wollen, in den Bereich
reiner Spekulation verwiesen werden.
|
Zu weiteren Gegenüberstellungen der
Thidrekssaga mit heldenepischen und realgeschichtlich wenig verifizierbaren
Überlieferungen bleibt festzustellen, dass aus forschungsideologischer
Perspektive bewusst vermieden wurde, die Thidrekssaga in einen für
ihre Textzeugnisse relevanten Forschungskomplex altnordisch übersetzter
historischer Quellen zu stellen.
zurück
|
2 Kurzfassend
wird auf die hier und anderenorts noch zu nennende Skandinavistik verzichtet.
zurück
|
3 Zur Handschriftenlage
erwähnt Friedrich H. von der Hagen in der Vorrede zu seiner deutschsprachigen
Ausgabe der Thidrekssaga eine |
| 4 Ritter-Schaumburgs Fußnote 119 in Dietrich von Bern, S. 303: |
| Das Kloster Vadincusan ist immer mit einem westfälischen Kloster ähnlichen Namens gleichgesetzt worden. So schreibt Holthausen (Anm. 63) S. 490 f.: |
| »In Westfalen liegt auch, wie schon Raszmann II, XI sah, das kloster Vadincusan (c. 434), wohin sich Heim zurückzieht, um mönch zu werden ... Es ist das Prämonstratenserkloster Wedinghausen, in älterer Form Wedinchusen, bei Arnsberg an der Ruhr in Westfalen, um das Jahr 1170 vom grafen Heinrich von Arnsberg gestiftet.« |
| Diese Deutung ist stets wiederholt worden; und solange man die Angaben der Ths für unsinnig hielt, mochte es hingehen. Wenn aber das »Rom« der Ths Trier ist, dann müssen sich die Begebenheiten um das Kloster Wadincusan in der Trierer Gegend zugetragen haben, aus welcher Heim nie mehr herausgekommen ist. Hier gibt es nun ebenfalls ein Kloster ähnlichen Namens, nämlich Wadingozzan, heute Wadgassen an der Saar. Auch Wadgassen war Prämonstratenser-Abtei. Die Franken begründeten in Wadgassen einen Königshof, 902 »Villa Vadegozzinga«. Die Abtei entstand als Familiengründung des Saarbrücker Grafengeschlechtes, 1135. (Franz Martin/Karl-Heinz Braun, Zur Siedlungsgeschichte von Wadgassen. In: Einheitsgemeinde Wadgassen, Jahr der Jubiläen, 1975.) Nur dieses Kloster kann gemeint sein. Beide so ähnlich benannten Klöster sind späte Gründungen und können mit der Zeit Didriks unmittelbar nichts zu tun haben. Hier ist Späteres eingemischt. Doch hat Raszmann (II, 683 Anm.) recht, wenn er sagt: |
| »Diese Darstellung von Heimirs letzten Taten ist schwerlich ein späterer Zusatz zu Thidreks Geschichte, sondern hat ohne Zweifel ursprünglich dazugehört. Was hier erzählt wird, entspricht sehr genau dem wilden Charakter, welcher dem Heimir in dem Vorhergehenden beigelegt wurde, so wie es auch mit dem ganzen Plan der Saga übereinstimmt, daß der Tod aller berühmten Berner Helden umständlich erzählt wird.« |
| Die Geschichte »Heim im Kloster« endet in der Ths so, daß Heim König Didrik anreizt, vom Kloster Schatzung zu erheben. Heim reitet in des Königs Auftrag hin, und als die Mönche Einspruch erheben, erschlägt er den Abt und die Mönche, raubt das Kloster aus und brennt es nieder. |
Der Gottes Regelwerk schlussendlich trotzende
Heim als erpresserisch-zerstörerisch vorgehender Anti-Christ. Wie weit ist
der solches Szenario offenbar beispielhaft schaltende Chronist oder Historiograf von
gegenwärtigen Exempeln entfernt? zurück
|
5 Nur zwei Beispiele
aus der jüngeren Diskussion:
1. Wenn z. B. nach den Quelltexten der Hunaland-König Atala den vertriebenen Königssöhnen Iron und Apollonius (Sv: Appolon) zwei voneinander entfernt liegende Güter seines Reiches überlassen hatte und Iron das Gebiet seines Bruders angeblich der Wildjagd wegen durchkreuzte, jedoch lieber einen Weg zum Stelldichein mit der Gemahlin von Ake d. Ä. suchte, dann kann längst nicht enzyklopädisch gefolgert werden, dass sich Irons Besitz unweit von dem seines Bruders befunden haben muss. Näher liegend ist vielmehr Neugierde auf den neuen Besitz des anderen und somit ein zeitlich nicht näher eingrenzbarer brüderlicher Besuch und Aufenthalt, der sehr wohl zur tradierten Fehleinschätzung ihrer Besitzverhältnisse beitragen konnte (vgl. dagegen bei wikipedia „Thidrekssaga“, 19.01.08). 2. Gegenüber der Wilzen-Überlieferung geäußerte Vorbehalte, dass die Ostland-Berichte nicht zur Vita des historischen Dietrich von Bern gehören dürfen, müssen nach E. Studers Untersuchungen zurückgewiesen werden. Demnach können wiederholt versuchte Parallelisierungen mit Ostkriegen ab Ottonischer Geschichtsschreibung grundsätzlich nicht gegen die zeitchronologische Geschlossenheit der Thidrekssaga verwendet werden. Originalton Ella Studer: |
„Wenn es möglich ist, für die gleichen
Vorgänge der Saga Parallelen aus dem 10., 11. und 12. und aus dem 12. und 13.
Jahrhundert beizubringen (Storm, Haupt, Holthausen), die doch alle einen gewissen Grad
von Ähnlichkeit mit den betreffenden Sagastellen haben müssen
und demzufolge auch untereinander aufweisen werden, so scheint es uns eine
Warnung mehr zu sein, daß bei solchen Gleichstellungen äußerste
Vorsicht geboten ist. Sie können nicht viel mehr beweisen, als daß
die Kriege meist in einer nord- oder nordöstlichen Richtung geführt
wurden, daß darin sich oft sehr ähnliche Situationen ergaben,
die durch die geographische Lage und Topographie der Gegend bedingt waren,
sowie auch durch die Art und Weise der damaligen Kriegsführung.“ |
| Und sie schreibt weiter: |
„Es ist natürlich denkbar, daß der
Verfasser unserer Sagapartien, der eine gewisse Kenntnis der Gegend, wo sie sich
abgespielt haben mögen, besaß und auch, vielleicht aus eigener
Erfahrung, Verständnis für Kriegsführung hatte; es ist denkbar,
sagen wir, daß dieses oder jenes geschichtliche Ereignis ihm bei
seiner Darstellung vorgeschwebt haben kann. Ein definitiver Beweis aber,
daß ein gewisses Ereignis mehr eingewirkt habe als ein anderes, kann
unseres Erachtens nicht erbracht werden, denn die geografischen Angaben
sind, mit einigen Ausnahmen, eher allgemeiner Art ...“ |
(Ella Studer: „Russisches in der Thidrekssaga“ –
Sprache und Dichtung. Forschungen zur Sprach- und Literaturwissenschaft
[Dissertationsschrift, S. 92].)
zurück |
6
Anhand altwissenschaftlich protektionistischer und nach Ritter-Schaumburgs
Beiträgen abzulehnender Quellenpräferenzen (vgl. auch Endnote 1)
betreibt Susanne Kramarz-Bein eine forschungsideologische Funktionalisierung der
Thidrekssaga. Mit jenen feinsinnig detektierten struktur- und figurgenerischen
Grundwerten wie der Akteure Geburt, Jugend, Heirat und Tod – den immerhin
unerlässlichen Tragpfeilern zur erzählungssophistisch stringenten
Planung von der Helden Aufstieg, Höhepunkt und Niedergang! Mit einer
aus dem literarischen Baukasten bemühten Gestaltungssystematik, die das
Auf- und Abtreten ihrer Figuren gar fahrplanmäßig reguliert!
Mit Initiationstermini, Sequenzmustern und Strukturprinzipien, die sich
nicht zuletzt einer „Mithilfe des Erzählungsmittels der
verdeckten Handlung“ bedienen!
Die Arbeit von Kramarz-Bein ist nichtsdestoweniger die altbibliografisch fortgesetzte Verschiebung eines realen Mengenbegriffs in eine fiktive Dimension – der Stellenwert seiner historischen Aussagekraft und somit auch seine Zulässigkeit in mittelalterlichen Geschichtsüberlieferungen darf demnach wohl getrost übergangen werden. Abgesehen von Faktennennungen, die hauptsächlich die Handschriftenlage betreffen, liest sich ihre Habilitation als entschlüsselte Anleitung zur Synthetisierung der Thidrekssaga in einer altnordischen Literaturfabrik, über deren Emissionsgrenzwerte sich allenfalls Ritter-Schaumburg und wenige fachwissenschaftliche Außenseiter Gedanken machen müssen. Der Nachweis, dass der Inhalt der Thidrekssaga auf dichterischer Planung und Montagearbeit beruhen soll – so, wie es Kramarz-Bein in ihrer irrigen Erzählungs- und Raumvorstellung einer „oberitalienischen Provenienz des Dietrich-Stoffes“ der Thidrekssaga aufgezeigt zu haben glaubt und selbst Wikipedisten zu leidlich trügerischen Inhalts- und Strukturangaben zu dieser Überlieferung inspirieren konnte –, kann jedoch nicht mit einer bis zur Beweiskraft erhobenen Prämisse geführt werden, die inhaltliche Grundwerte der Immanenz intertextueller Verhältnisse und heldenepischer Schablonisierungen unterordnet. zurück |
7
Die altwissenschaftliche Einstufung (und in der Folge forschungsinspirativ
divergent vorangetriebene Behandlung) der Thidrekssaga als unglaubwürdige
Geschichtsvermittlung beruht vornehmlich auf der irrigen frühen Folgerung,
dass ihre Darstellungen historisch überzeugende Nachweise über den
Auftritt des ostgotischen Theoderich nicht liefern. Die Thidrekssaga und mit
ihr die altschwedischen Handschriften können solchem Vorgehen und
Anliegen jedoch nicht stattgeben, weil sie das raumzeitgeschichtliche Bild
um einen rheinfränkischen Dietrich beschreiben.
Zur Quellenlage und Edierungsgeschichte „ ... setzt sich Heinrich Beck
insbesondere über die Tatsache hinweg, dass die altnordischen
Schriftführer der Thidrekssaga einer Schreibschule angehörten,
die importierte Historiografien unter dem Begriff "saga" klassifiziert hatte ...“,
so das deutsche wikipedia unter seiner „Thidrekssaga“ am 19.11.2007 mit dem
Hinweis auf textstilistische Untersuchungen, dass
Wie noch in dem dort wenig später herauszensierten Passus weiter zu lesen war, ist |
| „gegenüber Heinrich Becks Vorstellungen über die Stoffgeschichte und Überlieferungstradition der Thidrekssaga ihre von Roswitha Wisniewski postulierte historische Quelle, so in Form einer »Chronik über Dietrich von Bern«, insofern plausibler, als weder ein Herbeizitieren niederdeutscher Sagamänner in altnorwegische Klosterstätten (Bergens klerikale Schreibstuben) nahe gelegt werden, noch Entsendungen dortiger geistlicher Schreiber für das Aufsuchen völkischer Informanten in den ursprünglichen Handlungsräumen der Thidrekssaga wahrscheinlich gemacht werden kann. Auch unter Umgehung literarkultureller Maßstäbe und Erhebungen aus der Mediävistik, die vielmehr gegen eine hochmittelalterliche Erstverschriftlichung umfangreicher volksmündlicher Tradition sprechen, hat die Kritik an Roswitha Wisniewskis Ludwig-These die übernehmende Beziehung zwischen den mutmaßlichen Klosterschreibern der Thidrekssaga und dem Wadhincúsan-Bericht eines Verfassers, der Vermittlungsinhalte der Novaleser Geistlichenchronik und von vorausgegangenen Berichten der Thidrekssaga nachweislich verarbeitet hat (!), jedoch nicht in Frage stellen können. |
Zu fachwissenschaftlich jedoch nicht mehrheitsfähigen Vorstellungen, „die zum einen von einer altnordischen Entstehung einer überwiegend fabulierten Thidrekssaga ausgehen und zum anderen deren Verwendung zur Machtkonsolidierung Hákons IV. in Erwägung ziehen“, so weiter in dem vom Zensor als eher unrelevant eingestuften
und zur Niedermachung auf eine Diskussionsseite ausgelagerten Text, wird
„auch unter Miteinbeziehung der Forschungsstandpunkte von Roswitha Wisniewski und Susanne Kramarz_Bein eine plausible und vor allem zeitgeistlicher Aufnahmebereitschaft zumutbare Antwort auf die nicht nur mediävalpolitische Fragestellung vermisst, warum, obwohl Norwegen von der Thidrekssaga übergangen wird, dessen Sagamänner in somit auswärtigen Handlungsräumen eingepflanzte Botschaften weitervermittelt haben sollen.“ (Zitatmitteilung: Dr. Jürgen Wallner-Korf [j.wallnerkorf@yahoo.com] vom 20.11.2007 an den Verfasser.) |
Zitat aus Privatkorrespondenz vom 23.9.1976 zwischen
Norbert Madow, Mitglied der Zentralstelle für Personen- und Familiengeschichte
des Instituts für Genealogie in Berlin, und Theodor Badenhausen (Bad
Wildungen):
|
| In der von Johann Henrich Baddenhausen (oo 1495 mit Elisabeth von Cassel) überlieferten Familienchronik wird von einem Henricus von Badenhausen, Sohn des Johannes von Badenhausen (act. 1238 nach H. Uhde) berichtet, der einen Ordensgeistlichen mit einem liber Theoderici nach Norwegen begleitet haben und von dort nicht mehr zurückgekehrt sein soll. Ihr Aufenthalt in der Geistlichkeit von Bergen, so noch im gleichen und leider einzigsten Satz über diesen Henricus, sei aber nur für die „Dauer eines Mondes“ vereinbart gewesen. |
Wenn man davon ausgeht, dass die Festlandhandschrift Perg. Fol. nr 4. unter Ausfüllung ihrer Lakunen ca. 160–170 Blätter umfasst haben soll, so konnten nur mehrere sowie gleichzeitig arbeitende Redaktoren ihren Stoff innerhalb eines Monats übertragen. (Nachweislich liegen 129 + 2 Vorsatzblätter vor.) Die Verteilung einer nach Roswitha Wisniewski schriftlichen und in nebensächlichem Umfang mit mhd. Kolorit verarbeiteten Quelle auf fünf Scriptoren, wobei eine Ausrichtung nach individueller Fähigkeit und Arbeitsleistung ohnehin nicht außer Acht gelassen werden sollte, spricht für eine in engem Zeitrahmen angestrebte Ausleihung eines Vorlagenmaterials. (Eine umgehende Anfertigung einer quellsprachlichen bzw. lateinischen Zweitschrift wäre innerhalb der genannten Zeitspanne jedoch mit Sicherheit zu bewerkstelligen gewesen.) Nicht nur Roswitha Wisniewski, sondern auch Theodore M. Andersson, Helmut Voigt, Willi Eggers, Jan de Vries, Heinrich Hempel und andere Forscher, darunter auch Ritter-Schaumburg, gehen mit teilweise erheblich unterschiedlichen Betrachtungsschwerpunkten von einem in die Thidrekssaga übertragenen bzw. übersetzten Quellenstoff aus. Mit dem erdrückenden Gewicht der daraus zu folgernden Indizienlage, die nach Gustav Storms Nye Studier (1877) oder Bengt Hennings Handskriftrelationer (1970) auch mit Schlussziehungen aus nordistischen Stoffbetrachtungen weiter erhärtet werden kann, erscheint die Befürwortung einer zu Bergen eher hauptsächlich kompilatorisch oder kompositorisch zu unterstellenden Verschriftlichung der Thidrekssaga jedoch kaum aussichtsreich. (Man beachte auch hierzu den erkennbaren stilistischen Unterschied zwischen den altnordischen und altschwedischen Handschriften.) Aus der Aufteilung des altnordischen Vorlagenmaterials auf mehrere Schreiber, darunter redigierende Eingriffe des dritten Redaktors mit seinem Zusatz über Osantrix' Tod, kann jedoch nicht eine Kompilation gefolgert werden, womit die Thidrekssaga etwa „ein vom »Sagaschreiber« geübtes Bestreben zeige, seine von allen Ecken und Enden zusammengeholten Stoffe fest in einen (suspekten) Gesamtzusammenhang einzubinden“ (vgl. Friedrich Panzers Waltharius-Studien). |
Wie das zu Beginn dieser Endnote zitierte Beispiel
einmal mehr verdeutlicht, lanciert der wikipedia-Zensor seine höchst zweifelhafte
Auffassung über die Quelleneigenschaft der Thidrekssaga. Im dröhnenden
Applaus nicht minder fragwürdiger Online-Protagonisten erklärt er
schließlich fachwissenschaftlich angemessene Terminologie als „abgehobenes
Pseudo-Fachgeschwafel“. So versengt sein Feuer fauchendes Raubtier den Boden, der
die Voraussetzung für einen fruchtbaren Dialog bilden sollte – sofern er an einen
solchen anstelle von heraufbeschworener Polemik überhaupt interessiert ist. Immerhin
wird aufgrund des somit kalkulierbaren Nebeneffekts dieser voreingenommen
vorgehende Zensor seinen naiven Lesern nicht mehr plausibel machen
müssen, wie Heinrichs Becks subtile Idee über Tradition und Inhalt der
Thidrekssaga ihrer Betrachtung als „historische Quelle“ untergeordnet werden konnte.
So bleibt auch von dieser Stelle ein Aufruf zur regen Spendenbeteiligung für wikipedia. Und somit auch die Hoffnung, dass sachthematisch und nach eigenem Bekunden gelegentlich nervlich überforderte Zensoren gegen bessere Fachkräfte ausgetauscht werden können. zurück |
8 Nach den
quelltextlichen Interaktionsbezügen ist Dietrichs Onkel Ermenrik kein
ostgotischer Potentat, sondern Frankenkönig über die Moselmetropole
Roma II. zurück |
9 Siehe auch unter [i.]
zur Koinzidenz von Gregors Erwähnung der Mission Theuderichs für
Chlodwig (Historia Francorum II, 37) mit Dietrichs Vertreibung aus Bern sowie auch
über Vergleiche späterer Lebensereignisse.
zurück
|
10 Zur sinnvollen
Verortung der Niflungenresidenz gemäß raumgeschichtlicher
Erzählungsorientierung bezieht sich Roswitha Wisniewski ausschließlich
auf Nordrhein-Westfalen. [Habil. S. 253ff. Darunter der sprachwissenschaftlich
stringente Nachweis, dass nach formallinguistischen Grundlagen die Handschriften der
Membrane und der AB-Fassungen sich in der Bezeichnung der Niflungenresidenz nicht
auf lateinisierte Derivate von Worms beziehen können.]
Nach einer rund 30-jährigen germanistischen
Professur resümiert sie Ende 1990 in ihrem Vortrag über den Stand der
Nibelungenforschung am Europainstitut der Universität des Saarlandes,
dass Ritter-Schaumburg „aus seinen Identifikationen der Ortsangaben der
Thidrekssaga ein geografisches Bild zeichnet, dem große Stimmigkeit eignet.“
[„Wohin zogen die Nibelungen wirklich? Zum Stand der
Nibelungenforschung“; Publikationsschrift des Europa-Instituts Nr. 213, S. 8ff.;
Hrsg. Prof. Dr. Dr. Georg Ress.]
|
Im Gegensatz zu manchen ihrer suspekt
argumentierenden konservativen Kolleginnen und Kollegen hat Roswitha
Wisniewski am Beispiel der Niflunga-Erzählung aufgezeigt, dass die
auf einer Gelehrtenfassung und demnach präedierter Verschriftlichung
beruhende literarische Hauptveranlagung der Thidrekssaga einerseits nicht an
den Genre-Maßstäben höfisch daherfabulierender Rittersagas
gemessen werden kann und andererseits auch nicht auf ihre
grundsätzliche Abhängigkeit vom Nibelungenlied geschlossen
werden darf. Daher können deren geografische Wertvorstellungen weder
sinnvoll sondiert noch pauschalisiert auf die Thidrekssaga übertragen
werden. Schon aus solchem Zusammenhang ist es nach hinreichend zu
berücksichtigenden stoffanalytischen Differenzierungskriterien nicht
möglich, eine gegenüber Ritter-Schaumburg schlüssigere
narrative Raumprojektion aus ihren Textzeugnissen anzugeben. Wenn er aus dem
Quelltext jenen Passus über die Niflungen zitiert, die eben dort angelangt
waren, wo „Duna und Rhein zusammentreffen“, so wird man schwerlich
überzeugend Gegenteiliges zu seiner Folgerung anführen
können, dass „die Nennung dieses Punktes genaue Kenntnis der
Gegend in früher Zeit beweist und alle Angaben der Thidrekssaga dazu stimmen.“
Somit ist auch in diesem geostrategisch nachvollziehbaren Rahmen
Ritter-Schaumburgs Verortung des Niflungensitzes derivativ-homonymisch
begreifbar.
|
Die beiden Literaturwissenschaftlern
folgende Forschung hat vielmehr erkannt, dass die subtile Abhängigkeit des
Nibelungenliedes von den Vermittlungsinhalten der Thidrekssaga keine glaubwürdig
vertretbare Parallelschlüsse nach lehrsatzartig versuchten Gleichbehandlungen ihrer
divergierenden geografischen Vorstellungen gestattet. Die Unmöglichkeit eines
historisch glaubhaften Raumbildes der süddeutschen Heldensage erlaubt
demnach nicht systematisch-methodisch unifizierende Übertragungen auf die
Thidrekssaga. Bereits der Historiker Ernst F. Jung hat zum grundsätzlichen
literarischen Selbstverständnis beider Überlieferungen darauf hingewiesen,
dass die Niflungasaga (sowie andere Teile der Thidrekssaga) als Chronik in NRW und
das Nibelungenlied als Spiel dichterischer Phantasie zwischen Süddeutschland
und Ungarn verstanden werden müssen.
|
Roswitha Wisniewski schrieb bekanntlich das
wohlwollende Geleitwort zur auflagenstärksten Publikation Ritter-Schaumburgs,
in der die Thidrekssaga ausschließlich als chronikalische Überlieferung
behandelt wird. Nach gegenwärtiger interdisziplinärer
Forschungsauffassung kommt ein solcher Schritt dem auch international hoch
bewerteten wissenschaftlichen Lebenswerk von Roswitha Wisniewski noch
insofern zugute, als sie dadurch grundsätzlich und unmissverständlich
zum Ausdruck bringt, dass die Thidrekssaga einer einzigen Rolle als heldenepische
Polarisationssäule in keinem Fall gerecht werden kann.
So ist neben ihren Beiträgen zur mittelhochdeutschen Dietrich-Epik bereits
eine Perspektive eröffnet worden, aus der im Fall „Svava als historische Quelle“
für ein Nebeneinander von Chronik und rezipierender Dichtung wahrscheinlich
mit geringeren als von mancher Seite befürchteten Konsequenzen für die
fachwissenschaftliche Bibliografie und Reputation gerechnet werden
dürfte. zurück
|
11 Beide bei
Zülpich gelegene Orte dürften durch Gregors Bezugnahme an historischem
Stellenwert jedoch eher gewinnen als verlieren. Eine weitgehende Zerstörung
dieses Tulbiacum oder Tolbiacum in den Kämpfen gegen die
Alemannen wäre als naheliegende Begründung für eine darauf
nachhaltig zurückzuführende Verlegung des Niflungensitzes in das
Umland zu werten. zurück
|
12 Die
Fachwissenschaft hat nicht plausibel begründen können, warum sie
die Berichte der Thidrekssaga zur Dichtung oder unglaubwürdigen
Geschichtsdarstellung erhoben hat. Und so glorifiziert auch der wikipedia-Zensor
als Handlanger altwissenschaftlicher Philologie einen
ostgotischen Theoderich mit jener auf oberitalienischer Provenienz beruhenden
Raumvorstellung („Thidrekssaga“: Apulien, 12.12.07).
|
Kein Wunder, dass bei dieser irrigen
Anschauung sich dieser Zensor auf weitere nicht pauschalisiert haltbare Behauptungen
verlegt. Darunter die textinterne Erschließungen und hierzu fachwissenschaftliche
Beiträge ignorierende Angabe zur Quellenlage, dass entsprechende Belege für eine
Erzähltradition [der Thidrekssaga] im Niederdeutschen fehlen sollen
(„Thidrekssaga“, 12.12.07).
|
Dass im Kontext ohnehin ein nicht unerheblicher Teil
mittelalterlicher Texte zu verschollenen Quellen gerechnet werden muss, verdient
vielmehr die Missachtung des mit dichterischem Gestaltungswillen agierenden
Enzyklopädisten und Zensors.
Er löscht also bald ein beispielhaft eingeflochtenes Gegenargument:
|
| „Allerdings schließt diese Auffassung verschollene Verschriftlichungen, so etwa die im Zusammenhang interessierende Gesamtausgabe der libri Teutonici, als postulierbares Quellenmaterial aus.“ (Nov. 2007) |
Somit kann er vor allem für seine naiven
Leser diese nicht nur von Roswitha Wisniewski und Ritter-Schaumburg, sondern
auch von einer keineswegs vernachlässigbaren Anzahl fachwissenschaftlicher
Beiträge zurückgewiesene Idee aufrecht halten:
|
| „Das spricht dafür, dass die Thidrekssaga nicht eine Übersetzung eines niederdeutschen Textes ist, sondern am norwegischen Königshof in der Hansestadt Bergen aus niederdeutschen kleineren Formen (Liedern) selbständig entsprechend der entstandenen norwegischen Lebenszyklus-Saga-Tradition komponiert wurde. Zwar werden im niederdeutschen Sprachraum des 13. Jahrhunderts bedeutende Prosawerke wie der Sachsenspiegel und die Sächsische Weltchronik geschaffen, doch gehören diese anderen Literaturgattungen an.“ („Thidrekssaga“, 12.12.07) |
Die unvoreingenommene Sagen- und
Geschichtsforschung hat vielmehr aufgezeigt, dass anhand textstilistischer
Untersuchungen hochmittelalterlicher Historiografien und Chroniken die
Thidrekssaga als Quelle geschichtlicher wie darüber hinaus
zeitkohärenter Berichte nicht negiert werden kann.
zurück
|
| Über die zu Ritter-Schaumburg konforme Darstellbarkeit
einer zeitkohärenten Relevanz und Abhängigkeit der Thidrekssaga
von chronikalischem Erzählungstypus:
i. www.badenhausen.net/harz/svava/MerovingSvava.htm. |
| Buchveröffentlichungen des Verfassers:
viii. Die Nibelungen - Dichtung und Wahrheit
ISBN 3-86582-044-1
|