22.11.2011
Die Nibelungensage
Kern der Wahrheit in der Svava?

von Rolf Badenhausen

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Zur aktuellen Antwortfindung auf brennende Fragen aus der altgermanistischen und kritischen neuen Nibelungenforschung sind diese Bücher erschienen:
Das Exposé zum Buch mit Leseprobe.

 
 
 
EXPOSÉ Leseprobe
Das Exposé zum Buch mit Leseprobe.
Gebundene Ausgabe, 301 Seiten
58 Abbildungen  (Fotos, Karten, 1 Diagramm- u. Tabellenstatistik)
ISBN 3-86582-044-1      Euro 29,00
Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat
www.mv-verlag.de
Sage und Wirlichkeit. Dietrich von Bern und die Nibelungen.

 
 
 
Leseprobe
Leseprobe 'Sage & Wirklichkeit ...'
Kapitalband, 574 Seiten
ISBN 978-3-86582-589-6      Euro 39,00
Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat
www.mv-verlag.de

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»Diese Saga ist eine der größten Sagas, die in deutscher Sprache verfasst wurden...
Hier kann man nun hören die Erzählungen deutscher Männer, wie diese Begebenheiten vor sich gegangen sind, und zwar von etlichen, die in Soest geboren sind, wo diese Ereignisse sich zugetragen haben, und die manchen Tag die Stätten noch unzerstört gesehen haben, wo diese Begebnisse sich ereigneten: wo Hagen fiel oder Irung erschlagen ward, oder den Schlangenturm, in dem König Gunter den Tod fand, und den Garten, der noch Niflungengarten genannt wird. Und es steht alles noch auf dieselbe Weise, wie es damals war, als die Niflungen erschlagen wurden; auch die Tore: das östliche Tor, wo zuerst der Kampf sich erhob, und das westliche Tor, das Hagens Tor genannt wird, das die Niflungen in den Garten brachen; das wird noch alles auf dieselbe Weise benannt, wie es damals geschah. Auch solche Männer haben uns davon gesagt, die in Bremen und Münsterburg geboren sind. Keiner wusste mit Gewissheit vom Andern, doch sagten Alle auf dieselbe Weise davon. Auch entspricht das meist dem, was alte Lieder in deutscher Zunge sagen, welche weise Männer gedichtet haben über die großen Begebenheiten, die sich in diesem Lande zutrugen.«
Þiðreks saga.
Nicht wenige mittelalterliche Überlieferungen berichten über die Nibelungen. Heerscharen von anerkannten und selbsternannten Nibelungenexperten haben sich um den historischen Kern dieser Erzählungen bemüht. Sie mussten jedoch bald feststellen, dass sie mit einer nicht einfachen Entwirrung von „Dichtung über Dichtung“ zu tun hatten.

Gleichwohl scheinen zwei Forscher mit ihren herausragenden Forschungsresultaten zur Entflechtung der Sage beigetragen zu haben: 

Der Münchener Studienprofessor Aloys Schröfl hat zu Beginn der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts mit seinen Veröffentlichungen Und dennoch – die Nibelungenfrage gelöst sowie Der Urdichter des Liedes von der Nibelunge Nôt und die Lösung der Nibelungenfrage (1927) einer überwiegend akademischem Leserschaft dargelegt, dass Teil I der klassischen Fassung (Sigfrids Leben und Tod) und Teil II (Der Nibelunge(n) Nôt – also Grimhilds Rache und Untergang der Nibelungen im „Hunnenland“) nicht ohne Weiteres zu einer historischen Quelle als Gesamtvorlage für das Nibelungenlied passen können. Vielmehr basiert nach Schröfls umfassendem und hierzu vor allem Ottonische Geschichtsschreibung und Machtpolitik berücksichtigendem Indizienkatalog besonders der zweite Teil des Nibelungenliedes auf einer vom Passauer Bischof Piligrim von Aribon initiierten Dichtung für den ungarischen Hof. Unter geschickter Inanspruchnahme bis in die Völkerwanderungszeit zurückreichender Ereignisse soll diese frühe verschollene Version aus der Evolutionsgeschichte des Nibelungenliedes bereits im 10. Jahrhundert – als blattstarker politischer Flyer nach gegenwärtigem Verständnis – insbesondere dazu gedient haben, die Christianisierung durch episkopalen Passauer Machteinfluss auf jenes südosteuropäische Gebiet voranzubringen. 

Der erste Teil des Nibelungenliedes, darin z. B. Sigfrids Taten und seine Beziehungen zu Brunhild und Kriemhild, war allerdings nicht Schröfls Hauptforschungsgebiet. Nach seinen Erkenntnissen muss zwischen archaischem Vorlagenmaterial – darunter offensichtlich niederdeutsche und altnordische Traditionslinien sowie auch eine verschollen postulierte lateinische Nibelungias – und missionarisch gezielt eingebrachten Motivstrukturen in den später weitgehend kopistisch angefertigten Handschriften des Nibelungenliedes unterschieden werden. So begegnen in seiner viel gelobten hochmittelalterlichen Versform-Epik des 13. Jahrhunderts nicht wenige literarkulturelle Details, die auf „aktuelle“ bzw. zeitgeistliche Stoffaneignung, -assimilation und -assemblierung zurückzuführen sind. Zur Hauptvorlage und hauptsächlichen Vermittlungsintention des in verschiedenen Fassungen („Redaktionen“) verfügbaren Nibelungenliedes bezieht sich Schröfl bei der Ergründung von Urheberschaft und Motivation auf die in dessen Klage-Handschrift(en) zwar explizit genannten, jedoch von der vorherrschenden fachwissenschaftlichen Auffassung ohne überzeugende Argumentation als ursprüngliche Vorlagenverfasser ausgeschlossenen Autoren Bischof Pilgrin von Pazzowe und seinem Meister(-Schreiber) Kuonrat

Der 1994 verstorbene Germanist und Naturwissenschaftler Heinz Ritter aus Schaumburg an der Weser (siehe kurzes Autorenprofil) scheint nach dem Urteil nicht weniger Medienrezensenten in den historischen Sagenkern gedrungen zu sein. Nach jahrzehntelangem Studium und sorgfältigen Analysen von Quellenmaterial über den Stoffkreis der Nibelungen gelangte er zu den altnordischen Handschriften der Þiðrikssaga. Deren Darstellungen können allerdings nicht über das historische Wirken des Ostgotenkönigs Theoderich d. Gr. berichten. Sie beziehen sich vielmehr auf biografische Schilderungen über einen gleichnamigen r h e i n f r ä n k i s c h e n   König der Völkerwanderungszeit. 

Zu Überlieferungskomplex der Thidrekssaga zählen zum einen die in der Königlichen Bibliothek zu Stockholm aufbewahrte, üblicherweise mit isländischen Handschriften vervollständigte Membran(e) [perg. fol.4] und zum anderen zwei altschwedische Handschriften der sog. Svava. (So Ritter-Schaumburgs prägnanter Logismus durch begriffliche Übernahme jener quelltextlich häufig zitierten niedersächsisch-mitteldeutschen Region – im Zentrum des Erzählungsraums von Thidrekssaga und altschwedischer Dietrich-Chronik – anstelle einer Verschmelzung von svensk für schwedisch.) Schriftliches Quellenmaterial für diese Textzeugnisse soll, wie Ritter-Schaumburg auch in seinem 1992 erschienenen Buch Sigfrid ohne Tarnkappe betont, nach bestimmten kulturellen Überlieferungsmerkmalen bereits zur Zeit Karl des Großen – der in seinen Großvorhaben auch für umfangreiche Bibliografien gesorgt haben soll – vorgelegen haben. 

Sigfrid ohne Tarnkappe, worin jedoch nicht Grimhilds Rache und den Nibelungenuntergang behandelt wird, liefert beeindruckend schlüssige topografische Zuordnungen der Ereignisse über das Leben und Sterben eines Sigfrids, den Ritter-Schaumburg den vergleichbar größten literarischen Anspruch auf historische Wahrscheinlichkeit eingeräumt hat. 
 

Über die Bewertung der altnordischen Quelltexte

Ritter-Schaumburgs Stoffbehandlung der Thidrekssaga beruht im Grundsatz auf der (nicht durchweg leichten) Beantwortung der Kardinalfrage, ob eine Historia bzw. eine kunstvoll gestaltete hochmittelalterliche Geschichtsüberlieferung unter dem Licht mythologischer Erzählungen seziert werden darf (siehe auch Zitatbeitrag Ritter-Schaumburg über seinen Thidrekssaga-Forschungsgrundsatz mit seiner Position zur Hauptkritik). Wie er insbesondere in seinen Lesungen betont hat, mögen kontextuell eher wenig signifikante bzw. noch eingrenzbare zeitstilistische Einlässe eines mehrköpfig erwiesenen mittelalterlichen Schreibkollegiums der Membrane-Handschrift der frühen wissenschaftlichen Lehrmeinung durchaus leichtfertig nahe gelegt haben, diese mit einer niederdeutschen Vorlage wahrscheinlich zu machende Übertragung als ein grundsätzlich wenig authentisches Sammelbecken von überwiegend zusammenhanglosen Einzellegenden zu begreifen. Doch eben dagegen spricht aus Ritter-Schaumburgs literartypologischen Indizienkatalog der faktische Umstand, dass der altschwedische Chronist seine Didrikskrönika, die Vita seines Dietrich von Bern nicht als „Saga“ betiteln wollte. Ritter-Schaumburg sieht auch insoweit die Membrane – die älteste verfügbare Handschrift der Thidrekssaga – im gemeinsamen inhaltlichen bzw. historiografischen Fahrwasser mit der „hauptrichtungsweisenden Dietrich-Chronik“. 

Gegen Ritter-Schaumburgs Erkenntnisse opponiert allerdings die enzyklopädische Auffassung und somit auch die universitäre Lehrmeinung. Deren einflussreicher Vertreter Heinrich Beck will die Botschaft der Thidrekssaga – entgegen dem Eindruck ihres „naiven Lesers“(!) – vielmehr in den Erkenntisbereich subtiler Darstellungen einordnen. Und er will die fundamentale Position der Germanistik zur vermeintlichen Unantastbarkeit der Überlieferungsform „Sage“ gegenüber Ritter-Schaumburg noch mit solchem Standpunkt verfestigen: „Die germanistische Sagenforschung hat längst erkannt (...), daß Sagentradition keine antiquarische Vermittlung ist, sondern jeweils einer aktuellen Aneignung entspringt.
(Quelle: Zur Thidrekssaga-Diskussion in: Zeitschrift für deutsche Philologie, 112, 1993; S. 441-448.)

Die 1989 von Ritter-Schaumburg vorgelegte Erstübersetzung der altschwedischen Didriks-Chronik oder der Svava ist in ihrer Übertragungsgenauigkeit nicht umstritten. Für die quellenkritische Geschichtswissenschaft liefert er zugleich eine intertextuelle Strukturanalyse zwischen den Handschriften der Membrane und der Svava. In diesem Diskurs (S. 399-455) hinterfragt und entkräftigt Ritter-Schaumburg an nicht wenigen Beispielen die altwissenschaftliche Lehrmeinung der Nordistik und Skandinavistik über die Abhängigkeit der Svava von der Thidrekssaga bzw. deren Membrane. Auch in seinem posthum erschienenen Werk Der Schmied Weland analysiert und verdeutlicht er beispielhaft die unterschiedliche stilistische Veranlagung beider Überlieferungsvarianten, indem er die zur gestalterischen Subjektivität neigenden Tendenzen der altnordisch-isländischen Handschriften gegenüber den altschwedischen Quelltexten aufzeigt (vgl. Zitatauszug zur Handschriftenpriorität aus Der Schmied Weland). 

Im Umfeld der von Ritter-Schaumburg vorgenommenen Historizitätsbetrachtung der Thidrekssaga, hier also unter Berücksichtigung realitätsorientierter zeit- und raumrelevanter Rahmenbedingungen, wurde einer (überwiegend terminologisch verstandenen) Folgerichtigkeit der an ihren „Redaktionen“ entschlüsselten geografischen und ethnischen Zusammenhänge bislang ebenfalls kaum stichhaltig widersprochen. Bereits im Jahr 1959 hatte William J. Pfaff sein Buch über das gleiche Thema vorgestellt: The geographical and ethnic names in the Didriks Saga – A study in Germanic heroic Legend. Allerdings gelang diesem Autor nicht die Aufklärung so wichtiger Ortsbegriffe wie Bern oder Drachenfels in der Thidrekssaga. Der wirkliche geografische Operationsraum dieser wie auch der altschwedischen Überlieferung erstreckt sich dagegen, so Ritter-Schaumburg, vielmehr diagonal von Südschweden und Jütland bis zur Mosel sowie von Belgien bis zum Baltikum mit Teilen von Russland. 

Die Nibelungen Herkunft

Die Svava und die Nibelungen, wie Ritter-Schaumburg in seinem 1981 herausgegebenen Buch Die Nibelungen zogen nordwärts darlegt und schlussfolgert, haben wesentlich

andere Handlungsrahmen und Ortsbezüge als die traditionelle Nibelungenüberlieferung nach dem Nibelungenlied. Herkunftsort und Namensgebung der Nibelungen sollen sich nach den Erkenntnissen des Bestsellerautors auf ein Gewässer in der Voreifel beziehen: Die dieses Gebiet in nordöstliche Richtung durchkreuzende Neffel, unterstellte Namenspatin der Niflungen, entspringt in der Nähe von Zülpich. 
Zülpich: Weihertor (Verfasserfoto). Ritter-Schaumburg und die ihm folgende kritische Forschung lokalisieren den handschriftlich überlieferten Nibelungensitz Verniza, Vernica an den bis in die römische Zeit zurückreichenden Verkehrsknotenpunkt der Heeresstraßen Köln–Trier und Köln–Reims. 
Damit folgt Ritter-Schaumburg der Erkenntnis des Althistorikers Franz Joseph Mone, der aus dem Nibelungenlied vielmehr eine nach Ungarn verlegte Etzelburg schließt. Mones namenkundliche Untersuchungen zur wahrscheinlichsten historischen Ursprungsregion der Nibelungen konzentrieren sich insbesondere auf die Neffel sowie den Bereich um Neuss, das der Frankenhistoriograf Gregor von Tours als Nivisium überliefert hat. Das im Süden von Neuss gelegene Nievenheim wurde im 8. Jahrhundert als pago Nivan-heim niedergeschrieben und könnte somit auch – im Verbund mit anderen im Eifelumfeld möglichen Identifikationen – ein weiteres etymologisches Lokalitätsrelikt darstellen. (F. J. Mone: Untersuchungen zur Geschichte der teutschen Heldensage, 1836.) 

Nach Mone brachte der Philologe Henri Grégoire die nibelungische Ursprungsregion mit dem belgischen Ort Nivelle (Burg und Stadt) in Verbindung, denn in dortigen Chroniken taucht z. B. Nivellung aus der Beinamengebung an die Pippiniden auf; so wie man auch auf jenen Nibelunc in der Namensgebung für einen Pippiniden des 8. Jahrhunderts trifft, den Karl der Große nicht ohne Stolz seinen Oheim genannt haben soll. Trotz eigener offensichtlich zu gewagter Thesen (Burgunderverortung) bestätigt Grégoire grundsätzlich die historiografischen Entdeckungen über den Nibelungenursprung von Emil Rückert aus dem Jahr 1836. (Titel seiner Veröffentlichung: Oberon von Mons und die Pipine von Nivella – Untersuchungen über den Ursprung der Nibelungensage.)

Dagegen übernimmt Ritter-Schaumburg die bereits von Mone fokussierten Ortsnamen im Raum Zülpich – Neuss zur Lokalisierung des ursprünglichen Nibelungensitzes. Hier begegnet eine hervorstechende Zahl von Orten, deren Namen anhand der Originaltextaussagen jener altnordischen Überlieferungen nachdenklich stimmen. So beispielsweise Juntersdorf, das frühere Guntirsdorp. Der Vater von Gunters Halbbruder Hagen wird handschriftlich als Elff (Albe) bezeichnet – hierbei drängt sich das nur wenige Kilometer entfernte Elvenich auf, das früher als Albinacum und Albihenae bezeugt wurde. Der Autor H. van der Broeck rechnet in seiner Veröffentlichung 2000 Jahre Zülpich (Kölnische Verlagsdruckerei 1968) diesen Ort einer keltischen Kultstätte zu, zumal die für diese Region typischen (n)ich-Endungen auf römisch-keltischen Spracheinfluss hinweisen. Und schließlich findet man hier auch die Orte Vernich, Virnich (zu Schwerfen) und Virmenich, jetzt Firmenich, die an Quelltextbezeichnungen wie Vernica, Verniza oder Vermintza für den Nibelungensitz erinnern. 

Überdies findet Ritter-Schaumburg ein weiteres und hierzu offenbar evident zusammenhängendes Indiz für den Zülpicher Raum als Herkunftsregion der historischen Nibelungen, nämlich die quelltextliche Anmerkung, dass gerade (noch) hellster Vollmond ist, als das Volk den Rheinübergang auf seinem schicksalhaften Zug zu Grimhild bei König Atala im Hünenland (nicht Hunnenland!) erreicht hat: Weil nach den Erkenntnissen unserer Geschichtsforschung in der Spätantike wie auch noch im Mittelalter der Beginn wichtiger Unternehmungen üblicherweise auf Vollmond gelegt wurde, konnten die von der kritischen Sagenforschung spezifizierten Nibelungen mit blanken Brünnen unter ihren Röcken augenscheinlich nicht mehr als eine solche Distanz bis zum Rheinfährenort zurückgelegt haben! 

Die nach Ritter-Schaumburgs Zeit- und Ortsstellung zu den fränkischen Völkern zählenden Nibelungen treten um die Wende des ersten halben Jahrtausendes auf, wo beispielsweise Gregor von Tours „Sigibert den Alten“ als Ripuarierkönig zu Köln erwähnt und wie dieser schließlich zur Machterweiterung des merowingischen Frankenkönigs Chlodwig beseitigt wird. 

Nach der Frühgeschichte der Pippiniden könnten auch stemmalogische Indizien aus der Karolinger-Dynastie eine Rolle spielen: 
 
1. 
 
 

 

Die später auftretenden Pippiniden verfügen in der Tat über bemerkenswerte Besitztümer im Zülpicher Raum: Beispielsweise wurde eine ehemalige Kirche zu Juntersdorf (Guntirsdorp) einer Gertrud von Nivelles als Patronin der Pippiniden gewidmet. 
2. Hagens Sohn Aldrian, nach der Svava und Membrane der einzige bekannte lang lebende Nachfahre der bei König Atala untergegangenen Nibelungen, wird als Nachfolger von deren Reich erwähnt. Er könnte also als Vorfahre der Pippiniden bzw. Karl des Großen in Erwägung gezogen werden. 
3. Der Verlauf der Westgrenze des Nibelungenreiches wird nicht überliefert. Nichtsdestoweniger wäre Sigfrid, Aldrians erschlagener Onkel, als Erbe von mütterlicherseitigem Familienbesitz auf linksrheinischem Gebiet zu berücksichtigen. 
   
Ausblick von der Neffel in Juntersdorf.
Virnich.
Bildquelle Fotos
: Verfasser.
Burg Irnich bei Virnich.
Burg Virmenich.

Die Svava und Membrane zitieren den Aufbruch der Nibelungen zu ihrem letzten Ausmarsch in diesem Wortlaut:

... So ritten sie zum Rhein, dort wo Duna und Rhein zusammen kommen... (Sv 307) 
(Die Membrane schreibt: ... Die Niflungen fuhren nun all ihre Straße, bis dass sie an den Rhein kamen, da wo die Duna und der Rhein zusammen kommen ...)
.
Unter Duna soll nun keineswegs die Donau verstanden werden (die ohnehin nicht in den Rhein fließt) sondern die Dhünn, die bis 1830/1840 als Dune bei Leverkusen in den Rhein mündete und auch als Duone 1117 urkundlich genannt wird. Ihr heute nur wenig weiter stromabwärts zu findender Mündungsbereich wurde von H. Ritter-Schaumburg als seinerzeit strategisch wichtiger Übergangspunkt belegt. 

Die zu revidierende altgeschichtliche Betrachtung der Nibelungen teilen im Großen und Ganzen auch der Schriftsteller und Dokumentarfilmer Walter Böckmann mit Der Nibelungen Tod in Soest – Neue Erkenntnisse zur historischen Wahrheit sowie der Historiker Ernst F. Jung mit seiner analytischen Nachbetrachtung von Ritter-Schaumburgs Thesen und Beisteuerung weiterer interessanter Forschungsimpulse – so auch über die topologische Neuerkundung der Edda-/Gudrunlieder (!) – in der Publikation Der Nibelungen Zug durchs Bergische Land. Bereits 1961 fand die Literaturwissenschaftlerin Roswitha Wisniewski auch von neuerer Forschung nicht widerlegte Anhaltspunkte, dass in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine Chronik über König Dietrich von Bern aus dem westfälischen Kloster Wedinghausen bei Arnsberg (,,Wadhincúsan“) nach Skandinavien/Norwegen gebracht, dort im Wesentlichen übersetzt und zur Thidrekssaga verarbeitet wurde, wie die Autorin in ihrer Habilitationsschrift Die Darstellung des Niflungenuntergangs in der Thidrekssaga dies näher ausführt. (Siehe hierzu den Verfasserbeitrag Wadhincúsan, monasterium Ludewici.) 
 

Soest von Merian.


Die Svava über Sigfrid und die Nibelungen - Niflungen

Eine kurze Zusammenfassung 

Unter der geografischen „Svava“ ist, wie aus zeitgenössischen Chroniken und kartografischen Überlieferungen hervorgeht, das den nordöstlichen Harz mit einschließende Gebiet zu verstehen.
 
Sigfrids Vater Sigmund ist König von Tarlunga, einem Gebiet, in dessen ungefährer Mitte sich heute Wolfsburg befindet. 

Sigmund heiratet Sissibe, Tochter von König Nidung vom Haspengau, dem heutigen Hesbaye zwischen Namur und Maastricht. Der Tarlunga-Herrscher erhält als Mitgift das halbe Reich von Nidung. Sissibe wird nur kurze Zeit später Opfer einer Machtintrige der Grafen Hartwin und Herwin, die der in den Krieg ziehende Sigmund als seine Stellvertreter ernannt hat. Hartwin will sich Tarlunga mit Sissibe einverleiben, die sich jedoch beharrlich weigert. Die Grafen täuschen ihrem zurückkehrenden König die Untreue seiner Gemahlin vor und setzen, nachdem er in tiefer Betroffenheit seine Zustimmung gab, Sissibe an einem Fluss im Harzwald aus, wo sie Sigfrid1 zur Welt bringt. Hartwin will dort Sissibe durch Herausschneiden ihrer Zunge für immer zum Schweigen bringen. Herwin kann dies zwar durch die Enthauptung seines Komplizen vereiteln, doch während ihres Kampfes wurde das in einem Glasgefäß gebettete Kind von Hartwins Fuß in den Fluss gestoßen und fortgespült. Sissibe, durch die Vorereignisse bereits mental und körperlich geschwächt, erleidet hierdurch einen Schock und stirbt. 

Die auf Motiven der fränkischen Genoveva-Legende, jener biblischen Überlieferung der Geburt Moses und der Sage von Romulus und Remus aufgebaute Erzählung fährt fort, dass das Kind von einer Hirschkuh gefunden und über ein Jahr gesäugt worden sei, wodurch es die Größe und Stärke eines vierjährigen Kindes gewonnen haben soll. 

Der kinderlose Schmied Mime2 zieht Sigfrid auf. 

Das aufbrausende Wesen des jungen Sigfrid scheint auch auf Frustration durch den „goldenen Käfig“ zu beruhen, den sein Adoptivvater für ihn geschaffen hat. Schließlich reagiert sich sein Zögling in der Schmiede durch Zusammenschlagen von Mimes Vorarbeiter Ekki ab. Der enttäuschte Schmied muss aber auch erkennen, dass aus seinem auffallend kräftigen Ziehsohn wohl niemals ein guter Schmied werden wird. Außerdem scheint Mimes Nachbarin Königin Brünhild (handschriftlich auch Brynilla) Sigfrids Aufmerksamkeit zu erregen. Mime muss letztlich einsehen, dass er Sigfrid nicht länger halten kann, will ihn aber lieber tot als verloren sehen. Der verschlagene Schmied schickt ihn deswegen zum Köhlern in die Gegend von Regen3, der sowohl sein Bruder als auch ein Menschen tötender Lindwurm sein soll. 

Sigfrid trifft Regen im Wald und tötet ihn. [Er gibt (damit) an, dass ihm Regens blutiger Drachensud4 nicht nur eine unverwundbare Hornhaut machen, sondern auch seinen Sinn für das Verstehen der Vogelsprache schärfen konnte.]

Sigfrid bringt das sonderbare Haupt von Regen zu Mime und befiehlt ihm, es abzunagen. Mime fürchtet sehr um die Rache Sigfrids. Er schenkt ihm deswegen seine für einen König geschmiedete prächtige Rüstung, sein bestes Schwert Gram, und verspricht ihm noch den Hengst Grane aus dem Gestüt der Königin und Jungfrau Brünhild.

Sigfrid lässt sich von Mime die Rüstung anlegen und das Schwert überreichen, mit dem er gleich darauf seinen Pflegevater erschlägt. 

Danach dringt er in Brünhilds Schloss ein, um sich den Hengst zu holen.5 Nachdem er sieben ihrer Torwächter tötete und sich sodann mit ihren Rittern und Knappen herum rauft, gebietet die vom Eindringling dennoch beeindruckte Schlossherrin Einhalt. Sie lässt nach dem Hengst schicken und erklärt Sigfrid seine wahre Herkunft. 

Sigfrid zieht mit Grane nach Bertanga (Bardengau), dem heutigen westlichen Elbegebiet zwischen Hamburg und Wittingen, um dort König Isung zu dienen. Dieser erlaubt Sigfrid, sein eigenes Schildbanner zu tragen, das einen Drachen (halb in rot und halb in braun) auf rotem Grund führt. 

Dietrich, König von Bern,6 hört von Sigfrids Kampfkraft und Heldentaten und ist fest entschlossen, sich mit ihm zu messen. Zu „Didriks“ zwölf Gefolgsmännern nach Bertanga zählen auch Gunter (in den Handschriften Gunnar), König der Nyfflinge/Niflungen und sein Bruder Gernholt, beide leibliche Söhne von König Aldrian, sowie deren Halbbruder Hagen (altnord. Hogni)7. König Dietrich folgt auch Heim der Großmütige bzw. der Grimmige. Das blaue Schild dieses Verwandten von Brünhild zeigt einen Hengst. Unter Dietrichs Kämpfern befinden sich auch Hornboge-Jarl und sein Sohn Amlung. Mit ihnen wähnt sich Sigfrid in verwandtschaftlichem Verhältnis. Wideke, Sohn von Weiland bzw. Weland, besitzt das legendäre (weil seinerzeit härteste) Schwert Mimung. Sigfrids ungestümes Temperament hatte den ebenfalls bei Mime lernenden Weland, Schmied des Mimung, in die Flucht getrieben.

Dietrich kampiert in Sichtweite vor Isungs Schloss8. Als schlichter Reiter verkleidet kundschaftet Sigfrid die Ankömmlinge aus und fordert für seinen König eine angemessene Schatzung. Er erhält nach Auslosung durch Würfeln Ross und Schild von Amlung. Dieser reitet jedoch kurze Zeit später mit Widekes Schimmel dem kecken heimischen Kundschafter nach, um sich sein Pferd um jeden Preis zurück zu holen. Amlung wird aber von Sigfrid besiegt als sich beide im Wald begegnen. Weil Sigfrid Amlungs Vater als guten Verwandten in Erinnerung hat, gibt er sich zu erkennen und das Pferd zurück. Auch Wideke hatte Sigfrid erkannt. Beide verraten ihn aber nicht an den rheinfränkischen König. 

König Isung stimmt einem Turnierkampf mit seinen elf Söhnen und Sigfrid zu. An den beiden ersten Wettkampftagen kann König Dietrich mit seinem Schwert Ekkisax seinen Gegner Sigfrid nicht besiegen. Deswegen verlangt er von Wideke den Mimung. Dem Gebrauch dieses Schwertes schwört der König vor Sigfrid zu Beginn des darauffolgenden Tages zwar ab, benutzt es aber dennoch. 

Nachdem er Sigfrid fünf Wunden mit Mimung beigebracht hat, erkennt der Angeschlagene die arglistige Täuschung und gibt auf. Des Eidbruchs von Dietrich zum Trotz tritt Sigfrid auf freien Wunsch dennoch in den Dienst des rheinfränkischen Herrschers. 

Sigfrid heiratet auf Fürsprache von König Dietrich Grimhild (handschriftlich auch Crimilla) und erhält, wie von ihm versprochen, das halbe Niflungenreich.9

Der Jungvermählte bietet sich als Brautwerber für eine Verbindung zwischen König Gunter und Brünhild an. Diese Vermittlung ist insoweit eine delikate Angelegenheit, als Sigfrid bereits vor seiner Heirat Brünhild die Treue schwur und sie ihn nun wissen lässt, was sein Bruch des Liebesschwurs für sie bedeutet! 

Die königliche Heirat von Gunter und Jungfrau Brünhild kommt zustande. Allerdings verweigert sie sich in allen Nächten stets erfolgreich. Sigfrid vertraut hierüber seinem Rat und Hilfe suchenden Schwager an, dass Brünhilds körperliche Überlegenheit sicher nach ihrer ersten Berührung gebrochen wäre. 

Wie auch das Nibelungenlied nacherzählt, überlässt hierzu Gunter in enger familiärer Verbundenheit mit seinem Schwager eben diesem das Weitere. Allerdings wird Brünhild sich Sigfrid keineswegs verweigern! 

Später entdeckt Grimhild Sigfrids Trophäe von dieser Liebesnacht: Brünhilds Ring. Der hierdurch hervorgerufene Streit und abgrundtiefe Hass zwischen beiden Frauen findet in Sigfrids Erschlagung durch Hagens Speer jenes vorläufige tragische Ende, an dem Grimhild noch ihre verheerende Rache anknüpfen wird.

Sie heiratet den aus Friesland stammenden Sachsenkönig Atala, auch Aktilius bzw. Atilius nach der Svava, und lockt nach sieben Jahren ihre Brüder zur Burgresidenz ihres Gemahls. Diese ist das westfälische Susa, damaliges Zentrum des „Hünenlands“ (Hunaland bzw. auch Hymaland in den Quelltexten). 

Gunter will trotz ernster Bedenken von Hagen und der Königinmutter die Gelegenheit nutzen, das Reich seines angeblich schwachen Schwagers zu übernehmen. Schließlich ziehen die Nibelungen wohlbewaffnet mit einer Tausendschaft aus. Sie gelangen auf ihrer Marschroute an eine Stelle, wo Duna und Rhein zusammenkommen. Dort, an einem nahe gelegenen Rheingewässer, trifft Hagen zwei Wahrsagerinnen. Er erschlägt diese nach einem trivialen Streit über ihre düstere Weissagung über das Schicksal der Nibelungen, wie auch kurz darauf den Fährmann bei der Rheinüberquerung an der Dunamündung. Von dort ziehen die Nibelungen in einem halben Tagesritt zunächst nach Bakalar dem Sitz von Markgraf Rodinger (im Bergisch Gladbacher Raum), und dann weiter der Duna folgend an Thorta (Dortmund) vorbei nach Susa(t): dem westfälischen Soest. Dort werden sie in harten Kämpfen gegen das Volk des Gastgebers ihr Ende finden. 

Beim Gastmahl gewinnt Grimhild ihren gemeinsamen jungen Sohn Aldrian für eine Mutprobe mit Hagen, an dem er einen kräftigen Kinnschlag probiert. Der gereizte Nibelunge versteht diesen Spaß jedoch überhaupt nicht und enthauptet wutentbrannt sowohl den Jungen als auch seinen Erzieher. Hierauf folgt unmittelbar Atalas Aufruf, alle Niflungen zu erschlagen. 

Gunter muss sich bereits am ersten Kampftag den Männern von Herzog Osid, einem Neffen von Atala, ergeben und wird in den Schlangenturm10 geworfen, worin er wenig später stirbt. Grimhild tötet ihren bereits sterbenden Bruder Gislher, indem sie einen brennenden Scheit in seine Kehle stößt. So hat sie zuvor auch mit ihrem Bruder Gernholt verfahren, obwohl dieser von Didriks Gefolgsmann Hildebrand (Hillebrand) längst getötet worden war. 

Nachdem etwa 4000 Kämpfer aus dem Hunaland gefallen sind, wird Grimhild auf Atalas Bitten durch Dietrich erschlagen. Ihm hatte sich der bereits wegen schwerer Verwundungen zum Sterben bestimmte Hagen ergeben, der aber unter Dietrichs Fürsorge noch in der Nacht vor seinem Tod einen Sohn mit seiner Pflegerin zeugt. Hagen übergibt den Schlüssel zu Sigfrids Schatzkammer der zukünftigen Mutter des vorhergesagten und schließlich Aldrian genannten Kindes. 

Noch in jungem Alter, mit etwa zwölf Jahren, lockt Hagens Sohn seinen nicht mehr jungen Ziehvater König Atala zu diesem Hort und schließt ihn darin für immer ein. Dann meldet Aldrian Brünhild seine Rache der Niflungen, wird von ihr großzügig belohnt und wenig später ein guter König.

Der geheim gehaltene Niflungen- bzw. Nibelungenhort11 soll seitdem nie mehr betreten worden sein. Allerdings wird er sich in einer weniger großen Entfernung von Atalas Sitz befunden haben müssen.12
 

 

Anmerkungen – Fragen & Erkenntnisse
Nordharz-Karte von 1968

1  Sigfrid

Auf älteren Karten vom Nordharz findet man noch die Wüstung Siewershausen (siehe X- Markierung auf der oben angegebenen Karte), die laut alten Archivkarten ursprünglich Sigefrideshuson hieß – der offenbar historische Geburts-, Fund- oder Gedenkort von Sigfrid? 
 
Wüstung Siewershausen mit Blick nach SO.
Bildquelle beider Fotos: Verfasser.
Minsleben – „Mynnersleben“ an der Holtemme,
mit Blick nach S. auf das „Nordgebirge“.

Sigfrids Körpergröße

Mime hat gerade eine königliche Rüstung fertig geschmiedet, legt diese Sigfrid an – und sie passt! Immerhin steht ihm diese offenbar so gut, dass er sie für seinen Marsch zu Brunhilds Residenz gleich anbehält, wo er – im unterstellten Knabenalter – wohl kaum sieben Torwächter erschlagen und sich noch mit Rittern und Knappen der Königin anlegen konnte. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sowohl der königliche Auftraggeber als auch Sigfrid nun ausgerechnet die gleiche Größe eines ausgesprochenen Riesen besitzen? Dagegen spricht die enorm beeindruckende Größenbeschreibung von Sigfrid, die Meister Brand in der offenbar feuchtfröhlichen Runde von König Didriks Mannen abgibt, „Gastmahl“ (Sv 177, 178). Dürften diese Angaben auf jugendlicher Protzerei sich weit überschätzender Prahlhänse beruhen? Tatsächlich fahren diese Kampfgesellen nach beschlossenem Kräftemessen bei König Isung mit einem blamablen Mann-Gegen-Mann-Ergebnis nach Hause: Von zwölf Kämpfen konnten sie nur drei Siege für sich entscheiden, die übrigens weder von Hagen noch von Gunter mit errungen wurden – Didriks Kampf gegen Sigfrid wegen arglistiger Täuschung durch Eidbruch nicht mit gerechnet. 
 

2  Mime

Mime war sicherlich nicht irgendein Schmied, der es nötig hatte, gewöhnliche Arbeiten für die Dorfbevölkerung oder seinen Lehnsherrn zu verrichten. Vielmehr ersuchten Könige aus fernen Ländern ihn um Sonderanfertigungen allerfeinster Blechkleider – den Genius des Hartmetalls, Meister aller Haute Couturiers der männlichen Spätantike und Völkerwanderungszeit. 

Der kinderlose Mime schirmt seinen Adoptivsohn offenbar gut ab, auch lässt er ihn zunächst nicht unter seinen Schmieden mitarbeiten. Nichtsdestoweniger scheint der jugendliche Sigfrid Mimes hinterfragwürdige Zuneigung wohl mit frustriertem Herumlungern danken, und er steckt dabei gelegentlich seine Nase in die Schmiedewerkstatt seines Pflegevaters, um dort seine Gesellen mächtig zu enervieren und zu verprügeln. Erst als der stark Pubertierende kaum mehr zu bändigen ist, will ihm Mime das Arbeiten in seiner Schmiede lehren! 

Nach frühen urkundlichen Bezeugungen ist der nur wenige Kilometer von Siewershausen entfernte Ort Minsleben nicht nur eine der ältesten Siedlungen dieser Region, sondern auch eng mit frühzeitlicher Schmiedetätigkeit verbunden. Buchautor Ritter-Schaumburg war Zeuge von Ausgrabungen und Analysen von früh datierbaren Eisenschlackeresten aus diesem Ort. Zu dessen Namensgebung sind sowohl die später hinzugefügten thüringischen Endungen -leva, -leven anzumerken als auch der handschriftliche Name von Mime, Mymmer oder Mynner

Mime wird im altnordischen Überlieferungskomplex der Edda als Regin bezeichnet. Er soll demnach als Schmied für einen Herrscher namens Hjalprek gearbeitet haben, dessen namentliche Übertragung und raumzeitgeschichtliches Umfeld am ehesten auf den salischen Frankenkönig Childerich I hindeutet. Hjalprek beauftragt Regin, so nach dieser ältesten altnordischen Überlieferung, als Pflegevater für Sigurd (= Sigfrid) zu sorgen. Daraus ließe sich folgern, dass sich Regins Schmiede auf salfränkischem und insoweit bis in den Eifelraum reichendem Gebiet befunden hat. (Das dem 10. Jahrhundert zugeschriebene Reimepos Waltharius bezeichnet die Nibelungenbrüder Gunther und Hagen als Franken, während der Urheber des Nibelungenliedes aus ihnen Burgunden macht.)

Mit einer von Ritter-Schaumburg abweichenden und vielmehr aus der oberdeutschen Nibelungen-Dichtung interpretierten Verortung von Sigfrids Pflegevater – die insoweit auch einen augenscheinlich signifikanten Erzählungsraum der altnordischen Edda tangiert (!) – befasst sich u. a. eine Deutung von Rudolf Patzwaldt: Liegt das „Rheingold“ in Rheinbach-Loch bei Bonn?  http://www.wingarden.de/wing/germanen/art-nibelungen2.html(Abgerufen 11.5.2011.)

 

3  Regen, das Ungeheuer

Nur etwa elf Kilometer südöstlich von Minsleben erhebt sich der Regenstein als kleines Waldgebirge am nördlichen Fuß vom Harz, dessen Sandsteinfelsen sich steil in die Höhe erheben. 
 

Das bewaldete Feuerland umschließt den Regenstein.
Bildquelle Foto: Verfasser.

Besonders beeindruckend sind die an seinem Fuß befindlichen Höhlen im sogenannten Feuerland, bei denen man auch alte Kultstätten (Thing-Rituale) vermutet.
 
Bildquelle beider 
Fotos: Verfasser.

Nur wenige Kilometer von diesem Nordharzer Sandsteingebirge entfernt befindet sich das überwiegend von Teichgewässern geprägte sumpfige Goldbachtal. Parzellen in diesem Gebiet werden in alten Flurkarten als Drachenkopf und Drachenloch bezeichnet. Noch heute werden diese Bezeichnungen von Forstaufsehern für das nunmehr in privater Hand befindliche Areal verwendet. 
 
Ansichten vom ca.1/2 km langen Drachenloch.
Bildquelle beider Fotos: Verfasser.
  Der Verfasser dankt den Grundeigentümern für 
  Aufnahmeerlaubnis und Bildfreigabe.

War Regen ein später solitärer Protozoon oder eher der Graf von Regenstein?

Für die erstgenannte Möglichkeit mag ein idealer Lebensraum vorhanden gewesen sein. Zwar sprechen die altnordischen und altschwedischen Überlieferungen von einem Regen als Bruder von Mime, doch könnte es sich hierbei ebenso gut nur um eine geistige Bruderschaft handeln: Besaß Mime, wie Sigfrid zu spüren bekommen sollte, jene Verschlagenheit und Hinterlist eines Reptils? 

Nun hätte aber auch jener weiter unten zitierte residenzlose Emporkömmling Hartebold, der als erster und wohl (noch) nicht vermögender „Graf von Regenstein“ das Areal um den großen Bergfels seit kurzer Zeit in seinem Besitz hatte, sich zum einfachen wie besonderen Schutz desselben dem wahrlich Furcht einflößenden Umfeld rings um seine Residenz bedienen und – zu seiner wichtigsten Vervollständigung – für alle ungebetenen Gäste „einen Drachen bauen können“. Für eine solche sicher auch zum Ausrauben geeignete Maskerade sprechen vielmehr einige indirekte Anspielungen (vgl. wörtliche Zitate Sv 158), denn in den Handschriften ist auch vom Goldschatz die Rede (Sv 304), den der kecke Sigfrid dem „Drachen“ abgenommen haben soll. Die hauptsächlich aus den Überlieferungen der Edda abgeleitete Völsunga saga will den wahren Sachverhalt über dieses nur scheinbar mythische Wesen klar erkannt haben und zitiert dessen enthüllende Aussage wie folgt: 

»Hattest du nicht gehört, wie alles Volk sich fürchtete vor mir und meinem Schreckenshelm?«

Ein als Drache verkleideter Räuber, wie manche Autoren vermuten, hätte wohl kaum seinen Schlupfwinkel am Fuß oder irgendwo in der Nähe eines feudalherrschaftlichen Sitzes gesucht; und der mit seiner HighTec-Schmiede ein enormes Vermögen anhäufende misstrauische Mime hätte seine Schätze wohl kaum weder einem räuberischen Verwandten noch einem Fremden anvertraut, um sie neugierigen Blicken und allen Versuchungsgedanken seines fragwürdigen Personals weit genug zu entziehen. Wohl aber allenfalls seinem Bruder, den man, wie auch Mime, zur damaligen „VIP-Class“ der dortigen Region zählen durfte: Regen – Graf von Regenstein. 

Tatsächlich scheint die Völsunga saga näher auf die Motive von Mime (hier heißt er wiederum Regin) und dessen Bruder (Fafnir) einzugehen. So erklärt sich dieser gegenüber Sigfrid, der ihn zuvor tödlich verwundet hat: 

»Den Schreckenshelm trug ich zum Schutz gegen alles Volk, seit dem ich auf dem Erbe meines Bruders lag... dass niemand noch mir zu nahen wagte; kein Schwert schreckte mich, und nie fand ich so viele Männer mir gegenüber, dass ich mich nicht weit stärker dünkte, alle aber hatten Angst vor mir... «
 
 

Der Regenstein mit seiner Burgruine am Nordharz, Merian 1654.

Die erste urkundliche Erwähnung von „Regenstein“ soll diese Erzählung begründen:  

 
Im Jahre 479 zog Malvericus (Melverich), der König der Thüringer, mit seinem Heer über den Harz, um die Sachsen zu verdrängen. Beim Ort Vedekenstidde (Veckenstedt/Veckenstädt) wurden die Thüringer jedoch von den Sachsen geschlagen und mussten sich zurückziehen. Nach diesem Streit hielten die Sachsen einen Rat. Sie gaben einem im Kampfe ausgezeichneten Edelmann namens Hartebold aus dem Dorfe Veckenstädt ein Stück des noch wüsten Landes vor dem Harz, damit er sich dort eine Heimatstadt bauen sollte. 
Er suchte sich also eine passende Stelle, kam an einen großen, steinernen Berg und rief aus: »Dieser Stein ist gereghent (richtig), darauf soll meine Wohnung sein!« 
Er baute eine Burg und nannte sich fortan „Graf von Regenstein“.

(Quelle: Sagen um den Regenstein, zusammengestellt und bearbeitet von Hans Bauernfeind, Helga Sorge, Hermann Wehr. Herausgeber: Schloßmuseum Blankenburg.) 
 

Für den betreffenden Zeitraum bestand also eine namentliche Bezugsoption auf Regen. Insoweit hätte übrigens auch ein an diesem Kleingebirge lebendes Reptil leicht nach dem Kurznamen des Gebietseigentümers benannt werden können. 
 

4  Drachentöter und Drachensud

Die Svava relativiert selbst jene schier unglaubliche Unverwundbarkeit von Sigfrids Haut durch Schilderung seiner Verwundungen im Turnierkampf gegen König Dietrich, die ihn – trotz angelegter Rüstung – zur Aufgabe zwingen! 

Wie von Historikern überliefert wurde, soll das fränkische Herrschergeschlecht der Merowinger mit einem der sogenannten „Ichthyosis Hystrix“ ähnelnden Symptom erblich vorbelastet gewesen sein. (Die Erscheinungsformen dieser Hauterkrankung reichen bis zu einer Hautschwartenbildung wie bei Hausschweinen.) 

Mit seiner Fabel vom Drachentöter, durch Blutsud-Anwendung schließlich zum unverwundbaren Supermann glaubhaft gemacht, hätte Sigfrid also in höchst beeindruckender Weise seinem Erklärungsnotstand über seine auffällig dicke Hornhaut, verschiedentlich als „Ichthyose“ zitiert, ein Ende bereiten können! 

Hat die Gleichsetzung von Siegfried dem Drachentöter mit dem Germanenführer Arminius, der ja mindestes eine römische Heeresschlange besiegt hat, tatsächlich einen Anspruch auf archaische Stimmigkeit? Bekanntlich wird diese fach- und insbesondere medienpopuläre Interpretation von Analysten bevorzugt, die wegen kaum überschaubarer Anzahl an abgeleiteten Siegfried-Rezeptionen eine historische Urgestalt nicht erkennen können oder wollen. 

Einen solchen Standpunkt erlaubt allerdings nicht die älteste verfügbare und wiederum altnordische Schicht nibelungischer Tradition:

Eine vor 1020 bekannte sowie literarhistorisch greifbar erste Thematisierung in den Liedern der altnordischen Edda entmythologisiert – provokant gesagt – alle späteren Auffassungen und Verewigungen des Drachenkampfs. (Die daraus sinngemäß übernehmende Völsunga saga enttarnt ebenfalls den „Drachen“ = Fafnir als einen leiblichen Bruder von Sigurds Ziehvater Regin.)  

Zunächst wird überliefert, dass Fafnir seinen Vater Hreidmar aus Habgier bzw. wegen eines Schatzes tötete. Hreidmar hatte für die offenbar versehentliche Erschlagung seines in „tierischer Gestalt“ Fische fangenden Sohnes Otr (im Tauch- und Tarnanzug?) den brüderlich begehrten Schatz von einem Angehörigen aus dem (vergötterten) Geschlecht der Asen als Wiedergutmachung erhalten. Wie Fafnir schließlich dem von Regin angeheuerten Vollstrecker Sigurd gesteht, habe er einen „Schreckenshelm“ getragen (siehe Zitat oben), um mit beeindruckend inszenierten Auftritten ungebetene Schatzsucher fernzuhalten. Die an dieser Vorgeschichte wenig Anteil nehmende Thidrekssaga überliefert beide Gestalten mit anderen Namensbezeichnungen und tradiert im offenbar vermittlerischen Interesse oberdeutscher Stoffauffassung jedoch nicht in einer analog verständlichen Version die Enttarnung des „Drachen“. 
Unter dem Eintrag „Drache“ findet man im Großen Duden Lexikon, Ausgabe 1969, Folgendes:

... der Sieg über den Drachen bedeutet Sieg über Chaos, Finsternis oder über eine alte Ordnung ...

Der Drache verkörpert also Schlechtes – ohne notwendigerweise leibhaftig auftreten zu müssen! 
 

Der „Lindwurm“ auf dem Drachenfels am Rhein.
Diese Skulptur ist übrigens eine detaillierte Nachkonstruktion anhand realer Skelettfragmente, die im Senckenberg Museum Frankfurt und im Berliner Zoo aufbewahrt werden! 
Bildquelle: Verfasser.
 

5  Brünhilds Burg

Weil sich Sigfrid in schwerer Montur (Rüstung), aber ohne Pferd direkt von Mimes Schmiede zu Brünhilds Sitz Seegard begibt, muss sich diese in noch zu Fuß erreichbarer Umgebung befinden. Die Wahl beschränkt sich also auf die Heimburg oder Burg Ilsenstein, letztere auf einem Berg nahe am Brocken mit herrlicher Aussichtslage – das Nibelungenlied nennt übrigens Burg Isenstein als Brünhilds Sitz. 

In jenen altnordischen Überlieferungen wird diese am Nordgebirge beschrieben, sowie nahe bei einem Brünhild gehörenden Gestüt in einem Wald ganz nah dabei, dessen Pferde wegen ihrer außergewöhnlichen Eigenschaften viel gerühmt wurden.

Königin Brünhild war zu jener Zeit Vollwaise. Ihr Oheim oder vielmehr Schwager war nach der Völsunga saga der Pferdezüchter Heimir („Studder“; vgl. Heim in Sv 14). Die quelltextliche Lage seiner Heimburg, die später unter anderem mit Heinrich IV. und Heinrich dem Löwen geschichtlich verbunden werden sollte, kann durch einen einige Kilometer nördlich von ihr gelegenen großen unterirdischen See bestätigt werden, wie dem Verfasser dieses Beitrags von den Besitzern der sog. Drachenloch Parzelle über dort angestellte geophysikalische Untersuchungen mitgeteilt worden war. 

Gleichwohl dürfte nach W. Böckmann – und damit im Gegensatz zu Ritter-Schaumburgs Überzeugung – die wegen ihrer bemerkenswerten Stärke bekannte Königin wohl kaum Grund gehabt haben, I(l)senstein nach dem Tod ihrer Eltern aufzugeben und sich in die Hände ihres auf der tiefer gelegenen Heimburg sitzenden übellaunigen Verwandten zu begeben (Sv 14). Zwar könnte, so die kritische Nachbetrachtung, diese fürstliche Burg zu den damaligen Besitztümern der Königin gehört haben, doch die weitaus repräsentativere Lage, nicht zuletzt über einen ca. 1,8 km langen Burgaufgang, sollte an jenem „Isenstein“ mit seinen noch erhalten gebliebenen Burgfelsen zu finden sein. 
 
Der Konus der Heimburg (Bildmitte) in strategisch wichtiger Lage.
Das Harzgebirge hinter der Heimburg.

   Bildquelle Fotos: Verfasser.
Pferdekapitell Krypta Drübeck.
Die Heimburg von Merian, 1654. Grundriss

Die traditionsreiche aber dennoch eigenartige Pferdezucht ... in Hainen und lichten Wäldern, so Tacitus in seiner Germania (Kap. 27) belegt auch das Pferdekapitell der Krypta in der Klosterkirche Drübeck, die in jenem nur etwa 3,5 km vom Ilsenstein gelegenen Nachbarort gegründet worden war. Von diesem ist die Heimburg übrigens viermal weiter entfernt. 
 

6  Didrik: Dietrich von Bern

Nach Ritter-Schaumburg wird Didrik um 470 geboren und im Alter von ca. 20 Jahren als König von „Bern“ ausgerufen. Nach einer massiven Drohung seines Onkels Ermenrik, „Imperator von Rom“ – als Roma secunda war bereits vor dieser Zeit das einstige römische Kräftezentrum Trier an der Mosel überliefert worden –, geht er als Mitzwanziger mit seinen treuen Kampfgefährten in ein zwei bis drei Jahrzehnte langes Exil zu König Atala. Dadurch nutzt der enthobene Frankenkönig die Gelegenheit, ihn bei dessen Ostkriegen mit Rat und Tat maßgeblich zu unterstützen. Der sächsische Herrscher hilft ihm später bei seinem Eroberungsversuch gegen dessen Widersacher Ermenrik. Doch nach der Gransport-Schlacht an der Moselmündung verzichtet Didrik wegen dort erlittener hoher persönlicher Verluste – hier sterben ein Blutsverwandter und zwei mit ihm gut befreundete Söhne von König Atala – scheinbar freiwillig auf den Herrschertitel von Trier.

Orte der Thidrekssaga
  Orte der Thidrekssaga (Ritter-Schaumburg).

Nach der vernichtenden Niederlage der Niflungen verlässt Dietrich ihren Schlachtort Soest, zieht zunächst in sein angestammtes Berner Reich, formiert hier sein neues Heer und trifft schließlich bei Graach an der Mosel auf die Truppen von Ermenriks Nachfolger Sevekin, den er leicht schlagen kann. (Siehe hierzu auch den Verfasserbeitrag Die Mosel im Licht von Thidrekssaga und Dietrich-Chronik.) Wie die altnordischen und altschwedischen Scriptoren weiter berichten, zog er unmittelbar danach in „Rom“ ein, wurde dort gekrönt wurde und regierte später ein noch größeres Reich. Didrik stirbt um das Jahr 535, so in der Zeitstellung nach Ritter-Schaumburg. 
 

7  Hagen

Hagens Vater kann den Garten der sicher bestens bewachten Königsburg für ein Schäferstündchen unbehelligt aufsuchen! Er dürfte also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit am Hof bekannt sein und dort ein und aus gehen. Sein selbstsicheres und verheißungsvolles Auftreten (Svava: Sv 161) passt zu einem Druiden: Das Wirken eines keltischen Priesters am Heimatsitz der Niflungen lässt sich aus typischen Ortsnamenrelikten in dem weiter oben lokalisierten Voreifelbereich unterstellen. Hagens Herkunft – die offensichtlich ererbte Apposition seines Namens – bezeichnen die Handschriften gelegentlich mit „von Tröya“ (Sv 340) oder auch „von Troja“ (Membrane: Kap. 395). Wohl aber erscheint erheblich plausibler, dass Hagens Vorfahren nicht aus der urbanen Xantener Traiana oder gar dem griechischen Troja auswanderten, sondern der väterlich übernommene Beiname eher auf Troyes der Champagne-Ardenne hindeuten darf. Gemäß seiner altrömischen Bezeichnung Augustobona Tricassium war dieser Ort das überregional herausragende keltische Zentrum der Trikassen. 
 

8  König Isungs Land

... Sie ritten durch große Wälder und Heiden ...

Die urtextliche Beschreibung des Landes von König Isung trifft mit bemerkenswerter Genauigkeit auf die Lüneburger Heide zu:  Das königliche Schloss vermutet Ritter-Schaumburg auf dem Kalkberg in Lüneburg. 

Der Kalkberg zu Lüneburg von Merian.

Übrigens sagt Sigfrid zu seinem König (Sv 185) – ohne dass eine entsprechende Vergleichsmöglichkeit eröffnet worden war –, dass auf dem Schild eines Ankömmlings „ a u c h  ein Löwe aus Gold mit Krone steht.“ König Isung führt also ein identisches Wappen, wie es bis in die Gegenwart von solchen Dynastien verwendet wird, die jenes Gebiet zwischen Braunschweig und Lüneburg beherrschten. 
 

9  Sigfrid und Grimhild (und König Atala)

Über irgendeine gegenseitige Zuneigung für eine Liebesheirat zwischen Sigfrid und Grimhild wird nicht berichtet! Grimhild wird quelltextlich oft Crimilla genannt, sonst bekanntlich: Krimhild, Kriemhild, Krimhilde, Kriemhilde ... (In den Heldenliedern der Edda erscheint sie als Gudrun.) 

Zum Zeitpunkt ihrer Heirat des Hunaland-Königs Atala wird sie Anfang 40 gewesen sein und mit ihm – unter der Voraussetzung verhältnismäßig günstig verlaufender Lebensumstände und einer entsprechenden genetischen Veranlagung – gerade noch einen Sohn gezeugt haben können. Hier sollte jedoch auch hinterfragt werden, ob sie mit König Atala tatsächlich den scheinbar einzigen leiblichen Thronfolger für die offenbar geplante Provokation zur Niederschlagung der Niflungen-Gäste opfern wollte. Sollte es sich hierbei nicht um einen fiktiven literarischen Einschub handeln, so könnte dem oder den überliefernden Zeitzeugen ein Abkömmling von einer Konkubine Atalas als Grimhilds Sohn vor Augen geführt worden sein. 

Interessant klingt auch ein Passus in einem Lied der Helden-Edda, wonach König Atli deswegen eine geschwätzige Hofmagd bestrafen ließ, weil sie von einem gemeinsam geteilten Nachtlager von Gudrun mit dem in der Residenz ihres Gemahls weilenden Thiodrek gewusst haben wollte. 

Dagegen steht für den quelltextlich zitierten Niflungen-Stammbaum zweifelsfrei fest, dass der früh verstorbene Niflungen-Vater Aldrian nicht mehr Grimhilds jüngsten „Bruder“ Gislher gezeugt haben konnte und Königin Oda mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht seine Mutter gewesen war, wie Ritter-Schaumburg zurecht angemerkt hat. 
 

10  Schlangenturm

Die mittelalterliche Existenz eines Soester Turmes mit diesem Namen ist historisch belegbar. 
 

11  Nibelungenhort – Sigfrids Nibelungenschatz

Setzte man tatsächlich seine Existenz in Auslegung der altnordischen und altschwedischen Quelltexte voraus, dann müssten zum übertragbaren Kontext mindestens die folgenden Voraussetzungen erfüllt sein: 
  

1. Die Entfernung des Schatzhortes vom Ausgangspunkt, der Soester Residenz, müssen zu Pferd ein etwa zwölfjähriger Junge und ein alternder oder leicht altersschwacher König ohne weitere Begleitung und ohne große Mühe bewältigen können. 
2. Lage und Zugang der Kammer dürfen im Gelände wegen ihrer guten Tarnung nicht so leicht zu erkennen sein. 
3. Die Kammer muss die verschütteten Überreste eines entsprechend lange Verstorbenen enthalten. 
4. Die Lage des Verstorbenen darf nicht auf eine Bestattung schließen lassen. 
5. Der Verstorbene darf kein jüngerer Mann mehr gewesen sein und muss auf jenen Zeitbereich datiert werden können. 
6.  Die beim Verstorbenen noch zu findenden persönlichen Gegenstände, eventuell auch Schmuck, müssen zu einem auf geheimem wie friedlichem Ausritt befundenen Herrscher des 6. Jahrhunderts passen. 


Eine solche Höhle wurde bereits im Jahr 1926 zu Kallenhardt bei Warstein wissenschaftlich erschlossen: 

In der schlauchförmigen Kammer dieses sogenannten Hohlen Steins lag ein unbestatteter Toter in einer ungestörten Schicht; aber so, dass eine Bestattung an dieser Stelle ausgeschlossen war. Sein Alter wurde auf etwa 50 Jahre datiert. Die bei seinem Skelett gefundenen Schmuckstücke (Runenfibel, Armreif, Fingerring, Knöpfe) lassen nach den seinerzeit von Prof. Stieren und Dr. Julius Andree geleiteten Ausgrabungen sowohl auf die vornehme Herkunft des Toten als auch auf die geforderte Epoche schließen. Bei einer erneuten Grabung im Jahr 1933 kamen am Westeingang der Höhle noch die Reste einer Falschmünzerwerkstatt aus dem Dreißigjährigen Krieg zum Vorschein. Der Fingerring des Toten zählt übrigens zum Bestand des Landesmuseums Münster, die restlichen Stücke zu den Museen in Lippstadt und Olpe. Ritter-Schaumburg vermerkt in seinen Ausführungen unter Berufung auf ein Gespräch mit Dr. Andree, Prof. Stieren „habe (zur Kallenhardter Entdeckung) mit Vielem zurückgehalten“. 

Wohl deswegen sah einer der bei der Ausgrabung Anwesenden – der heimische Ortshistoriker und spätere Schuldirektor Eberhard Henneböle – genügend Veranlassung, noch gesondert über diesen Fund zu berichten (Die Vor- und Frühgeschichte des Warsteiner Raumes in: Beiträge zur Warsteiner Geschichte, Heft 2, 1963). Für ihn steht zweifelsfrei fest, dass hier der über die Niflungen siegreiche Soester König Atala seinen Tod gefunden hat. 
 

 Gemauerte Wand           x  Fundstelle des Toten
A
Verfasserkopie vom Höhlengrundriss/Lageplan. Nach Angaben des Ortshistorikers Eberhard Henneböle.  Bildquelle Fotos: Verfasser. 
B C

 
»Hagen verschleppt Sigfrids Schatz«: Liegt das „Rheingold“ in Rheinbach-Loch bei Bonn? http://www.wingarden.de/wing/germanen/art-nibelungen2.html
(Abgerufen 11.5.11.)
 
Den Quellenwert der historiografischen Thidrekssaga und altschwedischen Dietrich-Chronik mit oberdeutschen Reimfabeln abwägend haben von institutionalisierter Nibelungengeografie nicht vereinnahmte Forscher das nordöstliche Voreifelgebiet als den ursprünglichen Heimatbereich der Nibelungen – Niflungen erkannt, siehe u. a. F. J. Mone und H. Ritter-Schaumburg. Auch Hobby-Historiker und Schatzsucher Rudolf Patzwaldt will selbst anhand des Nibelungenlieds den Eifelraum als jene schicksalsträchtigste Region von Sigfrid und den Nibelungen herausgelesen haben. Allerdings befürchten nicht nur Berufsgermanisten, dass Patzwaldt trotz seiner mit diversen regionalen Veranstaltungen vollmundig wiederholten Verortung eines Rheinbach-Locher Schatz(h)orts der Fachwelt wie natürlich auch einem zunehmend interessierten Publikum die Präsentation eindeutiger Grabungsergebnisse schuldig bleiben wird. Und dies mag auch die Hoffnung oder Erwartung derjenigen Forscher sein, für die Ortsgeschichte und Namengebung im Eifelraum und niederrheinischen Bereichen nicht vor deren frühester urkundlicher Verfügbarkeit stattfinden darf und die in ihrem unerschütterlichen Restglauben an oberdeutsche Reimdichtung südlichere Rheinbereiche um den fabulierten Nibelungensitz Worms vorrangig favorisieren. 

»Nibelungentode in Xanten«: Mehr über die Versenkung eines Nibelungen(h)orts  (Kommentar)
 

12  Grabmale

Wenn man der fernen Nachwelt mit seinerzeit zur Verfügung gestandenen Mitteln eine zeitbeständige Botschaft über die in Soest zugetragenen Geschehnisse hätte zukommen lassen wollen, so bestünde hierzu leider die Wahl der äußerst begrenzten Möglichkeiten. 

Damals wie auch in anderen Epochen war es jedoch – glücklicherweise – üblich, hervorstechende Persönlichkeitsmerkmale durch entsprechende Grabbeigaben zu unterstreichen. 

Wie hätte man in diesem Sinne für die Soester Königsfamilie verfahren können? 

Minimalvoraussetzungen: 
  

1. Männliches Königsgrab nicht vorhanden, denn Atala starb nach der Niflungensaga in Sigfrids Schatzkammer. 
2. Wegen vorgenannter Bedingung mindestens zwei reich geschmückte Frauengräber in unmittelbarer Nachbarschaft, denn nach dem Tod von Grimhild, soll Atala die Mutter von Hagens Sohn Aldrian geheiratet haben. 
3. Neben einem königlichen Frauengrab ein Knabengrab, denn Grimhilds und Atalas Sohn Aldrian starb durch Hagens Hand. 
4. Ein Frauengrab sollte ein Schmuckstück mit Schlüsseldarstellung – oder diesen als reinen Gegenstand – enthalten, denn Sigfrids Schlüssel vom Schatzhort ist ein markantes Soester Symbol für König Atalas Tod. 
5. Ein Frauengrab sollte einen Schmuckgegenstand enthalten, der die Verbindung mit Hagen zur Zeugung seines Sohnes Aldrian symbolisiert, denn dieser verübte im jugendlichen Alter die tödliche Rache am Soester König. 
. 

Erweiterte Voraussetzung:

Nach Ritter-Schaumburgs Zeitstellung wie den Angaben in den altnordischen und altschwedischen Handschiften müsste bei diesen Gräberfunden auf einen Bestattungszeitpunkt zwischen 527 und 530 geschlossen werden können.


Im Frühjahr 1930, gut 1 km südlich vom alten Soester Stadtkern, wurden bei Ausschachtarbeiten Kammergräber gefunden, die ebenfalls unter der Leitung von Prof. August Stieren ausgehoben und untersucht wurden. Diese erstaunlicherweise zu Frankengrabstätten gerechnete Entdeckung erfüllt die vorgenannten Bedingungen: Zwischen zwei sehr vornehmen Frauengräbern, davon das königliche wegen Münzbeigabe um 528 datierbar, befand sich ein kleines Männergrab, das wegen seiner Beigaben ebenfalls einen hohen Rang des jung Verstorbenen auswies. 

Bei der jüngsten Goldmünze aus diesen Gräberfunden handelte es sich um eine Prägung aus der Zeit des oströmischen Kaisers Justinian I., der von 527 bis 565 herrschte. Insoweit ist auch die erweiterte Voraussetzung erfüllt. 
 
Oben: Das Medaillon bzw. die „Zierscheibe“ aus dem vornehmen Frauengrab, im Lageplan spezifiziert als Nr. 105, mit Konturenkopie vom Verfasser. (Durchmesser ca.  10 cm.) Diesem Grab war – für jene Epoche als Ritual eher untypisch – ein Schlüssel beigegeben. Sowohl Ritter-Schaumburg als auch Walter Böckmann interpretieren Prof. Stierens Stellungnahmen so, dass dieser mit seiner Gesamterkenntnis über diese Entdeckung noch zurückgehalten haben muss. Unten: Goldene Runenfibel vom Königingrab (Nr. 106) und ihre vom Verfasser konturenkopierte Rückseite 
(Durchmesser ca.  5 cm). Das sog. Königsmonogramm wurde bislang A-T-A-N-O oder A-T-A-L-O gelesen. Zwischen dem Zeitpunkt jener Soester Ereignisse und ihrer ersten schriftlichen Aufzeichnung könnten zwar Jahrhunderte vergangen sein, doch ist zum einen die zweite Lesart keinesfalls negierbar und zum anderen liefern die altnordischen und altschwedischen Handschriftenn selbst hinreichende Beweise für teilweise erhebliche Lauttransponierungen. Zur Runenlesung. Beide Fotos: Verfasser. Objektbestand: Burghofmuseum Soest. 


 
Fazit und Reaktionen

Im Vergleich zur mittelhochdeutschen Nibelungendichtung lesen sich die altnordischen und altschwedischen Handschriften über Dietrich von Bern etwa so nüchtern wie ein Polizeibericht (vgl. Quelltextauszug). Dieses Kontrastverhältnis untermauert wiederum die allgemeine literarhistorische Erkenntnis, dass zur hochmittelalterlichen Entstehungszeit der auf offensichtlich älterem und überwiegend niederdeutschem Quellenmaterial beruhenden Thidrekssaga-Überlieferung (13. Jh.) weiter ausgestaltete und insofern z. T. auch phantasievollere Werke, so das Nibelungenlied, hergestellt wurden. Dagegen erscheint die altphilologisch vertretene Auffassung, „der historische Kern des Untergangs der Nibelungen bestünde in der Niederlage des Burgundenkönigs Gundahari im Jahr 435/6 gegen weströmische und anschließend gegen hunnische Truppen“ als keineswegs überzeugende Vereinnahmung – schon wegen ihrer unverkennbaren forschungsideologischen Verknüpfung mit einem Reimepos als fabulierenden Grundpfeiler. Der Historiker Ernst F. Jung, die Arbeiten sowohl von Roswitha Wisniewski als auch Ritter-Schaumburg bewertend, bringt sein Ergebnis über den signifikantesten Unterschied zwischen Thidrekssaga und Nibelungenlied so auf den Punkt: „... das Gesamtpanorama raumzeithistorischer Art ist ganz und gar verschieden. Die Ths. spielt auf Chronik-Basis in NRW, das Nl. als Spiel dichterischer Phantasie im Donauland ...“ 

Der ZDF-Historiker Peter Arens stellt in seinem Buch Sturm über Europa (2001) zum Niedergang der Burgunder fest: „Interessant ist, daß dieser ruchlose Völkermordversuch im Nachhinein Attila zugeschrieben wurde, obwohl die Schlacht vor seiner Regentschaft lag.“ 

Dem von Dichtung und Forschung reichlich gehuldigten Burgunden-Hunnen-Mythos kommen vor allem zwei Deutungsperspektiven zu: 

    1.  Nach einem von gegenwärtiger Interpretation anscheinend irrigerweise einzig auf den Raum Mainz (= „Moguntiacum“) übertragenen Passus der Bibliotheka des byzantinischen Historikers und späteren Patriarchen Photios, darin Aufzeichnungen des spätantiken Geschichtsschreibers Olympiodoros d. Ä. aufgreifend, könnten fränkisch-burgundische Völkerschaften einen Bereich um das explizit in der Germania secunda genannte ehemalige Moyndiakon–Mundiacum (vgl. „Mündt“ und „Müntz“ im Raum Mönchengladbach–Jülich) besiedelt haben. Zu der in der Thidrekssaga mehrfach genannten Mundia zählt übrigens das von Mone und Ritter-Schaumburg erkannte Voreifelgebiet der Niflungen – Nibelungen

    2.  Wenn der weit vor den verfügbaren Handschriften des Nibelungenliedes verfasste Waltharius selbst jenen f r ä n k i s c h e n  Gibbich als Königsvater der Franci Nebulones erwähnt, der als altnordisch-eddischer Stammvater der Gjukungen (Gunnar, Hogni, Gudrun) verewigt und gleichwohl in der Lex Burgundionum als historisch kaum zu fassender und insoweit hinterfragwürdiger Gibica vermerkt sein soll, dann dürfte solches Missverhältnis vielmehr für ein Mischverhältnis sprechen, das überlieferungsspezifisch bzw. „traditionsgemäß“ auf ephemeren geografisch-ethnischen Verhältnissen der Migrationszeit des 4. und 5. Jahrhunderts beruhen mag. 


Ritter-Schaumburg hat implizite die Glaubwürdigkeit altgermanistischer Deutungsgrundsätze auf den Prüfstand gestellt. Schon wegen daraus ableitbarer Konsequenzen für die literaturwissenschaftliche Hochinstanz „Forschung und Lehre“ versagte allerdings – und sicher nicht unvorhersehbar – deren Rezeptivität. Und so wurde zum Niedermachen seiner Forschungsbeiträge z. B. von Germanisten an der Universität Siegen eine deftige Schmähschrift in Umlauf gebracht, deren Verfasser nicht nur Studenten waren („Dieser Ritter bürgt für Schaum“). 

Ein Beispiel für eine vordergründig zwar weniger offensiv erscheinende, aber auf subtilem Niveau kaum schwächere Kritik an Ritter-Schaumburg stammt von z. B. von dessen Kritiker Heiko Droste. Mit weiteren zum Teil in enzyklopädischen Internetforen anzutreffenden Spitzfindigkeiten wurde unter anderem versucht, den von Ritter-Schaumburg gewählten Überlieferungsbegriff für die altschwedische Dietrich-Chronik (s.o.) als misslungene Prägung darzustellen. 


In der unbedingten wie jedoch gleichermaßen irrigen erzählungsinterpretatorischen Vorstellung der Literaturwissenschaft des 19. Jahrhunderts, in den Handschriften der Thidrekssaga und der Dietrich-Chronik Theoderich den Großen wiedererkennen zu müssen, kann und muss es sich bei diesen folglicherweise nur drastisch verzerrt begreifbaren Überlieferungen um nicht mehr als „Sage und Dichtung“ handeln. Doch von eben diesem ehernen Postulat, soweit noch gestützt vom schöngeistig verherrlichenden Bestand über mittelalterliche Dietrich-Epik, scheinen sich Germanistik Nordistik und Skandinavistik des 21. Jahrhunderts wohl auch in absehbarer Zeit nicht überzeugend lösen zu können. 

Angesichts einer umfänglich höchst beeindruckenden mediävalen Nibelungenphilologie vermissen wir wenigstens eine stichhaltige Begründung für jene radikal-skurrilen Behauptungen, die zur einfachsten Zerschlagung von Ritter-Schaumburgs Forschungsbeiträgen – und damit auch zur systematischen Protektion zweifelhafter germanistischer Auffassungen – eine historische Grundlage für einen ethnologischen bzw. toponymisch abgeleiteten Nibelungenbegriff kategorisch ausschließen. Wir vermissen von fachwissenschaftlich wie auch medienpopulär hochgelobten Nibelungenforschern eine seriöse Begründung für Bemessungsprozedere, die oberdeutsche Reimepik (so z. B. das Nibelungenlied) zum Gradmesser für Überlieferungen von nachweislich mediävalchronistischer Quellenprägung erheben. Wir vermissen von der um die Glaubwürdigkeit ihrer eigenen Forschungsbibliografie fürchtenden Germanistik und Nordistik jedoch auch eine überzeugende Gegendarstellung, warum vor allem die altschwedischen Handschriften nicht mehr als einer „prosaischen Pseudochronik“ genügen sollen. Und wir vermissen insbesondere eine nachvollziehbare Entkräftung der Beiträge nicht nur von Ritter-Schaumburg und eine Reihe anderer Autoren. Von Forschern, die auch zu berücksichtigen wissen, dass chronistische Überlieferungen im Altnordischen als SAGA betitelt wurden. Von Analysten, deren Indizienkataloge zur wahrscheinlichsten historischen Ursprungsregion der mit einem rheinischen Raum verknüpften Niflungen – Nibelungen längst sowie ohne mahnende Fingerzeige auf oberdeutsche Reimdichtung einen Anspruch auf Widerlegung erhoben haben. 

Einer überwiegend positiv-sachlichen Aufnahme der von Ritter-Schaumburg ausgebreiteten Forschungserkenntnisse und Deutungen taten jene besonders unmittelbar und mittelbar gegen ihn gerichtete Einzelunternehmen, darunter auch eine TV-Diskussion des Hessischen Rundfunks – vom Historiker Ernst F. Jung als „getrickstes Tribunal gegen Ritter-Schaumburg“ entlarvt – allerdings kaum Abbruch (vgl. Pressestimmen aus der Rezensur). Die kritische Auseinandersetzung mit seinen Forschungserkenntnissen hat auch die Privatforschung zu einer Fülle von Beiträgen angeregt. Zu den im Netz abrufbaren Kritiken an fachwissenschaftlich gedeuteten Raumvorstellungen vom oberdeutschen Nibelungenlied zählt der bereits oben genannte Beitrag von Rudolf Patzwaldt. 

Heinz Ritter-Schaumburg erhielt für seine Forschungsbeiträge das Bundesverdienstkreuz und den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen. 


 
 
Anhang

Ritter-Schaumburg über seine Thidrekssaga-Forschung
Dietrich von Bern - Chronik oder Dichtung?
Pressestimmen von Medienrezensenten über Ritter-Schaumburg
Zitatauszug über Ritter-Schaumburg zur Frage der Handschriftenpriorität
Sachthematische Historizitätsforschung (englischsprachig): Merovingians by the Svava?
Quelltext aus der Svava
Dynastien: Sigfrid & Nibelungen nach Ritter-Schaumburg
Zur Schuldfrage von Atala und Grimhild, Atli und Gudrun
Swanhilds Spuren in der Thidrekssaga?
Zwölf um Dietrich von Bern - Heldenphysiognomie aus der Retorte?
Zur Transmission der altschwedischen Didrikskrönikan
Die Mosel im Licht von Thidrekssaga und Dietrich-Chronik Thidrekssaga-Mosel.pdf
Wadhincúsan, monasterium Ludewici MonasteriumLudewici.pdf