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»Diese
Saga ist eine der größten Sagas, die in deutscher Sprache verfasst
wurden...
Hier kann man nun hören die Erzählungen deutscher Männer, wie diese Begebenheiten vor sich gegangen sind, und zwar von etlichen, die in Soest geboren sind, wo diese Ereignisse sich zugetragen haben, und die manchen Tag die Stätten noch unzerstört gesehen haben, wo diese Begebnisse sich ereigneten: wo Hagen fiel oder Irung erschlagen ward, oder den Schlangenturm, in dem König Gunter den Tod fand, und den Garten, der noch Niflungengarten genannt wird. Und es steht alles noch auf dieselbe Weise, wie es damals war, als die Niflungen erschlagen wurden; auch die Tore: das östliche Tor, wo zuerst der Kampf sich erhob, und das westliche Tor, das Hagens Tor genannt wird, das die Niflungen in den Garten brachen; das wird noch alles auf dieselbe Weise benannt, wie es damals geschah. Auch solche Männer haben uns davon gesagt, die in Bremen und Münsterburg geboren sind. Keiner wusste mit Gewissheit vom Andern, doch sagten Alle auf dieselbe Weise davon. Auch entspricht das meist dem, was alte Lieder in deutscher Zunge sagen, welche weise Männer gedichtet haben über die großen Begebenheiten, die sich in diesem Lande zutrugen.« Þiðreks saga. |
| Nicht wenige mittelalterliche Überlieferungen berichten über
die Nibelungen. Heerscharen von anerkannten und selbsternannten Nibelungenexperten
haben sich um den historischen Kern dieser Erzählungen bemüht.
Sie mussten jedoch bald feststellen, dass sie mit einer nicht einfachen
Entwirrung von „Dichtung über Dichtung“ zu tun hatten.
Gleichwohl scheinen zwei Forscher mit ihren herausragenden Forschungsresultaten zur Entflechtung der Sage beigetragen zu haben: Der Münchener Studienprofessor Aloys Schröfl hat zu Beginn
der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts mit seinen Veröffentlichungen
Und
dennoch – die Nibelungenfrage gelöst sowie Der Urdichter des
Liedes von der Nibelunge Nôt und die Lösung der Nibelungenfrage
(1927) einer überwiegend akademischem Leserschaft dargelegt, dass
Teil I der klassischen Fassung (Sigfrids Leben und Tod) und Teil II (Der
Der erste Teil des Nibelungenliedes, darin z. B. Sigfrids Taten und
seine Beziehungen zu Brunhild und Kriemhild, war allerdings nicht Schröfls
Hauptforschungsgebiet. Nach seinen Erkenntnissen muss vor allem zum zweiten
und wichtigsten Teil jener oberdeutschen Traditionsstufen zwischen archaischem
Vorlagenmaterial (darunter offensichtlich niederdeutsche bzw. altnordische
Traditionslinien sowie auch eine verschollen postulierte lateinische
Nibelungias) und missionarisch gezielt eingebrachten Motivstrukturen in den
nach versstilistischen Analysen von verschiedenen Verfassern bearbeiteten
Handschriften des Nibelungenliedes unterschieden werden.
So begegnen in seiner viel gelobten hochmittelalterlichen Versform-Epik des
13. Jahrhunderts nicht wenige literarkulturelle Details, die auf
„aktuelle“ bzw. zeitgeistliche Stoffaneignung, Der 1994 verstorbene Germanist und Naturwissenschaftler Heinz Ritter
aus Schaumburg an der Weser (siehe
kurzes
Autorenprofil) scheint nach dem Urteil nicht weniger Medienrezensenten
in den historischen Sagenkern gedrungen zu sein. Nach jahrzehntelangem
Studium und sorgfältigen Analysen von Quellenmaterial über den
Stoffkreis der Nibelungen gelangte er zu den altnordischen Handschriften
der Þiðrikssaga. Deren Darstellungen können allerdings
nicht über das historische Wirken des Ostgotenkönigs Theoderich
d. Gr. berichten. Sie beziehen sich vielmehr auf biografische Schilderungen
über einen gleichnamigen Zu Überlieferungskomplex der Thidrekssaga zählen zum einen die in der Königlichen Bibliothek zu Stockholm aufbewahrte, üblicherweise mit isländischen Handschriften vervollständigte Membran(e) [perg. fol.4] und zum anderen zwei altschwedische Handschriften der sog. Svava. (So Ritter-Schaumburgs prägnanter Logismus durch begriffliche Übernahme jener quelltextlich häufig zitierten niedersächsisch-mitteldeutschen Region – im Zentrum des Erzählungsraums von Thidrekssaga und altschwedischer Dietrich-Chronik – anstelle einer Verschmelzung von svensk für schwedisch.) Schriftliches Quellenmaterial für diese Textzeugnisse soll, wie Ritter-Schaumburg auch in seinem 1992 erschienenen Buch Sigfrid ohne Tarnkappe betont, nach bestimmten kulturellen Überlieferungsmerkmalen bereits zur Zeit Karl des Großen – der in seinen Großvorhaben auch für umfangreiche Bibliografien gesorgt haben soll – vorgelegen haben. Sigfrid ohne Tarnkappe, worin jedoch nicht Grimhilds Rache und
den Nibelungenuntergang behandelt wird, liefert beeindruckend schlüssige
topografische Zuordnungen der Ereignisse über das Leben und Sterben
eines Sigfrids, den Ritter-Schaumburg den vergleichbar größten
literarischen Anspruch auf historische Wahrscheinlichkeit eingeräumt
hat.
Über die Bewertung der altnordischen Quelltexte Ritter-Schaumburgs Stoffbehandlung der Thidrekssaga beruht im Grundsatz auf der (nicht durchweg leichten) Beantwortung der Kardinalfrage, ob eine Historia bzw. eine kunstvoll gestaltete hochmittelalterliche Geschichtsüberlieferung unter dem Licht mythologischer Erzählungen seziert werden darf (siehe auch Zitatbeitrag Ritter-Schaumburg über seinen Thidrekssaga-Forschungsgrundsatz mit seiner Position zur Hauptkritik). Wie er insbesondere in seinen Lesungen betont hat, mögen kontextuell eher wenig signifikante bzw. noch eingrenzbare zeitstilistische Einlässe eines mehrköpfig erwiesenen mittelalterlichen Schreibkollegiums der Membrane-Handschrift der frühen wissenschaftlichen Lehrmeinung durchaus leichtfertig nahe gelegt haben, diese mit einer niederdeutschen Vorlage wahrscheinlich zu machende Übertragung als ein grundsätzlich wenig authentisches Sammelbecken von überwiegend zusammenhanglosen Einzellegenden zu begreifen. Doch eben dagegen spricht aus Ritter-Schaumburgs literartypologischen Indizienkatalog der faktische Umstand, dass der altschwedische Chronist seine Didrikskrönika, die Vita seines Dietrich von Bern nicht als „Saga“ betiteln wollte. Ritter-Schaumburg sieht auch insoweit die Membrane – die älteste verfügbare Handschrift der Thidrekssaga – im gemeinsamen inhaltlichen bzw. historiografischen Fahrwasser mit der „hauptrichtungsweisenden Dietrich-Chronik“. Gegen Ritter-Schaumburgs Erkenntnisse opponiert allerdings die enzyklopädische
Auffassung und somit auch die universitäre Lehrmeinung. Deren einflussreicher
Vertreter Heinrich Beck will die Botschaft der Thidrekssaga – entgegen
dem Eindruck ihres „naiven Lesers“(!) – vielmehr in den Erkenntisbereich
subtiler Darstellungen einordnen. Und er will die fundamentale Position
der Germanistik zur vermeintlichen Unantastbarkeit der Überlieferungsform
„Sage“ gegenüber Ritter-Schaumburg noch mit solchem Standpunkt verfestigen:
„Die germanistische Sagenforschung hat längst erkannt (...), daß
Sagentradition keine antiquarische Vermittlung ist, sondern jeweils einer
aktuellen Aneignung entspringt.“
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Nach Mone brachte der Philologe Henri Grégoire die nibelungische Ursprungsregion mit dem belgischen Ort Nivelle (Burg und Stadt) in Verbindung, denn in dortigen Chroniken taucht z. B. Nivellung aus der Beinamengebung an die Pippiniden auf; so wie man auch auf jenen Nibelunc in der Namensgebung für einen Pippiniden des 8. Jahrhunderts trifft, den Karl der Große nicht ohne Stolz seinen Oheim genannt haben soll. Trotz eigener offensichtlich zu gewagter Thesen (Burgunderverortung) bestätigt Grégoire grundsätzlich die historiografischen Entdeckungen über den Nibelungenursprung von Emil Rückert aus dem Jahr 1836. (Titel seiner Veröffentlichung: Oberon von Mons und die Pipine von Nivella – Untersuchungen über den Ursprung der Nibelungensage.) Dagegen übernimmt Ritter-Schaumburg die bereits von Mone fokussierten Ortsnamen im Raum Zülpich – Neuss zur Lokalisierung des ursprünglichen Nibelungensitzes. Hier begegnet eine hervorstechende Zahl von Orten, deren Namen anhand der Originaltextaussagen jener altnordischen Überlieferungen nachdenklich stimmen. So beispielsweise Juntersdorf, das frühere Guntirsdorp. Der Vater von Gunters Halbbruder Hagen wird handschriftlich als Elff (Albe) bezeichnet – hierbei drängt sich das nur wenige Kilometer entfernte Elvenich auf, das früher als Albinacum und Albihenae bezeugt wurde. Der Autor H. van der Broeck rechnet in seiner Veröffentlichung 2000 Jahre Zülpich (Kölnische Verlagsdruckerei 1968) diesen Ort einer keltischen Kultstätte zu, zumal die für diese Region typischen (n)ich-Endungen auf römisch-keltischen Spracheinfluss hinweisen. Und schließlich findet man hier auch die Orte Vernich, Virnich (zu Schwerfen) und Virmenich, jetzt Firmenich, die an Quelltextbezeichnungen wie Vernica, Verniza oder Vermintza für den Nibelungensitz erinnern. Überdies findet Ritter-Schaumburg ein weiteres und hierzu offenbar evident zusammenhängendes Indiz für den Zülpicher Raum als Herkunftsregion der historischen Nibelungen, nämlich die quelltextliche Anmerkung, dass gerade (noch) hellster Vollmond ist, als das Volk den Rheinübergang auf seinem schicksalhaften Zug zu Grimhild bei König Atala im Hünenland (nicht Hunnenland!) erreicht hat: Weil nach den Erkenntnissen unserer Geschichtsforschung in der Spätantike wie auch noch im Mittelalter der Beginn wichtiger Unternehmungen üblicherweise auf Vollmond gelegt wurde, konnten die von der kritischen Sagenforschung spezifizierten Nibelungen mit blanken Brünnen unter ihren Röcken augenscheinlich nicht mehr als eine solche Distanz bis zum Rheinfährenort zurückgelegt haben! Die nach Ritter-Schaumburgs Zeit- und Ortsstellung zu den fränkischen Völkern zählenden Nibelungen treten um die Wende des ersten halben Jahrtausendes auf, wo beispielsweise Gregor von Tours „Sigibert den Alten“ als Ripuarierkönig zu Köln erwähnt und wie dieser schließlich zur Machterweiterung des merowingischen Frankenkönigs Chlodwig beseitigt wird. Nach der Frühgeschichte der Pippiniden könnten auch stemmalogische
Indizien aus der Karolinger-Dynastie eine Rolle spielen:
Die Svava und Membrane zitieren den Aufbruch der Nibelungen zu ihrem letzten Ausmarsch in diesem Wortlaut: ... So ritten sie zum Rhein, dort wo Duna und Rhein zusammen kommen... (Sv 307)
Unter Duna soll nun keineswegs die Donau verstanden werden (die ohnehin nicht in den Rhein fließt) sondern die Dhünn, die bis 1830/1840 als Dune bei Leverkusen in den Rhein mündete und auch als Duone 1117 urkundlich genannt wird. Ihr heute nur wenig weiter stromabwärts zu findender Mündungsbereich wurde von H. Ritter-Schaumburg als seinerzeit strategisch wichtiger Übergangspunkt belegt. Die zu revidierende altgeschichtliche Betrachtung der Nibelungen teilen
im Großen und Ganzen auch der Schriftsteller und Dokumentarfilmer
Walter Böckmann mit Der Nibelungen Tod in Soest – Neue Erkenntnisse
zur historischen Wahrheit sowie der Historiker Ernst F. Jung mit seiner
analytischen Nachbetrachtung von Ritter-Schaumburgs Thesen und Beisteuerung
weiterer interessanter Forschungsimpulse – so auch über die topologische
Neuerkundung der Edda-/Gudrunlieder (!) – in der Publikation Der Nibelungen
Zug durchs Bergische Land. Bereits 1961 fand die Literaturwissenschaftlerin
Roswitha Wisniewski auch von neuerer Forschung nicht widerlegte Anhaltspunkte,
dass in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine Chronik über
König Dietrich von Bern aus dem westfälischen Kloster Wedinghausen
bei Arnsberg (,,Wadhincúsan“) nach Skandinavien/Norwegen gebracht,
dort im Wesentlichen übersetzt und zur Thidrekssaga verarbeitet wurde,
wie die Autorin in ihrer Habilitationsschrift Die Darstellung des Niflungenuntergangs
in der Thidrekssaga dies näher ausführt. (Siehe hierzu den
Verfasserbeitrag
Wadhincúsan,
monasterium Ludewici.)
Eine kurze Zusammenfassung
Auf älteren Karten vom Nordharz findet man noch die Wüstung
Siewershausen
(siehe X- Markierung auf der oben angegebenen Karte), die laut alten Archivkarten
ursprünglich Sigefrideshuson hieß – der offenbar historische
Geburts-, Fund- oder Gedenkort von Sigfrid?
Sigfrids Körpergröße Mime hat gerade eine königliche Rüstung fertig geschmiedet,
legt diese Sigfrid an – und sie passt! Immerhin steht ihm diese offenbar
so gut, dass er sie für seinen Marsch zu Brunhilds Residenz gleich
anbehält, wo er – im unterstellten Knabenalter – wohl kaum sieben
Torwächter erschlagen und sich noch mit Rittern und Knappen der Königin
anlegen konnte. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sowohl der königliche
Auftraggeber als auch Sigfrid nun ausgerechnet die gleiche Größe
eines ausgesprochenen Riesen besitzen? Dagegen spricht die enorm beeindruckende
Größenbeschreibung von Sigfrid, die Meister Brand in der offenbar
feuchtfröhlichen Runde von König Didriks Mannen abgibt, „Gastmahl“
(Sv 177, 178). Dürften diese Angaben auf jugendlicher Protzerei sich
weit überschätzender Prahlhänse beruhen? Tatsächlich
fahren diese Kampfgesellen nach beschlossenem Kräftemessen bei König
Isung mit einem blamablen Mann-Gegen-Mann-Ergebnis nach Hause: Von zwölf
Kämpfen konnten sie nur drei Siege für sich entscheiden, die
übrigens weder von Hagen noch von Gunter mit errungen wurden – Didriks
Kampf gegen Sigfrid wegen arglistiger Täuschung durch Eidbruch nicht
mit gerechnet. Mime war sicherlich nicht irgendein Schmied, der es nötig hatte, gewöhnliche Arbeiten für die Dorfbevölkerung oder seinen Lehnsherrn zu verrichten. Vielmehr ersuchten Könige aus fernen Ländern ihn um Sonderanfertigungen allerfeinster Blechkleider – den Genius des Hartmetalls, Meister aller Haute Couturiers der männlichen Spätantike und Völkerwanderungszeit. Der kinderlose Mime schirmt seinen Adoptivsohn offenbar gut ab, auch lässt er ihn zunächst nicht unter seinen Schmieden mitarbeiten. Nichtsdestoweniger scheint der jugendliche Sigfrid Mimes hinterfragwürdige Zuneigung wohl mit frustriertem Herumlungern danken, und er steckt dabei gelegentlich seine Nase in die Schmiedewerkstatt seines Pflegevaters, um dort seine Gesellen mächtig zu enervieren und zu verprügeln. Erst als der stark Pubertierende kaum mehr zu bändigen ist, will ihm Mime das Arbeiten in seiner Schmiede lehren! Nach frühen urkundlichen Bezeugungen ist der nur wenige Kilometer von Siewershausen entfernte Ort Minsleben nicht nur eine der ältesten Siedlungen dieser Region, sondern auch eng mit frühzeitlicher Schmiedetätigkeit verbunden. Buchautor Ritter-Schaumburg war Zeuge von Ausgrabungen und Analysen von früh datierbaren Eisenschlackeresten aus diesem Ort. Zu dessen Namensgebung sind sowohl die später hinzugefügten thüringischen Endungen -leva, -leven anzumerken als auch der handschriftliche Name von Mime, Mymmer oder Mynner. Mime wird im altnordischen Überlieferungskomplex der Edda als Regin bezeichnet. Er soll demnach als Schmied für einen Herrscher namens Hjalprek gearbeitet haben, dessen namentliche Übertragung und raumzeitgeschichtliches Umfeld am ehesten auf den salischen Frankenkönig Childerich I hindeutet. Hjalprek beauftragt Regin, so nach dieser ältesten altnordischen Überlieferung, als Pflegevater für Sigurd (= Sigfrid) zu sorgen. Daraus ließe sich folgern, dass sich Regins Schmiede auf salfränkischem und insoweit bis in den Eifelraum reichendem Gebiet befunden hat. (Das dem 10. Jahrhundert zugeschriebene Reimepos Waltharius bezeichnet die Nibelungenbrüder Gunther und Hagen als Franken, während der Urheber des Nibelungenliedes aus ihnen Burgunden macht.) Mit einer von Ritter-Schaumburg abweichenden und vielmehr aus der oberdeutschen
Nibelungen-Dichtung interpretierten Verortung von Sigfrids Pflegevater
– die insoweit auch einen augenscheinlich signifikanten Erzählungsraum
der altnordischen
Edda tangiert (!) – befasst sich u. a. eine Deutung
von Rudolf Patzwaldt:
Liegt das „Rheingold“ in Rheinbach-Loch bei Bonn?
http://www.wingarden.de/wing/germanen/art-nibelungen2.html(Abgerufen
11.5.2011.)
Nur etwa elf Kilometer südöstlich von Minsleben erhebt sich
der Regenstein als kleines Waldgebirge am nördlichen Fuß
vom Harz, dessen Sandsteinfelsen sich steil in die Höhe erheben.
Besonders beeindruckend sind die an seinem Fuß befindlichen Höhlen
im sogenannten Feuerland, bei denen man auch alte Kultstätten
(Thing-Rituale) vermutet.
Nur wenige Kilometer von diesem Nordharzer Sandsteingebirge entfernt
befindet sich das überwiegend von Teichgewässern geprägte
sumpfige Goldbachtal. Parzellen in diesem Gebiet werden in alten Flurkarten
als
Drachenkopf und Drachenloch bezeichnet. Noch heute werden
diese Bezeichnungen von Forstaufsehern für das nunmehr in privater
Hand befindliche Areal verwendet.
War Regen ein später solitärer Protozoon oder eher der Graf von Regenstein? Für die erstgenannte Möglichkeit mag ein idealer Lebensraum vorhanden gewesen sein. Zwar sprechen die altnordischen und altschwedischen Überlieferungen von einem Regen als Bruder von Mime, doch könnte es sich hierbei ebenso gut nur um eine geistige Bruderschaft handeln: Besaß Mime, wie Sigfrid zu spüren bekommen sollte, jene Verschlagenheit und Hinterlist eines Reptils? Nun hätte aber auch jener weiter unten zitierte residenzlose Emporkömmling Hartebold, der als erster und wohl (noch) nicht vermögender „Graf von Regenstein“ das Areal um den großen Bergfels seit kurzer Zeit in seinem Besitz hatte, sich zum einfachen wie besonderen Schutz desselben dem wahrlich Furcht einflößenden Umfeld rings um seine Residenz bedienen und – zu seiner wichtigsten Vervollständigung – für alle ungebetenen Gäste „einen Drachen bauen können“. Für eine solche sicher auch zum Ausrauben geeignete Maskerade sprechen vielmehr einige indirekte Anspielungen (vgl. wörtliche Zitate Sv 158), denn in den Handschriften ist auch vom Goldschatz die Rede (Sv 304), den der kecke Sigfrid dem „Drachen“ abgenommen haben soll. Die hauptsächlich aus den Überlieferungen der Edda abgeleitete Völsunga saga will den wahren Sachverhalt über dieses nur scheinbar mythische Wesen klar erkannt haben und zitiert dessen enthüllende Aussage wie folgt: »Hattest du nicht gehört, wie alles Volk sich fürchtete vor mir und meinem Schreckenshelm?« Ein als Drache verkleideter Räuber, wie manche Autoren vermuten, hätte wohl kaum seinen Schlupfwinkel am Fuß oder irgendwo in der Nähe eines feudalherrschaftlichen Sitzes gesucht; und der mit seiner HighTec-Schmiede ein enormes Vermögen anhäufende misstrauische Mime hätte seine Schätze wohl kaum weder einem räuberischen Verwandten noch einem Fremden anvertraut, um sie neugierigen Blicken und allen Versuchungsgedanken seines fragwürdigen Personals weit genug zu entziehen. Wohl aber allenfalls seinem Bruder, den man, wie auch Mime, zur damaligen „VIP-Class“ der dortigen Region zählen durfte: Regen – Graf von Regenstein. Tatsächlich scheint die Völsunga saga näher auf die Motive von Mime (hier heißt er wiederum Regin) und dessen Bruder (Fafnir) einzugehen. So erklärt sich dieser gegenüber Sigfrid, der ihn zuvor tödlich verwundet hat: »Den Schreckenshelm trug ich zum Schutz gegen alles Volk, seit
dem ich auf dem Erbe meines Bruders lag... dass niemand noch mir zu nahen
wagte; kein Schwert schreckte mich, und nie fand ich so viele Männer
mir gegenüber, dass ich mich nicht weit stärker dünkte,
alle aber hatten Angst vor mir... «
Die erste urkundliche Erwähnung von „Regenstein“ soll diese Erzählung begründen:
Die Svava relativiert selbst jene schier unglaubliche Unverwundbarkeit von Sigfrids Haut durch Schilderung seiner Verwundungen im Turnierkampf gegen König Dietrich, die ihn – trotz angelegter Rüstung – zur Aufgabe zwingen! Wie von Historikern überliefert wurde, soll das fränkische Herrschergeschlecht der Merowinger mit einem der sogenannten „Ichthyosis Hystrix“ ähnelnden Symptom erblich vorbelastet gewesen sein. (Die Erscheinungsformen dieser Hauterkrankung reichen bis zu einer Hautschwartenbildung wie bei Hausschweinen.) Mit seiner Fabel vom Drachentöter, durch Blutsud-Anwendung schließlich zum unverwundbaren Supermann glaubhaft gemacht, hätte Sigfrid also in höchst beeindruckender Weise seinem Erklärungsnotstand über seine auffällig dicke Hornhaut, verschiedentlich als „Ichthyose“ zitiert, ein Ende bereiten können! Hat die Gleichsetzung von Siegfried dem Drachentöter mit dem Germanenführer Arminius, der ja mindestes eine römische Heeresschlange besiegt hat, tatsächlich einen Anspruch auf archaische Stimmigkeit? Bekanntlich wird diese fach- und insbesondere medienpopuläre Interpretation von Analysten bevorzugt, die wegen kaum überschaubarer Anzahl an abgeleiteten Siegfried-Rezeptionen eine historische Urgestalt nicht erkennen können oder wollen. Einen solchen Standpunkt erlaubt allerdings nicht die älteste verfügbare und wiederum altnordische Schicht nibelungischer Tradition: Eine vor 1020 bekannte sowie literarhistorisch greifbar erste Thematisierung in den Liedern der altnordischen Edda entmythologisiert – provokant gesagt – alle späteren Auffassungen und Verewigungen des Drachenkampfs. (Die daraus sinngemäß übernehmende Völsunga saga enttarnt ebenfalls den „Drachen“ = Fafnir als einen leiblichen Bruder von Sigurds Ziehvater Regin.)
... der Sieg über den Drachen bedeutet Sieg über Chaos, Finsternis oder über eine alte Ordnung ... Der Drache verkörpert also Schlechtes – ohne notwendigerweise leibhaftig
auftreten zu müssen!
Weil sich Sigfrid in schwerer Montur (Rüstung), aber ohne Pferd direkt von Mimes Schmiede zu Brünhilds Sitz Seegard begibt, muss sich diese in noch zu Fuß erreichbarer Umgebung befinden. Die Wahl beschränkt sich also auf die Heimburg oder Burg Ilsenstein, letztere auf einem Berg nahe am Brocken mit herrlicher Aussichtslage – das Nibelungenlied nennt übrigens Burg Isenstein als Brünhilds Sitz. In jenen altnordischen Überlieferungen wird diese am Nordgebirge beschrieben, sowie nahe bei einem Brünhild gehörenden Gestüt in einem Wald ganz nah dabei, dessen Pferde wegen ihrer außergewöhnlichen Eigenschaften viel gerühmt wurden. Königin Brünhild war zu jener Zeit Vollwaise. Ihr Oheim oder vielmehr Schwager war nach der Völsunga saga der Pferdezüchter Heimir („Studder“; vgl. Heim in Sv 14). Die quelltextliche Lage seiner Heimburg, die später unter anderem mit Heinrich IV. und Heinrich dem Löwen geschichtlich verbunden werden sollte, kann durch einen einige Kilometer nördlich von ihr gelegenen großen unterirdischen See bestätigt werden, wie dem Verfasser dieses Beitrags von den Besitzern der sog. Drachenloch Parzelle über dort angestellte geophysikalische Untersuchungen mitgeteilt worden war. Gleichwohl dürfte nach W. Böckmann – und damit im Gegensatz
zu Ritter-Schaumburgs Überzeugung – die wegen ihrer bemerkenswerten
Stärke bekannte Königin wohl kaum Grund gehabt haben, I(l)senstein
nach dem Tod ihrer Eltern aufzugeben und sich in die Hände ihres auf
der tiefer gelegenen Heimburg sitzenden übellaunigen Verwandten zu
begeben (Sv 14). Zwar könnte, so die kritische Nachbetrachtung, diese
fürstliche Burg zu den damaligen Besitztümern der Königin
gehört haben, doch die weitaus repräsentativere Lage, nicht zuletzt
über einen ca. 1,8 km langen Burgaufgang, sollte an jenem „Isenstein“
mit seinen noch erhalten gebliebenen Burgfelsen zu finden sein.
Die traditionsreiche aber dennoch eigenartige Pferdezucht ... in
Hainen und lichten Wäldern, so Tacitus in seiner Germania
(Kap. 27) belegt auch das Pferdekapitell der Krypta in der Klosterkirche
Drübeck, die in jenem nur etwa 3,5 km vom Ilsenstein gelegenen Nachbarort
gegründet worden war. Von diesem ist die Heimburg übrigens viermal
weiter entfernt. Nach Ritter-Schaumburg wird Didrik um 470 geboren und im Alter von ca. 20 Jahren als König von „Bern“ ausgerufen. Nach einer massiven Drohung seines Onkels Ermenrik, „Imperator von Rom“ – als Roma secunda war bereits vor dieser Zeit das einstige römische Kräftezentrum Trier an der Mosel überliefert worden –, geht er als Mitzwanziger mit seinen treuen Kampfgefährten in ein zwei bis drei Jahrzehnte langes Exil zu König Atala. Dadurch nutzt der enthobene Frankenkönig die Gelegenheit, ihn bei dessen Ostkriegen mit Rat und Tat maßgeblich zu unterstützen. Der sächsische Herrscher hilft ihm später bei seinem Eroberungsversuch gegen dessen Widersacher Ermenrik. Doch nach der Gransport-Schlacht an der Moselmündung verzichtet Didrik wegen dort erlittener hoher persönlicher Verluste – hier sterben ein Blutsverwandter und zwei mit ihm gut befreundete Söhne von König Atala – scheinbar freiwillig auf den Herrschertitel von Trier. (Siehe hierzu den Verfasserbeitrag Die Mosel im Licht von Thidrekssaga und Dietrich-Chronik.) Nach der vernichtenden Niederlage der Niflungen verlässt Dietrich
ihren Schlachtort Soest, zieht zunächst in sein angestammtes Berner
Reich, formiert hier sein neues Heer und trifft schließlich bei Graach
an der Mosel auf die Truppen von Ermenriks Nachfolger Sevekin, den er leicht
schlagen kann. Die altnordischen und altschwedischen Scriptoren berichten,
dass er unmittelbar danach in „Rom“ einzog, dort gekrönt wurde und
später ein noch größeres Reich regierte. Didrik stirbt
um das Jahr 535, so in der Zeitstellung nach Ritter-Schaumburg. Hagens Vater kann den Garten der sicher bestens bewachten Königsburg
für ein Schäferstündchen unbehelligt aufsuchen! Er dürfte
also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit am Hof bekannt sein
und dort ein und aus gehen. Sein selbstsicheres und verheißungsvolles
Auftreten (Svava: Sv 161) passt zu einem Druiden: Das Wirken eines
keltischen Priesters am Heimatsitz der Niflungen lässt sich aus typischen
Ortsnamenrelikten in dem weiter oben lokalisierten Voreifelbereich unterstellen.
Hagens Herkunft – die offensichtlich ererbte Apposition seines Namens –
bezeichnen die Handschriften gelegentlich mit „von Tröya“ (Sv 340)
oder auch „von Troja“ (Membrane: Kap. 395). Wohl aber erscheint
erheblich plausibler, dass Hagens Vorfahren nicht aus der urbanen Xantener
Traiana oder gar dem griechischen Troja auswanderten, sondern der väterlich
übernommene Beiname eher auf Troyes der Champagne-Ardenne hindeuten
darf. Gemäß seiner altrömischen Bezeichnung Augustobona
Tricassium war dieser Ort das überregional herausragende keltische
Zentrum der Trikassen. ... Sie ritten durch große Wälder und Heiden ... Die urtextliche Beschreibung des Landes von König Isung trifft mit bemerkenswerter Genauigkeit auf die Lüneburger Heide zu: Das königliche Schloss vermutet Ritter-Schaumburg auf dem Kalkberg in Lüneburg.
Übrigens sagt Sigfrid zu seinem König (Sv 185) – ohne dass
eine entsprechende Vergleichsmöglichkeit eröffnet worden war
–, dass auf dem Schild eines Ankömmlings 9 Sigfrid und Grimhild (und König Atala) Über irgendeine gegenseitige Zuneigung für eine Liebesheirat zwischen Sigfrid und Grimhild wird nicht berichtet! Grimhild wird quelltextlich oft Crimilla genannt, sonst bekanntlich: Krimhild, Kriemhild, Krimhilde, Kriemhilde ... (In den Heldenliedern der Edda erscheint sie als Gudrun.) Zum Zeitpunkt ihrer Heirat des Hunaland-Königs Atala wird sie Anfang 40 gewesen sein und mit ihm – unter der Voraussetzung verhältnismäßig günstig verlaufender Lebensumstände und einer entsprechenden genetischen Veranlagung – gerade noch einen Sohn gezeugt haben können. Hier sollte jedoch auch hinterfragt werden, ob sie mit König Atala tatsächlich den scheinbar einzigen leiblichen Thronfolger für die offenbar geplante Provokation zur Niederschlagung der Niflungen-Gäste opfern wollte. Sollte es sich hierbei nicht um einen fiktiven literarischen Einschub handeln, so könnte dem oder den überliefernden Zeitzeugen ein Abkömmling von einer Konkubine Atalas als Grimhilds Sohn vor Augen geführt worden sein. Interessant klingt auch ein Passus in einem Lied der Helden-Edda, wonach König Atli deswegen eine geschwätzige Hofmagd bestrafen ließ, weil sie von einem gemeinsam geteilten Nachtlager von Gudrun mit dem in der Residenz ihres Gemahls weilenden Thiodrek gewusst haben wollte. Dagegen steht für den quelltextlich zitierten Niflungen-Stammbaum
zweifelsfrei fest, dass der früh verstorbene Niflungen-Vater Aldrian
nicht mehr Grimhilds jüngsten „Bruder“ Gislher gezeugt haben konnte
und Königin Oda mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht seine Mutter
gewesen war, wie Ritter-Schaumburg zurecht angemerkt hat. Die mittelalterliche Existenz eines Soester Turmes mit diesem Namen
ist historisch belegbar. 11 Nibelungenhort – Sigfrids Nibelungenschatz Setzte man tatsächlich seine Existenz in Auslegung der altnordischen
und altschwedischen Quelltexte voraus, dann müssten zum übertragbaren
Kontext mindestens die folgenden Voraussetzungen erfüllt sein:
In der schlauchförmigen Kammer dieses sogenannten Hohlen Steins lag ein unbestatteter Toter in einer ungestörten Schicht; aber so, dass eine Bestattung an dieser Stelle ausgeschlossen war. Sein Alter wurde auf etwa 50 Jahre datiert. Die bei seinem Skelett gefundenen Schmuckstücke (Runenfibel, Armreif, Fingerring, Knöpfe) lassen nach den seinerzeit von Prof. Stieren und Dr. Julius Andree geleiteten Ausgrabungen sowohl auf die vornehme Herkunft des Toten als auch auf die geforderte Epoche schließen. Bei einer erneuten Grabung im Jahr 1933 kamen am Westeingang der Höhle noch die Reste einer Falschmünzerwerkstatt aus dem Dreißigjährigen Krieg zum Vorschein. Der Fingerring des Toten zählt übrigens zum Bestand des Landesmuseums Münster, die restlichen Stücke zu den Museen in Lippstadt und Olpe. Ritter-Schaumburg vermerkt in seinen Ausführungen unter Berufung auf ein Gespräch mit Dr. Andree, Prof. Stieren „habe (zur Kallenhardter Entdeckung) mit Vielem zurückgehalten“. Wohl deswegen sah einer der bei der Ausgrabung Anwesenden – der heimische
Ortshistoriker und spätere Schuldirektor Eberhard Henneböle –
genügend Veranlassung, noch gesondert über diesen Fund zu berichten
(Die Vor- und Frühgeschichte des Warsteiner Raumes in: Beiträge
zur Warsteiner Geschichte, Heft 2, 1963). Für ihn steht zweifelsfrei
fest, dass hier der über die Niflungen siegreiche Soester König
Atala seinen Tod gefunden hat.
»Hagen verschleppt Sigfrids Schatz«:
Liegt das „Rheingold“ in Rheinbach-Loch bei Bonn?
http://www.wingarden.de/wing/germanen/art-nibelungen2.html
(Abgerufen
11.5.11.)
Den Quellenwert der historiografischen Thidrekssaga und altschwedischen Dietrich-Chronik mit oberdeutschen Reimfabeln abwägend lokalisieren von institutionalisierter Nibelungengeografie nicht vereinnahmte Forscher das von Mone und Ritter-Schaumburg erkannte Voreifelgebiet als den ursprünglichen Heimatbereich der Nibelungen – Niflungen. Auch Hobby-Historiker und Schatzsucher Rudolf Patzwaldt will selbst anhand des Nibelungenlieds den Eifelraum als jene schicksalsträchtigste Region von Sigfrid und den Nibelungen herausgelesen haben. Allerdings befürchten nicht nur Berufsgermanisten, dass Patzwaldt trotz seiner mit diversen regionalen Veranstaltungen vollmundig wiederholten Verortung eines Rheinbach-Locher Schatz(h)orts der Fachwelt wie natürlich auch einem zunehmend interessierten Publikum die Präsentation eindeutiger Grabungsergebnisse schuldig bleiben wird. Und dies mag auch die Hoffnung oder Erwartung derjenigen Forscher sein, für die Ortsgeschichte und Namengebung im Eifelraum und niederrheinischen Bereichen nicht vor deren frühester urkundlicher Verfügbarkeit stattfinden darf und die in ihrem unerschütterlichen Restglauben an oberdeutsche Reimdichtung südlichere Rheinbereiche um den fabulierten Nibelungensitz Worms vorrangig favorisieren. »Nibelungentode in Xanten«:
Mehr über die Versenkung eines
Nibelungen(h)orts (Kommentar)
Wenn man der fernen Nachwelt mit seinerzeit zur Verfügung gestandenen Mitteln eine zeitbeständige Botschaft über die in Soest zugetragenen Geschehnisse hätte zukommen lassen wollen, so bestünde hierzu leider die Wahl der äußerst begrenzten Möglichkeiten. Damals wie auch in anderen Epochen war es jedoch – glücklicherweise – üblich, hervorstechende Persönlichkeitsmerkmale durch entsprechende Grabbeigaben zu unterstreichen. Wie hätte man in diesem Sinne für die Soester Königsfamilie verfahren können? Minimalvoraussetzungen:
Bei der jüngsten Goldmünze aus diesen Gräberfunden handelte
es sich um eine Prägung aus der Zeit des oströmischen Kaisers
Justinian I., der von 527 bis 565 herrschte. Insoweit ist auch die erweiterte
Voraussetzung erfüllt.
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| Fazit und Reaktionen
Im Vergleich zur mittelhochdeutschen Nibelungendichtung lesen sich die altnordischen und altschwedischen Handschriften über Dietrich von Bern etwa so nüchtern wie ein Polizeibericht (vgl. Quelltextauszug). Dieses Kontrastverhältnis untermauert wiederum die allgemeine literarhistorische Erkenntnis, dass zur hochmittelalterlichen Entstehungszeit der auf offensichtlich älterem und überwiegend niederdeutschem Quellenmaterial beruhenden Thidrekssaga-Überlieferung (13. Jh.) weiter ausgestaltete und insofern z. T. auch phantasievollere Werke, so das Nibelungenlied, hergestellt wurden. Dagegen erscheint die altphilologisch vertretene Auffassung, „der historische Kern des Untergangs der Nibelungen bestünde in der Niederlage des Burgundenkönigs Gundahari im Jahr 435/6 gegen weströmische und anschließend gegen hunnische Truppen“ als keineswegs überzeugende Vereinnahmung – schon wegen ihrer unverkennbaren forschungsideologischen Verknüpfung mit einem Reimepos als fabulierenden Grundpfeiler. Der Historiker Ernst F. Jung, die Arbeiten sowohl von Roswitha Wisniewski als auch Ritter-Schaumburg bewertend, bringt sein Ergebnis über den signifikantesten Unterschied zwischen Thidrekssaga und Nibelungenlied so auf den Punkt: „... das Gesamtpanorama raumzeithistorischer Art ist ganz und gar verschieden. Die Ths. spielt auf Chronik-Basis in NRW, das Nl. als Spiel dichterischer Phantasie im Donauland ...“ Der ZDF-Historiker Peter Arens stellt in seinem Buch Sturm über Europa (2001) zum Niedergang der Burgunder fest: „Interessant ist, daß dieser ruchlose Völkermordversuch im Nachhinein Attila zugeschrieben wurde, obwohl die Schlacht vor seiner Regentschaft lag.“ Dem von Dichtung und Forschung reichlich gehuldigten Burgunden-Hunnen-Mythos kommen vor allem zwei Deutungsperspektiven zu: 1. Nach einem von gegenwärtiger Interpretation anscheinend irrigerweise einzig auf den Raum Mainz (= „Moguntiacum“) übertragenen Passus der Bibliotheka des byzantinischen Historikers und späteren Patriarchen Photios, darin Aufzeichnungen des spätantiken Geschichtsschreibers Olympiodoros d. Ä. aufgreifend, könnten fränkisch-burgundische Völkerschaften einen Bereich um das explizit in der Germania secunda genannte ehemalige Moyndiakon–Mundiacum (vgl. „Mündt“ und „Müntz“ im Raum Mönchengladbach–Jülich) besiedelt haben. Zu der in der Thidrekssaga mehrfach genannten Mundia zählt übrigens das von Mone und Ritter-Schaumburg erkannte Voreifelgebiet der Niflungen – Nibelungen! 2. Wenn der weit vor den verfügbaren Handschriften
des Nibelungenliedes verfasste Waltharius selbst jenen
Ritter-Schaumburg hat implizite die Glaubwürdigkeit altgermanistischer Deutungsgrundsätze auf den Prüfstand gestellt. Schon wegen daraus ableitbarer Konsequenzen für die literaturwissenschaftliche Hochinstanz „Forschung und Lehre“ versagte allerdings – und sicher nicht unvorhersehbar – deren Rezeptivität. Und so wurde zum Niedermachen seiner Forschungsbeiträge z. B. von Germanisten an der Universität Siegen eine deftige Schmähschrift in Umlauf gebracht, deren Verfasser nicht nur Studenten waren („Dieser Ritter bürgt für Schaum“). Ein Beispiel für eine vordergründig zwar weniger offensiv erscheinende, aber auf subtilem Niveau kaum schwächere Kritik an Ritter-Schaumburg stammt von z. B. von dessen Kritiker Heiko Droste. Mit weiteren zum Teil in enzyklopädischen Internetforen anzutreffenden Spitzfindigkeiten wurde unter anderem versucht, den von Ritter-Schaumburg gewählten Überlieferungsbegriff für die altschwedische Dietrich-Chronik (s.o.) als misslungene Prägung darzustellen. |
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In der unbedingten wie jedoch gleichermaßen irrigen erzählungsinterpretatorischen Vorstellung der Literaturwissenschaft des 19. Jahrhunderts, in den Handschriften der Thidrekssaga und der Dietrich-Chronik Theoderich den Großen wiedererkennen zu müssen, kann und muss es sich bei diesen folglicherweise nur drastisch verzerrt begreifbaren Überlieferungen um nicht mehr als „Sage und Dichtung“ handeln. Doch von eben diesem ehernen Postulat, soweit noch gestützt vom schöngeistig verherrlichenden Bestand über mittelalterliche Dietrich-Epik, scheinen sich Germanistik Nordistik und Skandinavistik des 21. Jahrhunderts wohl auch in absehbarer Zeit nicht überzeugend lösen zu können. Angesichts einer umfänglich höchst beeindruckenden mediävalen Nibelungenphilologie vermissen wir wenigstens eine stichhaltige Begründung für jene radikal-skurrilen Behauptungen, die zur einfachsten Zerschlagung von Ritter-Schaumburgs Forschungsbeiträgen – und damit auch zur systematischen Protektion zweifelhafter germanistischer Auffassungen – eine historische Grundlage für einen ethnologischen bzw. toponymisch abgeleiteten Nibelungenbegriff kategorisch ausschließen. Wir vermissen von fachwissenschaftlich wie auch medienpopulär hochgelobten Nibelungenforschern eine seriöse Begründung für Bemessungsprozedere, die oberdeutsche Reimepik (so z. B. das Nibelungenlied) zum Gradmesser für Überlieferungen von nachweislich mediävalchronistischer Quellenprägung erheben. Wir vermissen von der um die Glaubwürdigkeit ihrer eigenen Forschungsbibliografie fürchtenden Germanistik und Nordistik jedoch auch eine überzeugende Gegendarstellung, warum vor allem die altschwedischen Handschriften nicht mehr als einer „prosaischen Pseudochronik“ genügen sollen. Und wir vermissen insbesondere eine nachvollziehbare Entkräftung der Beiträge nicht nur von Ritter-Schaumburg und eine Reihe anderer Autoren. Von Forschern, die auch zu berücksichtigen wissen, dass chronistische Überlieferungen im Altnordischen als SAGA betitelt wurden. Von Analysten, deren Indizienkataloge zur wahrscheinlichsten historischen Ursprungsregion der mit einem rheinischen Raum verknüpften Niflungen – Nibelungen längst sowie ohne mahnende Fingerzeige auf oberdeutsche Reimdichtung einen Anspruch auf Widerlegung erhoben haben. Einer überwiegend positiv-sachlichen Aufnahme der von Ritter-Schaumburg ausgebreiteten Forschungserkenntnisse und Deutungen taten jene besonders unmittelbar und mittelbar gegen ihn gerichtete Einzelunternehmen, darunter auch eine TV-Diskussion des Hessischen Rundfunks – vom Historiker Ernst F. Jung als „getrickstes Tribunal gegen Ritter-Schaumburg“ entlarvt – allerdings kaum Abbruch (vgl. Pressestimmen aus der Rezensur). Die kritische Auseinandersetzung mit seinen Forschungserkenntnissen hat auch die Privatforschung zu einer Fülle von Beiträgen angeregt. Zu den im Netz abrufbaren Kritiken an fachwissenschaftlich gedeuteten Raumvorstellungen vom oberdeutschen Nibelungenlied zählt der bereits oben genannte Beitrag von Rudolf Patzwaldt. Heinz Ritter-Schaumburg erhielt für seine Forschungsbeiträge das Bundesverdienstkreuz und den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen. |